Aktuell: Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

16. Juli 2013

Wirbelschleppen : Fraport sieht keine Beweise

 Von 

Der Flughafenbetreiber Fraport redet die Gefahr von Wirbelschleppen klein und verweist auf eine Studie. Besonders eine Annahme der Gutachter ist allerdings fragwürdig.

Drucken per Mail

Alle zehn Millionen Jahre ein Wirbelschleppenschaden – dieses verschwindend kleine Risiko hat der von Flughafenbetreiberin Fraport bestellte Gutachter im Jahr 2006 für Wohnhäuser, die in der Einflugschneise der Nordwest-Landebahn stehen, ausgerechnet. Das hessische Verkehrsministerium schloss sich in der Planfeststellung zum Bau der neuen Landepiste der Expertenmeinung an und sah keinerlei Gefahren für die öffentliche Sicherheit.

Die Realität ist bekanntlich eine andere. Die Stadt Flörsheim im Main-Taunus-Kreis hat seit Inbetriebnahme der Nordwest-Landebahn 16 Wirbelschleppenschäden an Gebäuden dokumentiert. Nun, da bereits viele Dächer beschädigt und Ziegel von landenden Jets zu Boden gefegt wurden, wird Kritik laut an den Zahlen, die der Experte von der Gesellschaft für Luftverkehrsforschung in Berlin vorgelegt hat.

Die Zahlen würden schlicht und ergreifend von den Gesetzen der Physik bloßgestellt, sagt Lars Nevian, Vorstand der Initiative gegen Fluglärm Mainz. Der Jurist glaubt auch zu wissen, warum das Gutachten, das als Grundlage zur Planfeststellung diente, die Realität radikal verfehlt. Der Fraport-Gutachter habe das Gewicht der landenden Maschinen zur Berechnung des Wirbelschleppenrisikos in Frankfurt zu gering angesetzt, sagt der Mainzer.

Gewicht ist entscheidend

Verglichen mit einem ähnlichen Gutachten, das für den Flughafen München erstellt wurde, liege es etwa für den Airbus A 340-600 bei nur 173.244 Kilogramm. Das sei um ein Drittel weniger als im Münchner Gutachten. Weil das Gewicht eines Flugzeugs aber die entscheidende Größe bei der Berechnung der Prognose für Wirbelschleppen sei, werde das Risiko damit kleingerechnet, sagt Nevian.

Fraport hatte argumentiert, der Frankfurter Gutachter habe ein realitätsnäheres Gewicht für die landenden Jets angesetzt, weil er von einem Flugzeug ausgegangen sei, das nicht mehr den kompletten Treibstoff an Bord habe. Diese Begründung lässt Nevian nicht gelten. Das seien „Taschenspielertricks“, sagt der Rechtsanwalt. Man müsse zwischen maximalem Start- und maximalem Landegewicht unterscheiden. In München habe der Gutachter auch nur die Maximalwerte für die Landung in der Rechnung berücksichtigt.

Unterdessen hat Flughafenbetreiberin Fraport weitere Informationen gesammelt und noch eine andere Erklärung für die enorme Diskrepanz zwischen dem vom Experten errechneten Wirbelschleppenrisiko und den tatsächlichen Vorfällen in Flörsheim. Im Gutachten werde von Dächern ausgegangen, die normgerecht hergestellt und instandgehalten worden seien, sagte Fraport-Sprecher Dieter Hulick der Frankfurter Rundschau.

„Aus unserem Inspektionsprogramm wissen wir mittlerweile, dass dies in nicht unerheblichen Fällen nicht der Fall ist.“ Zudem könne aus dem Umstand der Regulierung gemeldeter Schäden nicht geschlossen werden, dass tatsächlich Wirbelschleppen die Ursache gewesen seien, stellt der Sprecher klar. „Wir hatten die Schadensregulierung in der Vergangenheit stets äußerst kulant vorgenommen und sind aufgrund des Planfeststellungsbeschlusses zum Flughafenausbau im Übrigen zur Regulierung verpflichtet, wenn wir nicht nachweisen können, dass der Schaden nicht auf eine Wirbelschleppe zurückzuführen ist.“

Einer der Dachdeckermeister, die neuerdings von Fraport beauftragt sind, Dächer in der Einflugschneise zu begutachten, ist Ludwig Held. Er hat eigenen Angaben zufolge seit April lediglich zwei beschädigte Dächer in Flörsheim inspiziert, bei denen eine Wirbelschleppe als Ursache nicht ausgeschossen werden konnte. In allen anderen Fällen, die Hausbesitzer gemeldet hätten, sei davon auszugehen, dass Instandhaltungsmängel oder handwerkliche Fehlleistungen für die Schäden verantwortlich gewesen seien, sagte Held der FR.

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial
Koch geht, Bouffier kommt - wohl auch im CDU-Bundesvorsitz.

Ende einer Ära: Nach elfeinhalb Jahren nimmt Hessens Ministerpräsident Roland Koch Abschied von der Politik.

Spezial

Hat Volker Bouffier als Innenminister einen Parteifreund begünstigt? Ein Untersuchungsausschuss sucht Antworten.

Spezial

Nach der Privatisierung des Uniklinikums Marburg-Gießen häufen sich Berichte über eine schlechte Krankenversorgung und Personalmangel.

Polizeimeldungen

Was ist passiert? Polizeimeldungen aus Frankfurt, Darmstadt, Offenbach und Hanau sowie Wiesbaden.