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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

10. April 2013

Wirbelschleppen Flughafen Frankfurt: Gefahr vom Dach

 Von Jennifer Hein

Fallende Ziegel in Flörsheim.

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Erst hat’s gerappelt und dann einen lauten Schlag getan, erinnern sich Elfriede und Karlheinz Dörrhöfer. Die beiden 78-jährigen Rentner haben vergangenen Freitagabend gerade am Küchentisch gesessen, als plötzlich Ziegel von ihrem Dach gerutscht und auf die Straße geknallt sind. Der Familie sei sofort klar gewesen, dass der Schaden von einem Flugzeug verursacht wurde. „Wir in Flörsheim sind das gewohnt“, sagt Karlheinz Dörrhöfer.

So gewöhnlich ist das Phänomen der Wirbelschleppen in der Mainstadt allerdings nicht. 17 Fälle von Luftverwehungen durch Flugzeuge habe es bislang gegeben, sagte Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) bei einem Diskussionsabend zu Fluglärm und Wirbelschleppen am Montagabend in der Stadthalle. Allein vier seit Ostern. Doch niemals sei der Schaden so groß gewesen wie bei den Dörrhöfers in der Maler-Schütz-Straße 14.

Es war 18.14 Uhr, erinnern sich die Rentner. Sie wissen, dass man die genaue Uhrzeit braucht, um bei der Fraport einen Schaden melden zu können. Auf beiden Seiten neben Karlheinz Dörrhöfers Elternhaus lagen zerbrochene Ziegel auf der Straße und im Garten. Je 20 Stück, schätzt er. Noch einmal genau so viele rutschten in die Regenrinne. Auch einen schweren Blumentopf und einen großen Sack Erde vor dem Eingang habe die Wucht des Windes umgeworfen. Im Vordach über dem Eingang hinterließ ein heruntergestürzter Ziegel ein großes Loch.

Am Freitagabend versammelte sich die halbe Nachbarschaft auf der Straße. Viele hatten die merkwürdigen Geräusche gehört. „Das war so was ganz Übernatürliches“, erinnert sich Elfriede Dörrhöfer. Was sie von der Straße aus sah, konnte sie kaum glauben: Die Wirbelschleppen hatten ganze Flächen auf ihrem Dach abgedeckt, auf mehreren Quadratmetern fehlten Ziegel. Die Feuerwehr musste Teile der Straße absperren und die losen Ziegel sichern. Mit der Hilfe des Technischen Hilfswerks konnten die kaputten Stellen mit einer Folie bedeckt werden. „Die Polizei hat dann auch die Fraport informiert“, sagen Dörrhöfers. Zwei Mitarbeiter sollen da gewesen sein, die sich im Namen des Unternehmens auch gleich zu dem Schaden bekannt hätten.

Schon am Samstagmorgen kam der von der Fraport bestellte Dachdecker und reparierte einen Großteil des Schadens – auf Kosten der Fraport. Mit der besonderen Technik des Klammerns befestigte er die neuen Ziegel. Dörrhöfers warten noch auf eine zweite Ziegellieferung. Bis dahin bleibt ein Teil des Hauses eingerüstet. Es müssen auch noch Dachfenster ausgetauscht werden, die von heruntergerutschten Ziegeln zerkratzt wurden.

Es sei pures Glück, dass niemand verletzt wurde, sagen die Rentner, die vor ihrem Ruhestand eine Bäckerei in Flörsheim betrieben. Nebenan hätte Kinder im Garten gespielt, und dort, wo die Ziegel runtergekommen sind, parken sonst immer viele Autos. Tochter und Schwiegersohn, Geridt und Guido Schlüter, seien erst zehn Minuten vor dem Ziegelsturz von dieser Stelle aus weggefahren. Sie wohnen in der Flörsheimer Lahnstraße und leiden ebenfalls seit Inbetriebnahme der Landebahn unter dem Fluglärm. „Doch erst seit Freitag ist mir bewusst, wie gefährdet wir sind“, sagt Geridt Schlüter. „Ich habe Angst, dass jemand ums Leben kommt.“

Wegziehen sei für beide Familien keine Alternative, sagen sie. Auch Anzeigen wollen sie die Fraport nicht. Allerdings könnte ihr Fall doch noch Konsequenzen für den Flughafen haben: Die Stadt Flörsheim prüft mit ihren Anwälten erneut eine Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss vor dem Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel. Und mit dem gut dokumentierten Fall der Wirbelschleppen, die sich erstmals wohl auch einem bestimmten Flugzeug zuordnen lassen, so Bürgermeister Antenbrink, stehen die Chancen nicht schlecht als Musterkläger zugelassen zu werden.

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