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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

20. März 2013

Tarif-Streit bei Lufthansa: Frankfurter Flughafen im Zentrum des Streiks

Lufthansa-Mitarbeiter haben am Frankfurter Flughafen die Arbeit niedergelegt. Mit Protestplakaten vor den geschlossenen Check-In-Schaltern wollen sie auf den Tarifkonflikt aufmerksam machen.  Foto: dpa

Erneut sind Lufthansa-Maschinen am Frankfurter Flughafen am Boden. Die Gewerkschaft Verdi hat zum Arbeitskampf aufgerufen. Betroffen sind nahezu alle Flüge nach Deutschland und Europa. Die Fußball-Nationalmannschaft kann aber trotz Streiks wie geplant nach Kasachstan fliegen.

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Frankfurt –  

Kurz vor den Osterferien müssen sich Fluggäste der Lufthansa wegen eines Warnstreiks auf zahlreiche Flugausfälle und Verspätungen gefasst machen. Nahezu alle Flüge in Deutschland und Europa sind am Donnerstagmorgen gestrichen, kündigte ein Konzernsprecher an.

Betroffen seien die Verbindungen ab Frankfurt, Hamburg, Berlin, München, Düsseldorf und Köln. Insgesamt fallen am Donnerstag mehr als 500 Flüge aus. Interkontinental-Flüge dagegen finden weitgehend statt. Verantwortlich für die Turbulenzen im Flugplan ist ein Ausstand der Verdi-Beschäftigten bei Deutschlands größter Fluglinie. Die Gewerkschaft rief ihre Mitglieder bei Lufthansa auf, die Arbeit niederzulegen.

Frankfurt im Zentrum des Streiks

Im Zentrum der Warnstreiks stehen Hamburg und Frankfurt - an Deutschlands größtem Flughafen dürfe der Ausstand voraussichtlich von 5.00 Uhr bis 10.00 Uhr morgens dauern. In Berlin seien auch die Flugbegleiter zum Ausstand aufgerufen. Warnstreikaktionen soll es auch an weiteren Standorten wie München, Düsseldorf und Köln geben.

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport warnt auf seiner Homepage davor, dass es zu Flugausfällen und Verzögerungen im Betriebsablauf kommen könne. Der Flughafenbetreiber bittet Flugreisende, sich frühzeitig auf den Internetportalen der Fluggesellschaften sowie über Medien zu informieren und gegebenenfalls ausreichend Zeit für die Anreise zum Flughafen einzuplanen.

Es handele sich um ein „Warnsignal“ an die Lufthansa, weshalb nicht alle Angestellten der Airline ihre Arbeit niederlegen werden, sondern je nach Standort einzelne Beschäftigtengruppen, sagte eine Verdi-Sprecherin. „Es nicht so, dass der ganze Betrieb lahmgelegt wird.“ Die Lufthansa streicht nach eigenen Angaben mehr als 500 Flüge.

Die Billigflieger-Tochter Germanwings ging hingegen am Mittwochnachmittag davon aus, dass alle Flüge stattfinden. Verzögerungen und Verspätungen schloss die Fluglinie jedoch nicht aus. Germanwings riet ihren Fluggästen, rechtzeitig zum Flughafen anzureisen und sich im Internet zu informieren.

Gewerkschaft fordert 5 Prozent mehr Lohn

Mit dem Ausstand will Verdi den Druck auf die Lufthansa in den laufenden Tarifverhandlungen erhöhen - die nächste Runde findet am Freitag statt. Verdi fordert für 33.000 Beschäftigte bei der Lufthansa 5,2 Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem will die Gewerkschaft von der Fluggesellschaft Zusagen zur Sicherung von Arbeitsplätzen.

Der Dax-Konzern wies die Forderung zurück und bietet mit Verweis auf die angespannte wirtschaftliche Situation lediglich eine Nullrunde an. Erst vor wenigen Tagen hatte Konzernchef Christoph Franz die knapp 120.000 Beschäftigten auf noch härtere Zeiten eingestimmt. In diesem Jahr will Lufthansa etwa 740 Millionen Euro einsparen nach 620 Millionen Euro im Vorjahr. Mit dem Sparkurs will Franz die Mehrausgaben für Kerosin abfedern und genug Geld für neue Flugzeuge in die Kasse bekommen.

Die Gewerkschaft sieht das völlig anders. „Die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber und ihre Gegenforderungen zu Lohnverzicht und Arbeitszeitverlängerung sind eine Provokation, die bei den Lufthanseaten zu starker Unruhe und Verärgerung geführt hat“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. Verhandelt wird über die Gehälter der Beschäftigten bei Lufthansa Cargo, der Catering-Tochter LSG, Lufthansa Technik, Lufthansa Systems sowie den Lufthansa-Mitarbeitern am Boden und in der Kabine.

Flughäfen klagen wegen häufiger Streiks

Die Lufthansa will sich für den Streik rüsten. „Wir versuchen, die Auswirkungen auf die Passagiere so gering wie möglich zu halten und bereiten uns durch verschiedene Maßnahmen auf den Warnstreik vor“, sagte eine Konzern-Sprecherin. Arbeitsniederlegungen sind in der Luftfahrt-Branche alles andere als eine Seltenheit.

Vergangenen Sommer stürzte bereits die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo die Lufthansa für einige Tage mit einem Ausstand ins Chaos, der Schaden betrug gut 30 Millionen Euro. Zuvor - im Februar 2012 - brachten 200 Flugfeld-Arbeiter den Betrieb am Frankfurter Airport über Wochen aus dem Takt. Sie waren einem Streikaufruf der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) gefolgt.

Und in den vergangenen Monaten hatten wiederholt die Sicherheitsleute an den Airports Düsseldorf, Köln und Hamburg die Arbeit niedergelegt - es kam zu zahlreichen Flugannullierungen.

Diese Streiks, der späte, aber heftige Wintereinbruch und der Sparkurs der Fluggesellschaften haben den deutschen Flughäfen den schlechtesten Jahresstart seit 2009 eingebrockt. In den ersten zwei Monaten 2013 sei die Zahl der Passagiere um 3,6 Prozent gesunken, teilte der Flughafenverband ADV am Mittwoch mit. Die Zahl der Starts und Landungen sei sogar um 8,6 Prozent zurückgegangen. „Die aktuelle Verkehrsentwicklung an den Flughäfen ist alarmierend“, sagte ADV-Präsident Ralph Beisel.

Fußball-Nationalelf nicht betroffen

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft kann trotz des Lufthansa-Streiks am Donnerstag wie geplant zu ihrem WM-Qualifikationsspiel nach Kasachstan fliegen. „Wir haben Kenntnis von der Situation. Unser Flug ist allerdings nicht betroffen“, sagte DFB-Sprecher Jens Grittner am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Das Team soll am Donnerstag mit der Sondermaschine LH 342 um 10.05 Uhr vom Frankfurter Flughafen nach Astana starten.

Dort steht am Freitag um 19.00 Uhr deutscher Zeit (Mitternacht Ortszeit) die Partie in der Qualifikationsrunde für die WM 2014 in Brasilien an. Noch in der Nacht zu Samstag geht es für Bundestrainer Joachim Löw und seine Spieler nach Nürnberg, wo es am kommenden Dienstag zum zweiten Vergleich mit Kasachstan kommt. (dak/lad/rtr/dpa)

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