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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

15. November 2013

Protest gegen Flughafenausbau: "Druck muss zunehmen"

 Von 
Die Montags-Demo im Terminal 1.  Foto: Renate Hoyer

Nach den Landtagswahlen stellt sich die Widerstandsbewegung gegen die Expansion des Frankfurter Flughafens neu auf. Aktivist Michael Wilk will kein Moratorium zum Bau des Terminals 3. Er ruft zu kreativen Protesten auf.

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Nach den Landtagswahlen stellt sich die Widerstandsbewegung gegen die Expansion des Frankfurter Flughafens neu auf. Aktivist Michael Wilk will kein Moratorium zum Bau des Terminals 3. Er ruft zu kreativen Protesten auf.

Frankfurt. –  

Herr Wilk, die Landtagswahl ging nicht im Sinne der Ausbaugegner aus. Wie geht es weiter?

Die Strategie der Parteien ist immer die gleiche: hinhalten, dann vor der Wahl Hoffnungen wecken, dann wieder hinhalten. In den Bürgerinitiativen gibt es viele, die erst in den letzten zwei Jahren dazugekommen sind. Sie verfügen nicht über die politische Erfahrung wie wir, die seit Jahren aktiv sind oder schon bei der Startbahn West dabei waren. Sie sind noch sehr parteienfixiert und hoffnungsvoll gegenüber parlamentarischen Veränderungen.

Haben die Bürgerinitiativen zu stark auf die Politik gesetzt?

Viele Aktive haben zu sehr vertraut auf einen Wandlungsprozess oder Veränderungen von bestimmten Parteien. Ein Teil der Bewegung fängt jetzt an, enttäuscht zu werden, nachdem sich in der Realität längst nicht so viel bewegt, wie erwartet.

Ziehen Sie weg? Hören Sie auf zu protestieren? Werden Sie gewalttätig?

Wir sind in einer sehr interessanten Phase in der man jetzt aufs Neue realisiert, dass es ohne Druck außerhalb der Parlamente nicht geht. Der Druck der Straße und der Betroffenen ist die eigentliche Triebfeder, die Politik zu bewegen vermag. Das wird sich jetzt besonders zeigen, wo zu 99,9 Prozent klar ist, dass Rot-Rot-Grün keine Option mehr ist. Sie wäre, wenn überhaupt, die am weitesten gehende politische Konstellation für eine andere Herangehensweise an Fraport gewesen.

Was ist nun die bessere Konstellation – Schwarz-Grün oder Schwarz-Rot?

Ich weiß nicht, was die schlimmere Option ist. Schwarz-Rot sind seit Jahrzehnten erprobte Ausbaubefürworterparteien. Was Schwarz-Grün betrifft wird sich zeigen, ob die vagen Versprechungen der Grünen in Sachen Ausweitung des Nachtflugverbots oder Nichtbau von Terminal 3 geopfert werden, um die Fleischtöpfe einer Regierungsbeteiligung zu erreichen.

Ministerpräsident Volker Bouffier und Grünen-Chef Tarek Al-Wazir haben in ihrem jüngsten Sondierungsgespräch beim Thema Flughafen einen Korridor definiert, innerhalb dessen es Kompromisse geben könnte.

Wir haben ja die Erfahrung mit Schwarz-Grün in Frankfurt, wo der Magistrat seit Jahren alle Baumaßnahmen am Flughafen durchwinkt. Wo von Widerstand der Grünen gegen Umbau, von Veränderungen der Infrastruktur wie Gateway Gardens keine Rede sein kann.

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Gehören zum Druck von der Straße auch die Montagsdemos im Terminal 1?

Sie sind gut. Sie sind ein Pfahl im Fleisch eines ungestörten Flughafenbetriebs. Auf der anderen Seite muss man aufpassen: Ritualisierte Protest werden schnell zahnlos. Es ist notwendig, den Biss zu schärfen, andere Aktionsformen wieder einzubeziehen.

Zur Person
Michael Wilk

Michael Wilk, Jahrgang 1956, ist gelernter Schmied und promovierter Mediziner. Er arbeitet als niedergelassener Arzt und Psychotherapeut in Wiesbaden.

Der Autor arbeitet seit den 70er Jahren im Anarchistischen Forum Wiesbaden und dem Arbeitskreis Umwelt Wiesbaden (AKU) mit. Er ist Aktivist in sozialen und ökologischen Bewegungen wie der Anti-Atomkraft-Bewegung, dem Bündnis der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau und nahm bereits am Widerstand gegen die Startbahn West teil. jur

Zum Beispiel?

Aktionen, die das Baugelände am Terminal 3 problematisieren oder die unzureichende Nachtruhe von 23 bis 5 Uhr. Der faule Mediationskompromiss muss wieder infrage gestellt werden. Da muss man nachlegen.

Würden die Montagsdemonstranten auch in den Wald gehen, um ihn vor Rodung zu schützen?

Es ist alternativlos, auf die Straße zu gehen und kreativ zu protestieren. Wir haben Aussicht auf Erfolg, wenn der Druck zunimmt.

Wie wird sich die neue Regierung aufstellen, um die Ausbaugegner zu beruhigen?

Sie wird sie mit inhaltlosen Floskeln abspeisen: Die Gesundheit der Bevölkerung stünde ganz oben auf der Prioritätenliste. Dann wird sie sich hinter gesetzlichen Rahmenbedingungen verstecken. Sie wird auf Zeit spielen, auf Entscheidungen verweisen, die in Brüssel fallen oder Berlin. Absichtserklärungen dämmen aber nicht die Flughafenexpansion ein. Nur konkrete Handlungen.

Was ist mit dem Moratorium, das die SPD zum Terminal 3 ins Spiel gebracht hat?

Wir wollen kein Moratorium, sondern den Nicht-Bau von Terminal 3. Die Bürgerinitiativen müssen aufhören, auf politische Handlungen oder ein Entgegenkommen von Flughafenbetreiber Fraport zu warten. Auch die Argumentation, dass das Terminal 3 wegen sinkender Umsatzzahlen nicht gebraucht würde, ist eine ganz große Illusion.

Eine Illusion?

Den Fehler haben wir schon bei der Startbahn West gemacht. Wenn Fraport auf die Drehkreuzfunktion des Flughafens setzt, werden sie auch das neue Terminal zu nutzen wissen. Das Angebot regelt die Nachfrage.

Was ist mit einer neuen Mediation, wie es einzelne Politiker der SPD und Grünen in die Diskussion geworfen haben?

Ein solches Angebot ist ein Hohn und die Verkennung der Stimmung bei der betroffenen Bevölkerung. Es geht nicht darum, dass man uns erneut einen runden Tisch mit wagen Verhandlungsergebnissen anbietet. Zumal die Erfahrung mit dem vergangenen Mediationsverfahren zeigt, dass die Politik sich ohnehin nicht an das Ergebnis hält. Das heißt nicht, dass wir keine Dialogbereitschaft haben. Aber wir sind gut beraten, Dialogverfahren im Sinne eines Mediationsverfahrens oder einer Schlichtung abzulehnen, die uns letztendlich nur vom Flughafen und dem Protest wegziehen und hinhalten sollen.

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