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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

24. Oktober 2013

Hanau : „Der Lärm ist unerträglich“

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Lärmgeplagte protestieren seit zwei Jahren montags im Terminal 1 des Flughafens.  Foto: Alex Kraus

Eric Ludwig von der IG Fluglärm spricht im FR-Interview über bessere Flugrouten, Proteste und Versprechungen der Flugsicherung.

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Eric Ludwig von der IG Fluglärm spricht im FR-Interview über bessere Flugrouten, Proteste und Versprechungen der Flugsicherung.

Der Verwaltungsgerichtshof in Kassel hat die Forderung nach Anhebung der Flughöhe auf den Stand von vor März abgelehnt. Was bedeutet dies für die IGF?

Die Ablehnung ist für uns ein herber Rückschlag, auch weil das Gericht die Beweisanträge des Main-Kinzig-Kreises nicht berücksichtigt hat. Vielleicht findet sich der Grund in der schriftlichen Stellungnahme des Gerichts, die jetzt vorliegt, die ich aber noch nicht kenne. Allein der Tenor der mündlichen Begründung ist für uns nicht hinnehmbar. Es wird schlicht behauptet, dass der Lärm nicht unerträglich sei. Das ist er aber. Wir müssen nun hoffen, dass diese Uneinsichtigkeit der Richter durch weitere Gutachten aufgelöst wird, die eine gesundheitliche Belastung wegen Fluglärm darlegen.

Braucht es denn zu den bestehenden Gutachten noch weitere, die zum Beispiel das erhöhte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekräftigen?

Das Ergebnis der Gutachten ist offenbar bei den Gerichten noch nicht angekommen. Der VGH wies darauf hin, dass diese Kriterien ja beim Planfeststellungsverfahren behandelt worden seien. Doch das Genehmigungsverfahren liegt länger zurück als manches Gutachten über die gesundheitlichen Auswirkungen. Zudem folgte das Gericht der Forderung der Deutschen Flugsicherung, die behauptet, eine Absenkung der Mindesthöhe um 300 Meter sei für die Abwicklung des künftigen Flugaufkommens und für die Sicherheit unerlässlich. Dieses Argument ist in der Anhörung von unserem Vereinsmitglied, das auch Kläger war, angegriffen worden. Denn wir wissen, es kann anders angeflogen werden. Wenn die DFS den großen Hammer „Sicherheit“ hervorholt, zucken eben die Richter zurück.

Gleichwohl die Obergrenze von 700.000 Flugbewegungen bei weitem noch nicht erreicht ist?

Das derzeitige Aufkommen macht einen tiefen Anflug in der Tat nicht erforderlich. Daher könnte zurzeit, bei rund 500 000 Flugbewegungen, ohne Kapazitätseinbußen lärmmindernd geflogen werden. Aber in diesem Punkt zeigt sich die DFS nicht flexibel. Stattdessen wird nur auf die mögliche Höchstgrenze nach dem Planfeststellungsverfahren verwiesen. Dabei hat sich die neue Nordwest-Bahn im praktischen Betrieb als Fehlplanung herausgestellt, weil die Südumfliegung nicht so funktioniert, wie man es sich dort vorstellte. Das hat zur Folge, dass die Flugsicherung nun zur Kapazitätssicherung jede vernünftige und kurzfristig herstellbare Lösung zur Lärmminderung ablehnt.

Aber das Lärmgutachten der Stadt Hanau belegt: Die Grenzwerte werden im Stadtgebiet nicht überschritten. Wie soll da die Forderung nach weniger Fluglärm greifen?

Das Gutachten, welches der IGF in seinem vollen Umfang noch nicht vorliegt, zeigt zunächst: Der Fluglärm verteilt sich mit der neuen Landebahn stärker über die Stadt. Mit der weiteren Zunahme des Flugverkehrs werden wir in einigen Stadtteilen bald die kritischen Schwellenwerte überschreiten. Es ist also nur eine Frage der Zeit. Ist es nicht schlimm, dass erst dieser Zustand erreicht werden muss, bis Politiker und Juristen reagieren?

Die DFS prüft neue, leisere Anflugverfahren. Sind das aus Ihrer Sicht ernsthafte Versuche, den Fluglärm zu reduzieren?

Da werden Versprechungen gemacht, die kaum zu halten sind. Das Ganze läuft doch unter der verrückten Argumentation der DFS, wenn wir diese Verfahren über den ganzen Tag anwenden, werden wir die im Planfeststellungsverfahren festgeschriebene Kapazität nicht erreichen, was wiederum juristisch anfechtbar sei. Das ist doch völlig kurios.

Seit zwei Jahren protestieren auch Mitglieder der IGF montags am Flughafen. Ist die Aktion nicht schon zu einer Gepflogenheit geworden, die die Fraport kalt lässt?

Keineswegs. Wenn bei der Aktion irgendwelche Neuerungen kommen – wie etwa die Mahnwache in dieser Woche, bei der wir zum Terminal 2 gegangen sind – dann wird die Fraport schon nervös und fürchtet Störungen. Im Augenblick ist der Protest auf einen Ablauf ausgerichtet, der den Betriebsablauf am Flughafen nicht sehr stört, sondern nur die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich lenken soll. Wenn mit dem zunehmenden Flugverkehr die Zahl und die Belastung der Betroffenen sich weiter erhöht und noch mehr Menschen an den Protesten teilnehmen, dann werden große Demos auch zu Beeinträchtigungen führen können.

Wie reagieren die Passagiere?

Die nehmen uns und unseren Protest schon wahr. Vor allem Fluggäste aus Asien zücken oft ihr Fotohandy und machen Aufnahmen. So etwas kennen sie noch nicht. Dadurch tragen sie unseren Widerstand in die ganze Welt hin-aus.

Werden Sie an die künftigen regierenden Fraktionen im Landtag Forderungen stellen?

Unsere Forderungen haben die Politiker bereits vor der Wahl kennengelernt. Sie noch einmal zu wiederholen, macht wenig Sinn. Sollten schwarz-rot die Regierung bilden, was wahrscheinlich ist, wird schon der konservative Flügel der SPD dafür Sorge tragen, dass sich nichts ändert. Bei der CDU ist ohnehin kein Umdenken zu erwarten. Das Thema wird eher in einer Koalition mit den Grünen und auf jeden Fall mit den Linken eine Rolle spielen.

Welche Aktion plant die IGF demnächst?

Wir überlegen, etwas in Richtung Flugsicherung zu tun, damit dort doch noch eine kurzfristige Lärmreduzierung umgesetzt wird. Trotz der Gegenargumentation, man müsse die vorgeschriebenen Kapazitäten erfüllen.

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