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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
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05. August 2015

Lärmschutz: Mehr Schallschutz für Schulen

 Von 
Fluglärm stört die Entwicklung von Kindern. Ein Dauerthema bei den Demonstrationen, wie hier am Terminal 1.  Foto: Michael Schick

Der Fluglärm wird für Hessens Steuerzahler teuer, denn wo die Fraport nicht für Lärmschutzmaßnahmen zahlt, will das Land einspringen. 30 Schulen in der Einflugschneise sollen davon profitieren.

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Der Fluglärm wird für Hessens Steuerzahler teuer: 5,6 Millionen Euro will die Landesregierung für ein neues Förderprogramm bereitstellen, das den Schallschutz an Grundschulen verbessern soll. Diese Summe steht im Entwurf des Landeshaushalts 2016 von Finanzminister Thomas Schäfer (CDU). Fließen soll sie in Gebiete, die in der Norah-Studie untersucht wurden. Sie hat die Lernentwicklung von Grundschülern in der Einflugschneise erforscht.

30 Schulen sollen davon profitieren, sagt Marco Kreuter, Sprecher im Verkehrsministerium, der Frankfurter Rundschau auf Anfrage. Sie alle liegen in der so genannten Tagschutzzone 2. Das heißt, dass Fraport ihnen keine Spezialfenster und Lüftung zahlen muss. Wie viel Geld Wiesbaden für das Programm ausgeben muss, ist Kreuter zufolge noch offen. „Doch wir wollen dafür gewappnet sein.“ Deshalb stünden die 5,6 Millionen Euro im Haushaltsentwurf 2016.

Im November hatten die vom Land beauftragten Wissenschaftler die Ergebnisse des so genannten Kinder-Moduls der Norah-Studie veröffentlicht. Demnach beeinflusst chronischer Fluglärm die Leistung und Lebensqualität des Nachwuchses. In stark belasteten Gebieten beträgt der Rückstand bei der Lesefähigkeit bis zu drei Monate. Der Nachwuchs dort nimmt häufiger Medikamente, als in ruhigeren Gegenden. Gesundheitliche Auffälligkeiten konnten die Experten nicht feststellen.

Der Umfang der Untersuchung ist bundesweit einmalig: 1243 Zweitklässler aus verschiedenen stark belasteten Gebieten in Rhein-Main hatten sich an dem Test beteiligt. Eltern und Lehrer beantworteten Fragen zum gesundheitlichen Befinden, zur Schlafqualität oder wie Fluglärm den Alltag der Kleinen bestimmt. Knapp 40 Prozent der Lehrer gehen wegen des Krachs nicht mit dem Nachwuchs an die frische Luft.

Die Studie
Studienmodule

Die Lärmwirkungsstudie begann April 2011, noch vor Eröffnung der Nordwest-Landebahn. Sie soll möglichst repräsentativ und wissenschaftlich abgesichert Aussagen über Auswirkungen von Verkehrslärm liefern.

Es gibt drei große Module: eines zur Belästigung, eines zur Gesundheit, das dritte zu kognitiven Leistungen und Lebensqualität bei Kindern. Auftraggeber ist das Land Hessen. Das Gesamtergebnis ist für diesen Herbst angekündigt. jur
www.laermstudie.de

Studienleiterin Maria Klatte berichtete von „erheblichen Störungen“ im Unterricht, die die Arbeit der Lehrer „beträchtlich“ erschwere und bei den Kindern Stress hervorrufe. Die Grundschüler würden aus der Konzentration gerissen, schauten plötzlich zum Fenster und verpassten dadurch „eine Lerngelegenheit“. Im Januar kündigte die schwarz-grüne Koalition in Wiesbaden dann ein „mehrstufiges Maßnahmenpaket“ an. Mit dem jeweiligen Schulträger und den Lehrern würden nun „individuelle Lösungen“ erarbeitet, versprachen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Kultusminister Alexander Lorz (CDU) damals. Das Klatte-Team habe „zwar keine dramatischen, aber messbare Auswirkungen festgestellt“. Dennoch wolle das Land den hochbetroffenen Schulen innerhalb der beiden Tagschutzzonen individuelle Beratungen anbieten und helfen, Mängel beim Schallschutz zu beheben, hieß es. Diese Gespräche sind inzwischen abgeschlossen, sagt Kreuter. Einzige Ausnahme sei Darmstadt – „aus organisatorischen Gründen“. Als nächstes würden die Förderrichtlinien erarbeitet.

Welch krasse Auswirkungen Fluglärm im Extremfall haben kann, zeigte jüngst das Beispiel der Paul-Maar-Grundschule, die direkt unter der Einflugschneise in Flörsheim steht. Seit Eröffnung der Nordwestbahn liegt sie zwar in der Tagschutzone 1, also muss Fraport Schallschutzfenster und Lüftung zahlen. Doch wegen organisatorischer Probleme sind die Verbesserungen noch nicht realisiert. Mitte Juli schlug der Elternbeirat in einem Brief an die Landesregierung Alarm: „Aufgrund des Fluglärms, des Fehlens von Schallschutz und wärmeabweisenden Fenstern leiden unsere Kinder unter Nasenbluten, Kopfschmerzen, Dehydration, Übelkeit und Erbrechen!“ 40 Grad Celsius war damals in Klassenräumen gemessen worden.

Ausweichen ins Freie löste das Problem der Flörsheimer Kinder auch nicht: Rund um die Schule gibt es kaum Schatten. Und gegen den Krach der Flugzeuge kamen die Lehrer nicht an.

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