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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

04. Februar 2014

Nachtflugverbot: Land plant Pausen vom Fluglärm

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Mit Pauken gegen den Lärm: die Flughafendemo am Montagabend.  Foto: Christoph Boeckheler

Starts und Landungen von Flugzeugen in den Stunden vor und nach dem Nachtflugverbot nur noch über eine Bahn: Wie die schwarz-grüne Hessenkoalition die Belastung der Anwohner verringern will.

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Die neue Landesregierung will sogenannte Lärmpausen einführen. In den Stunden vor und nach dem Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr sollen Starts und Landungen nur noch über eine Bahn abgewickelt werden, so dass die Anwohner im Gebiet der Süd- oder der Nordwestbahn jeweils eine Stunde vom Fluglärm verschont bleiben. Während die Deutsche Flugsicherung (DFS) nach Angaben von Pressesprecherin Ute Otterbein noch auf konkrete Vorschläge der schwarz-grünen Koalition wartet, ist Günter Lanz vom Umwelt- und Nachbarschaftshaus in Kelsterbach optimistisch. Bei den Starts werde dieses Verfahren schon jetzt praktiziert. Er könne sich vorstellen, dass es auch bei den Landungen funktioniert. Otterbein äußerte sich mit Blick auf das hohe Verkehrsaufkommen zwischen 5 und 6 Uhr zurückhaltender.

Ein „ziemliches Potenzial“, den Lärm zu verringern, sieht Lanz beim sogenannten Steeper Approach: Die Flugzeuge bleiben länger auf einer Höhe von 8000 Fuß (2400 Meter) und sinken mit 4,5 Grad. Erst für den letzten Abschnitt der Landung benutzen sie den üblichen Drei-Grad-Winkel. Dadurch wären sie über Hanau knapp 500 über Offenbach 235 Meter höher und entsprechend leiser.

Im Herbst des vergangenen Jahres gab es in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR) erste Testflüge auf dem Frankfurter Flughafen. In diesem Jahr sollen nun, so Lanz, zwei Fragen geklärt werden, nämlich welche Auswirkungen der steilere Anflug auf die Kapazitätsfrage hat und ob und wie sich beide Anflugverfahren kombinieren lassen. Für die Deutsche Flugsicherung handelt es sich beim Steeper Approach allerdings eher um ein Forschungsprojekt: Ob und wann das kommt, sei offen, betonte Otterbein.

In weite Ferne gerückt erscheint die Einführung von virtuellen Trichtern, in denen sich die Flugzeuge sammeln, bevor sie direkt zur Landebahn geführt werden. Dieses Point Merge genannte Verfahren sei gerade für einen so engen und hochfrequentierten Luftraum wie den Frankfurter schwierig. Es sei aber nicht komplett vom Tisch, sondern werde in Hannover weiterentwickelt, erklärte Otterbein. Möglicherweise ist Point Merge auch politisch gar nicht mehr gewollt – weil es unter den Sammelpunkten eine neue Fluglärm-Betroffenheit geben würde. „Jeder wollte wissen, wo diese Trichter sind“, sagte Lanz.

Eine Schlappe mussten alle, die sich um weniger Fluglärm bemühen, durch den Hessischen Verwaltungsgerichtshof einstecken. Der Gerichtshof erklärte die Südumfliegung für rechtswidrig, obwohl sie sowohl von der DFS als auch vom Umwelt- und Nachbarschaftshaus als die Lärm-ärmste aller geprüften 13 Varianten galt. Der Gerichtshof argumentierte, dass mit der Südumfliegung die angestrebte Kapazitätserweiterung des Flughafens nicht machbar sei.

Inzwischen hat das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung Beschwerde dagegen eingelegt, dass der Verwaltungsgericht eine Revision gegen das Urteil ausgeschlossen hatte. Es wird damit gerechnet, dass das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig bis Mai entscheidet, ob es die Beschwerde zulässt – dann würde das Verfahren neu aufgerollt, die Südumfliegung könnte weiter genutzt werden.

Sollte das Bundesverwaltungsgericht eine Revision ablehnen, stünde die Südumfliegung „von jetzt auf gleich“, so Otterbein, nicht mehr zur Verfügung. Dann dürfte die Flugsicherung vorübergehend auf ein bereits erprobtes Abflugverfahren zurückgreifen, das derzeit nur nachts zum Einsatz kommen – eine etwas enger gezogene Südumfliegung. Mehr Fluglärm würde dadurch nicht entstehen.

Allerdings darf dann nur abwechselnd auf der Startbahn West und der Centerbahn gestartet werden. So aber kann die im Planfeststellungsbeschluss festgeschriebene Kapazitätserweiterung auf bis zu 700 000 Flugbewegungen im Jahr nicht erreicht werden. Die DFS wird eine neue bestimmt nicht leisere Abflugroute entwickeln müssen.

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