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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

12. März 2012

Montagsdemo am Flughafen Frankfurt: 2000 Menschen demonstrieren gegen Fluglärm

 Von Jürgen Ahäuser
Marsch durch die Flughafenhalle: Gegner der neuen Landebahn.  Foto: Chris Hartung

Vor der Verhandlung des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig versammeln sich erneut Bürger zum Protest gegen Fluglärm am Frankfurter Flughafen. Vom Ergebnis der OB-Wahl zeigen sich die Demonstranten unbeeindruckt.

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Die Frau auf der Holzbank im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens ist am Montag gegen 17.35 Uhr unsanft geweckt worden. Sie hat irritiert aufgeschaut und ist gegangen. Sagen wollte sie nichts zu dem seltsamen Weckruf. Die Montagsdemonstranten sind ungeduldig geworden. Weit vor dem offiziellen Start der 15. Protestaktion haben sie ihrem Unmut Luft verschafft. „Die Bahn muss weg“, skandiert das um diese Zeit noch überschaubare Häuflein und hält Fahndungsfotos jener Politiker hoch, die es als führende Übeltäter ausgemacht hat: Roland Koch, Ex-Ministerpräsident von Hessen, und sein Nachfolger Volker Bouffier (beide CDU).

Der Ton hat sich noch einmal verschärft. Es ist der Abend vor dem ersten Flughafen-Verhandlungstag vor dem Bundesverwaltungsgerichtshof in Leipzig, und es ist der Tag nach dem ersten Durchgang der Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt. Rudolf Schreiber, Sprecher der Bürgerinitiative Frankfurt Lerchesberg, schlägt vor der auf 2000 zornige Bürger angewachsenen Demo apokalyptische Töne an. Der Unternehmensberater spricht vom täglichen Luftangriff auf die Stadt, vom Krieg im Frieden und davon, dass manche Stadtteile zum Friedhof der Lebensqualität geworden seien.

Die Mehrheit der unermüdlich Demonstrierenden macht sich einen Jux daraus, den zivilen Ungehorsam in den sonst sehr ordentlich ablaufenden Demonstration zu üben. Trillerpfeifen, vom Ordnungsamt verboten, werden zum Instrument, den tausendfachen Unmut über den Lärm mit ohrenbetäubendem Lärm kundzutun.

Rhein und Feldmann wie Pest und Cholera

Am Montagabend dienen sie Jochen Kraus dazu, ein Signal an die verbliebenen Frankfurter OB-Kandidaten zu senden. Kraus, einst Leitender Notarzt für den Flughafenbetreiber Fraport und nun einer der schärfsten Kritiker des Ausbaus, nennt die Wahl von Boris Rhein (CDU, 39,1 Prozent) und Peter Feldmann (SPD, 33 Prozent) unter dem Gejohle der Zuhörer eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera. Sozialdemokrat Feldmann, der für ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr eintritt, genießt hörbar mehr Sympathien bei den Gegnern der neuen Landebahn. Innenminister Rhein gilt als Vertreter der Landesregierung, die in Leipzig gegen das Nachtflugverbot klagt, und als später Verfechter der Nachtruhe von 23 bis 5 Uhr als Wendehals. Kraus, Mitbegründer der Initiative „Eintracht gegen Fluglärm“, nennt Feldmann den roten Stachel in der schwarz-grünen Selbstzufriedenheit. Die grüne Kandidatin Rosemarie Heilig sei an der schwarz-grünen Koalitionsrealität im Frankfurter Römer und der damit verbundenen Untätigkeit der Grünen gescheitert. Ursula Fechter (FAG), seit Jahren resolute Kämpferin gegen den Ausbau, habe sich mit ihren vier Prozent tapfer geschlagen.

Flörsheimer Bürger, die seit Jahren in der Fluglärm-Kernzone leben, zeigen sich vom Frankfurter Wahlergebnis enttäuscht. „Ich habe sogar auf einen Durchbruch von Rosemarie Heilig gehofft“, sagt Werner Syha. Er hat sich von der Befürworterin der Bahnstilllegung mehr Einfluss auf die hessische Regierungspolitik erhofft. Beate Pfrank wundert das Ergebnis des ersten Wahlgangs indes nicht. „Die Frankfurter verdienen auch am Flughafen“, sagt sie.

Von Leipzig, so die einhellige Meinung aller Redner, erwarten die Bürgerinitiativen eine Bestätigung oder besser noch eine Ausweitung des Nachtflugverbotes und eine Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses. Damit könne die im Oktober 2011 eröffnete Nordwestlandebahn wieder still gelegt werden.

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