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Formel 1
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14. März 2013

Auftakt der Formel-1-Saison: Gesundschrumpfung in der Formel 1

 Von Elmar Brümmer
Besserer Wendekreis: Die Formel-1-Autos werden zum Auftakt-Grand-Prix in Melbourne mit dem Gabelstapler angeliefert.  Foto: Getty Images

Obwohl vielen Formel-1-Teams das Geld ausgeht, verweigert sich die Branche einer Budgetobergrenze

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Melbourne –  

Pünktlich zum Saisonstart präsentiert die Formel 1 einen neuen Seriensponsor, die Nobel-Uhrenmarke Rolex. Beim Empfang am Vorabend des Großen Preises von Australien ist für viele der elf nach der Pleite des spanischen HRT-Teams verbliebenen Rennställe der Zeiger aber schon deutlich näher gerückt als fünf Minuten vor der Zwölf. Die Finanzkrise schreitet fort, weil sich die Teams aus sturem Konkurrenzdenken nicht auf eine vernünftige Kostendeckelung einigen können. „Die Teams werden immer das ausgeben, was sie bekommen können – woher auch immer“, sagt Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, „und wenn es dafür eine Grenze gäbe, würde das keinen Unterschied machen. Sie würden immer noch Wege finden, Geld aufzutreiben und das auszugeben.“

Sturköpfe

Chefvermarkter Bernie Ecclestone will einen weiteren Anlauf für einen Börsengang der Formel 1 wagen. „Im vergangenen Jahr dachte ich, dass die Märkte nicht bereit wären. Aber jetzt wird es wahrscheinlicher, dass sich eine Gelegenheit bieten könnte“, wird der Brite auf der offiziellen Formel-1-Internetseite zitiert. Eine Entscheidung solle binnen der nächsten drei Monate getroffen werden, kündigte der 82-Jährige an. Mitte des Vorjahres hatte Ecclestone einen Börsengang zunächst abgesagt. Geplant war, die Rennserie in Singapur an die Börse zu bringen und damit mehrere Milliarden Dollar zu erlösen.
Niki Laudas heikler Spagat zwischen Aufräumer und TV-Kritiker könnte den Hausfrieden bei Mercedes gefährden. Auch nach seiner Berufung zum Aufsichtsratschef des Werksteams will Lauda als scharfzüngiger Experte bei RTL auftreten und seinen neuen Arbeitgeber keineswegs schonen. „Ich habe kein Problem, das zu sagen, was die Wahrheit ist. Und das wird auch so bleiben“, kündigte der Österreicher an. „Wenn Sie Niki Lauda kennen, wissen Sie, dass man Niki Lauda nicht sagen kann, was er tun soll oder nicht. Das wäre auch sicher das falsche Signal“, sagte der neue Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Geschätzter Umsatz: Mehr als 3 Milliarden Euro

Die Formel 1 tendiert stets zum Drama, auch das lässt sie so attraktiv erscheinen. Aber diesmal ist der Grat schmal, mehr als der Hälfte der Rennställe droht der jähe finanzielle Absturz. Das Fachblatt „auto, motor und sport“, der Königsklasse sonst sehr wohlwollend verbunden, warnt vor der 64. Weltmeisterschafts-Saison: „Das Monster Formel 1 ist zu teuer, zu kompliziert geworden.“ Plötzlich muss Bernie Ecclestone, immer noch mit der Münchner Staatsanwaltschaft wegen der Bestechungsaffäre im Clinch, Rabatte an Rennveranstalter geben, trotzdem werden nur 19 statt der geplanten 20 Rennen ausgetragen. Und der große Preis von Deutschland, im Lande des dreifachen Weltmeisters Sebastian Vettel, geriet ob der Nürburgring-Pleite, lange zur Zitterpartie. Das in einer Branche, in der die Hauptdarsteller immer noch auf ein Gesamtbudget von geschätzten 1,3 Milliarden Euro kommen, der Umsatz der Branche auf ein dreifaches taxiert wird.

