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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

05. Dezember 2011

Montagsdemo am Frankfurter Flughafen: Tausende demonstrieren im Terminal

Tausende Menschen demonstrieren im Terminal 1 gegen den Fluglärm  Foto: Alex Kraus

Mehrere tausend Menschen versammeln sich zur vierten Montagsdemonstration am Frankfurter Flughafen. Auf Trillerpfeifen, Vuvuzelas und andere Krachmacher sollten die Demonstranten dieses Mal verzichten - aus Sicherheitsgründen.

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Frankfurt –  

Nach Schätzungen der Veranstalter kamen am Montagabend mindestens 3500 Menschen zum vierten Protest im Terminal zusammen, die Polizei sprach von rund 2000 Menschen - das wären weniger als bei der Demo in der vergangenen Woche. Die Opposition im hessischen Landtag stärkte unterdessen den lärmgeplagten Anwohnern den Rücken. Nach Ansicht der Grünen wird der Streit um den Fluglärm zum beherrschenden Wahlkampfthema im Rennen um das Frankfurter Rathaus kommenden März. „Es ist immer ein Thema, wenn viele Menschen ein Problem haben“, sagte der neue Chef der Frankfurter Grünen, Omid Nouripour. „Die Parteien müssen den Druck spüren, sonst ändert sich nichts an der Lage.“ Eine Politikverdrossenheit fürchtet Nouripour allerdings nicht, im Gegenteil: „Wenn mehrere tausend Menschen zum Protest zusammenkommen, kann ich keine Verdrossenheit erkennen.“

Fraport zeigt Verständnis

Flughafenbetreiber Fraport zeigte Verständnis für die Empörung und sagte erneut zu, möglichst rasch Abhilfe durch Schallschutz- und Aufkaufprogramme für Häuser zu schaffen. In den vergangenen Wochen war die Zahl der lautstark protestierenden Demonstranten im Terminal durchgehend gestiegen, am vergangenen Montag sollen nach Schätzungen der Polizei rund 2500 Menschen im Terminal mit Trillerpfeifen und Trommeln ihrem Ärger gegen den Fluglärm Luft gemacht haben. Organisiert werden die Proteste von einem Bündnis der Bürgerinitiativen, das sich gegen den Betrieb der neuen Landebahn einsetzt und für den Flughafen ein dauerhaftes Nachtflugverbot einfordert.

Am Abend fielen die Proteste wegen einer Auflage des Ordnungsamtes allerdings etwas weniger ohrenbetäubend aus: Das Bündnis war von der Stadt aufgefordert worden, auf Trillerpfeifen, Vuvuzelas, Sirenen und Drucklufthupen zu verzichten. Behörde und Fraport sorgen sich um die Kommunikation im Ernstfall. „Natürlich ist es nachvollziehbar, dass Menschen in der Region durch den Fluglärm gestört werden“, sagte Fraport-Sprecher Mike Peter Schweitzer. „Aber am vergangenen Montag waren teilweise auch die Lautsprecherdurchsagen im Terminal nicht mehr zu hören.“ Das wirke sich aus auf die Sicherheit von Mitarbeitern, Demonstranten und Passagieren.

Schweitzer betonte, die Fraport entziehe sich keineswegs dem Dialog. Es gebe etliche Punkte, bei denen das Unternehmen Gesprächsbereitschaft zeige. Am Wochenende hatte bereits Fraport-Chef Stefan Schulte Verständnis gezeigt. Hoffnungen auf eine Ausweitung der Nachtruhe zumindest bis zur Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig machte er aber nicht: „Das ist schlicht unrealistisch, darauf können wir nicht eingehen“, sagte Schulte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Vor allem ein internationaler Flughafen wie Frankfurt könne nicht auf die wichtigen Randstunden am frühen Morgen und späten Abend verzichten.

Streit lässt sich nur durch stärkeren Protest beilegen

Für den Darmstädter Soziologen Michael Hartmann wird sich der Streit nur durch stärkeren Protest beilegen lassen. Ohne den Druck zum Beispiel der Montagsdemonstrationen ließen sich vor allem die Politiker immer weniger von der Not der Menschen überzeugen. „Die Politiker reagieren nicht auf die sinkende Wahlbeteiligung“, sagte Hartmann in einem dpa-Gespräch. „Deshalb muss man diejenigen, die maßgeblich beteiligt sind, unter Druck setzen.“ Er rechnet auch damit, dass der Protest zunehmen wird, sollte die Landesregierung den Lärmgegnern nicht entgegenkommen.

Nach seiner Auffassung könnte sich die Fraport auch umstimmen lassen, sollte der Protest stärker werden. „Wenn die Außenwirkung und die permanente Störung massiv zunehmen und der normale Ablauf auch im Terminal gestört wird, dann wird Fraport vermutlich reagieren“, sagte Hartmann. „Denn das ist für sie günstiger als all die schlechten Schlagzeilen und eventuellen Beeinträchtigungen.“

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel hatte Mitte Oktober ein vorläufiges Nachtflugverbot verfügt, bis das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ein endgültiges Urteil fällt. Die hessische Landesregierung will mit einer Klage in Leipzig Ausnahmen erlauben. (dpa)

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