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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

02. August 2012

Norah-Studie Fluglärm: Ärzte fordern Abbruch der Fluglärmstudie

 Von Felix Helbig und Friederike Tinnappel
Fluglärm kann krank machen - für die Ärzte sind die bisherigen Ergebnisse der Norah-Studie aussagekräftig genug.  Foto: Rolf Oeser

Schlechte Nachricht für Fraport und den Flughafen Frankfurt: Fast 100 Ärzte aus dem Rhein-Main-Gebiet gehen gegen eine großangelegte Fluglärm-Studie der Hessischen Landesregierung auf die Barrikaden. Diese sei kontraproduktiv, weil sie schnelles Handeln zum Schutz der Bevölkerung verzögere.

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Schlechte Nachricht für Fraport und den Flughafen Frankfurt: Fast 100 Ärzte aus dem Rhein-Main-Gebiet gehen gegen eine großangelegte Fluglärm-Studie der Hessischen Landesregierung auf die Barrikaden. Diese sei kontraproduktiv, weil sie schnelles Handeln zum Schutz der Bevölkerung verzögere.

Namhafte Mediziner aus Kliniken im gesamten Rhein-Main-Gebiet fordern den sofortigen Abbruch der NORAH-Studie zu den gesundheitlichen Auswirkung von Lärm. Das geht aus einem offenen Brief der Ärzte hervor, der der Frankfurter Rundschau vorab vorliegt. Sie argumentieren, dass bereits ausreichende nationale und internationale Studien mit sicheren Erkenntnissen darüber vorlägen, welche Auswirkungen der Fluglärm und die Emissionen auf die betroffene Bevölkerung haben. Die neuerliche Studie sei deshalb kontraproduktiv, weil sie auf Jahre ausgelegt sei und so „ein erforderliches und sofortiges Handeln zum Schutz der Bevölkerung mit dem Hinweis auf die laufende Studie verzögert wird“.

Unterschrieben ist der offene Brief von 90 Medizinern, darunter der Hirnforscher Wolf Singer, der Kardiologe Martin Kaltenbach, der Internist Ernst Scheuermann sowie zahlreiche Chefärzte verschiedener Kliniken. „Die Studienlage ist erschöpfend und vollkommen eindeutig, es ist deshalb überflüssig, dringend erforderliches Handeln mit einer neuerlichen Studie zu verzögern“, sagte Scheuermann der FR. Die Studie sei zudem unethisch, der Bevölkerung werde eine „scheinbare, nicht vorhandene Fürsorge vorgetäuscht“, so der Internist.

Ergebnisse Mitte 2014 erwartet

Das Umwelt- und Nachbarschaftshaus, das die Studie in Auftrag gegeben hat, widersprach dieser Darstellung: Mehrere Ethikkommissionen hätten die Studie befürwortet, erklärte Geschäftsführer Günter Lanz. Auf einer Experten-Diskussion im April 2010 seien sich die Teilnehmer einig gewesen, dass es „noch Forschungslücken“ gebe. Im September 2010 habe der Hessische Landtag einstimmig beschlossen, die Studie zu unterstützen. Das Umwelt- und Nachbarschaftshaus in Kelsterbach hat die Aufgabe, den Dialog aller vom Flughafen-Ausbau Betroffenen zu fördern.

Die Lärmwirkungsstudie NORAH (Noise Relatet Annoyance, Cognition and Health) wird über sieben Millionen Euro kosten. Abschließende Ergebnisse werden Mitte 2014 erwartet. Insgesamt sollen über zwei Millionen Bürger und Bürgerinnen mit einbezogen werden. Für die wissenschaftliche Qualitätskontrolle würden erhebliche Anstrengungen unternommen, sagte Lanz. „Wir wollen eine absolut saubere Studie hinlegen.“ Wenn NORAH „gut gemacht ist“, könnte die Studie den Druck, das Fluglärmgesetz zu verschärfen, „maßgeblich erhöhen“.

Die Mediziner berufen sich in ihrem offenen Brief an die Ärztekammern, die Deutsche Herzstiftung, das Umweltbundesamt und den Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) auch auf eine Resolution des Deutschen Ärztetages vom Mai. Darin wird die Politik aufgefordert, „die Bevölkerung vor den Folgen des Flugverkehrs durch Flugzeug-Abgase und Lärmemissionen nachhaltig und umfassend zu schützen“. Diese Forderung, so die Resolution ergebe sich „aus der wissenschaftlichen Evidenz“.

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