Aktuell: Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

05. März 2012

Protest gegen Fluglärm: Montagsdemo wird lauter

 Von Andrea Rost
Seit vier Monaten ziehen die Demonstranten Montag für Montag durch das Terminal 1 des Frankfurter Flughafens.  Foto: Michael Schick

Wieder ziehen tausende Demonstranten durch das Terminal 1 des Frankfurter Flughafens. Und ihr Protest wird lauter. Die Passagiere in der Abflughalle staunen nicht schlecht.

Drucken per Mail

Wieder ziehen tausende Demonstranten durch das Terminal 1 des Frankfurter Flughafens. Und ihr Protest wird lauter. Die Passagiere in der Abflughalle staunen nicht schlecht.

Zwischen Edelboutiquen und Abfertigungsschaltern ziehen tausende Demonstranten durch das Terminal 1 des Frankfurter Flughafens. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Ruhe klaut“, rufen sie in Sprechchören und machen ohrenbetäubenden Krach mit Topfdeckeln, Ratschen Hupen, Kuhglocken, Trillerpfeifen und Vuvuzelas.

Jeden Montagabend ist das so, seit vier Monaten. Die Passagiere in der Abflughalle staunen nicht schlecht, als der lautstarke und nicht enden wollende Protestzug an ihnen vorbeizieht. Handykameras werden gezückt, um die Demonstranten abzulichten. Ein Mann aus Singapur dreht ein kurzes Video. Er könne den Ärger der Menschen über den Flughafenausbau verstehen, sagt er. „Frankfurt ist doch ohnehin schon so ein großer Airport.“

Die Polizei zählte etwa 2000 Fluglärmgegner - und damit mehr als an den vergangenen Montagen. Zuletzt waren laut Polizei zwischen 1100 und 1700 Demonstranten gekommen.

Schon ehe sie ihre Tour durch das Terminal angetreten haben, waren die Demonstranten laut. Unter der großen Informationstafel in Halle B haben sie sich wie immer versammelt. Kurz nach 17 Uhr waren die ersten da.

Die drei Dutzend Lufthansa-Schalter, an denen üblicherweise Passagiere abgefertigt werden, sind während der Montagsdemos geschlossen. „Lieber Fluggast, geben Sie Ihr Gepäck in Halle A auf“, steht drüber. Ordner von Fraport in roten Jacken weisen den Weg. Auch während Tausende im Terminal demonstrieren, muss die Arbeit weitergehen.

Ein Korridor ist hinter den Demonstranten abgesperrt, damit die Fluggäste zu ihren Gates kommen. Immer wieder bahnen sich Reisende mit Rucksack und Rollkoffer auch den Weg durch die Menschenmasse. „Nichts wie weg hier!“, ruft ein Mann seiner Begleiterin zu.

"Die Bahn muss weg"

Ein junges Pärchen betrachtet staunend die vielen Plakate und Transparente, die hochgehalten werden. Manche sehen jenen der „Ja zu Fra-Demo“ auf dem Römerberg am vergangenen Donnerstag zum Verwechseln ähnlich. Der Verein Gegenwind hat sie anfertigen lassen und mit Slogans ergänzt: „Ja zu unserer Gesundheit, Ja zum Nachtflugverbot, Ja zum Ausbaustopp.“

Während die Demonstranten in Sprechchören fordern: „Die Bahn muss weg“, werden an Schaltern, die ein paar Meter weiter entfernt sind, Passagiere für einen Flug in die Türkei abgefertigt. Die Airline-Mitarbeiterin lächelt freundlich. Business as usual. Ob sie sagen mag, wie es ist, jeden Montag bei ohrenbetäubendem Krach zu arbeiten? Kopfschütteln. Kein Kommentar.

Nicht besonders gesprächig sind auch die beiden Service-Mitarbeiter von Fraport, die in ihren neongelben Westen an einem geschlossenen Check-in-Schalter die Stellung halten. „Wir müssen gewährleisten, dass hier alles glatt läuft“, sagen sie. Mehr Infos gibt’s nicht. „Aus arbeitsrechtlichen Gründen.“

Fraport kann den Montagsdemos nicht entgehen. Jede Woche wird aufs Neue eine angemeldet. Immer von Jossy Oswald, dem ehemaligen Startbahn-West-Widerstandskämpfer und BI-Veteranen aus Mörfelden-Walldorf. Organisiert werden die Demos der Reihe nach von verschiedenen Bürgerinitiativen; am Montag waren die Offenbacher dran. Je 50 Teilnehmer muss ein Ordner gestellt werden. Die Frankfurter Polizei und die Bundespolizei, die für den Flughafen zuständig ist, beobachten das Geschehen.

Ein offizielle Genehmigung ist für die Demonstrationen nicht nötig. Das im Grundgesetz verbriefte Versammlungsrecht wiegt schwerer als das Hausrecht des Flughafenbetreibers. (mit dpa)

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial
Koch geht, Bouffier kommt - wohl auch im CDU-Bundesvorsitz.

Ende einer Ära: Nach elfeinhalb Jahren nimmt Hessens Ministerpräsident Roland Koch Abschied von der Politik.

Spezial

Hat Volker Bouffier als Innenminister einen Parteifreund begünstigt? Ein Untersuchungsausschuss sucht Antworten.

Spezial

Nach der Privatisierung des Uniklinikums Marburg-Gießen häufen sich Berichte über eine schlechte Krankenversorgung und Personalmangel.

Polizeimeldungen

Was ist passiert? Polizeimeldungen aus Frankfurt, Darmstadt, Offenbach und Hanau sowie Wiesbaden.