Die Schere aber geht auseinander, die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer, das verändert generell die Wettbewerbsfähigkeit – obwohl auch 2013 ein sehr enges Feld erwartet wird. Zwar kann Branchen-Primus Red Bull, der auch mit Abstand den höchsten Etat mit 245 Millionen Euro haben soll, einen neuen Top-Sponsor präsentieren.

Etwa 1,5 Millionen Euro reine Betriebskosten entstehen einem Team pro Woche

Aber die meisten Teams können nur durch die Ausschüttung der Vermarktungsgelder am Leben gehalten werden. Es gibt zwar freiwillige Beschränkungen der Rennställe, aber die sind eben nicht Gesetz. Personal und Windkanalstunden werden kontrolliert, aber richtig zu überwachen ist das alles nicht. Die Kreativität bezieht sich in der Branche nicht nur auf die Heckflügel, sondern auch auf die Bilanzen. Monisha Kaltenborn, Teamchefin bei Sauber, ist – im eigenen Interesse – eine Vorkämpferin für mehr Vernunft: „Ich halte es für zwingend erforderlich, eine Budgetobergrenze einzuführen. Es muss einheitliche Spielregeln für alle geben“, rechtfertigt sie den Sozialismus in der vielleicht kapitalistischsten Sportart von allen, „andernfalls werden weitere Teams aussteigen. Wir müssen auf die gesamtwirtschaftliche Lage reagieren.“ Etwa 1,5 Millionen Euro reine Betriebskosten entstehen einem Team während der von Anfang Februar bis Ende November dauernden Saison pro Woche.

Der neue Grand-Prix-Jahrgang trägt einen wenig schmeichelhaften Untertitel: Das Jahr der Bezahlfahrer. Zu den Gesetzen des Motorsports gehört seit jeher die Mitgift-Regelung, selbst Größen wie Juan-Manuel Fangio oder Michael Schumacher haben einst nur per Sponsoren den Weg in die Formel 1 gefunden. Aber sie haben gehalten, was sie versprochen haben und was man sich von ihnen versprochen hat, eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Inzwischen wird meistbietend versteigert, so kommt der Niederländer Giedo van der Garde, der seit neun Jahren für eine Mitfahrgelegenheit hausieren geht, endlich unter − bei Caterham.

Fahrer bringen Geld mit

Selbst McLaren hat mit Sergio Perez einen Piloten verpflichtet, der nicht erste Wahl war, aber mexikanische Werbemillionen mit sich bringt. Der ehrwürdige Williams-Rennstall zittert nach dem Tod des venezolanischen Staatschefs Hugo Chávez um die 40 Millionen Jahresgabe, die für einen Sitzplatz des Landsmannes Pastor Maldonado zugesagt sind. Auch bei Renault oder Sauber, renommierten Teams, bestimmt die Kasse über die Vergabe der Cockpits mit – beiden Rennställen fehlt ein großer Geldgeber.

Eine kaum gekannte Steigerung hat die Job-Börse beim britisch-russischen Marussia-Rennstall erfahren. Damit das zweitschlechteste Team überhaupt die Saison bestreiten kann, musste der erfahrene deutsche Rennfahrer Timo Glock trotz eines noch zwei Jahre gültigen Kontrakts sein Cockpit räumen. Seinen Platz nimmt der Brite Max Chilton ein, der wenig Erfahrung, aber Geld mitbringt. Sein Vater, ein Versicherungsboss, stellt in Aussicht, den klammen Laden zu kaufen. Der zweite Posten sollte an den Brasilianer Luiz Razia gehen, einen Hinterbänkler. Dessen Sponsoren zahlten nicht pünktlich, so dass er noch vor Saisonstart ausgemustert wurde, jetzt fährt der Franzose Jules Bianchi. „auto, motor und sport“ sieht die Bezahlfahrer als Vorboten einer Krise und verweist auf die frühen 90er Jahre, als ein Drittel der Teams nur überleben konnte, da die Fahrer Geld mitbrachten. War das Geld des einen verbraucht, kam der nächste. Am Ende stand die Gesundschrumpfung.

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