Brigitte L. ist zu Besuch bei ihrer Tochter Uta in Neu-Isenburg. Es ist ein halbwegs normaler Abend – bis 23 Uhr. Eigentlich soll es dann über der vom Fluglärm seit Jahrzehnten geplagten Stadt , wie im gesamten Luftraum über Frankfurt, ruhig werden. Nachtflugverbot: keine Starts und Landungen zwischen 23 und fünf Uhr. So lautete das Ergebnis des Mediationsverfahrens. So hat der Verwaltungsgerichtshof in Kassel im Herbst geurteilt, nachdem die hessische Landesregierung zwischenzeitlich 17 Nachtflüge genehmigt hatte. In der Nacht zum Mittwoch ging es am Himmel aber rund wie schon lange nicht mehr: 26 verspätete Starts und eine verspätete Landung listet das Hessische Ministerium für Wirtschaft und Verkehr in der Zeit zwischen 23 und null Uhr auf. Hinzu kommt ein „Hospitalflug“ – ein Notfall – um drei Uhr nachts, wie Ministeriumssprecherin Ulrike Franz-Stöcker sagt. Ausnahmen sieht der Planfeststellungsbeschluss für den Fall vor, dass Verspätungen nicht in Verantwortung der Fluggesellschaft liegen.
Am Dienstag kam der Schnee und es blieb die Kälte. Wegen zahlreicher Enteisungen und einer ungünstigen „Rückenwindkomponente“ für die Startbahn West – hier durfte in den Abendstunden nicht gestartet werden – stauten sich die Flieger. Das Ministerium erteilte mit Verweis auf den Planfeststellungsbeschluss Ziffer vier und folgende Ausnahmegenehmigungen, „da die Verspätung nicht schon aus der Flugplangestaltung hervorging oder die Landung in der Zeit von 22 bis 23 Uhr geplant war“.
Selbst bei der Deutschen Flugsicherung war man „überrascht über die große Anzahl der Flugbewegungen“, sagte eine Sprecherin. Überrascht war auch FR-Leser S. aus Sachsenhausen, der sich bei der Fraport beschwerte und mit der Antwort, er werde Post bekommen, nicht wirklich zufrieden war. Uta L. findet es unverschämt, dass so großzügig Ausnahmen erteilt werden.
Knallhart blieb die Behörde bei zwei Lufthansa-Maschinen, die nicht abheben durften. Der Flieger nach Billund in Dänemark kam wegen eines technischen Defekts zu spät, das Flugzeug nach Paris, weil der „Crew-Umlauf nicht stimmte“, wie ein LH-Sprecher sagte. 124 Passagiere mussten im Hotel übernachten.
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.