Symbolischer konnte ein Rennen gar nicht verlaufen. Irgendwie ging es dem hinteren rechten Reifen von Sebastian Vettel in Abu Dhabi wie der gesamten Formel-1-Saison: Frühzeitig war die Luft raus.
Der vorzeitig zur Titelverteidigung geraste Deutsche schaffte auf dem Kurs in der Wüste 800 Meter, als das Gummi schlappmachte und sein Inhalt sich im besten Formel-1-Tempo verflüchtigte. In Führung liegend rutschte Vettel von der Strecke, ließ das Feld brav passieren, um mit dem Auto zurück in die Box zu rumpeln.
Vettel verpasst Triple
Da sorgten seine Mechaniker für das frühzeitige Ende seines Arbeitstages: Felge und Radaufhängung schwer beschädigt, flinke Reparatur des Vehikels ausgeschlossen, Vettel vom weiteren Rundendrehen entbunden. „Auf dem Randstein war bei Sebastian auf einmal der Druck auf dem Reifen schlagartig weg. Dann war auch die Aufhängung kaputt. Da war nichts zu machen, das war einfach Pech“, klagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner: „Es ist eine Ironie, dass es ausgerechnet hier passieren musste.“
Vettel hatte die bisherigen beiden Rennen in Abu Dhabi gewonnen und sich dort im vorigen Jahr erstmals den Weltmeistertitel geangelt. Er hat nun in Abu Dhabi zwar den Rekord von Nigel Mansell mit 14 Pole Positions in einer Saison geknackt, kann aber nicht mehr Michael Schumacher Bestmarke von 2004 mit 13 Saisonsiegen erreichen, da nur noch der Große Preis von Brasilien aussteht, Vettel aber erst elf Siege in dieser Saison einfahren konnte.
Nach seinem frühzeitigen Aus gestern nutzte der Rambo unter den Rasern die Gunst der Stunde: McLaren-Pilot Lewis Hamilton feierte seinen dritten Saisonsieg. Er gewann vor dem Spanier Fernando Alonso im Ferrari, dem es gelang, hinter sich Hamiltons Teamkollegen Jenson Button in Schach zu halten.
Lewis Hamilton, sichtlich begeistert von dem Umstand, dass er mal wieder ein Rennen ohne üble Kollision mit dem Brasilianer Felipe Massa und bösen Beschuldigungen überstanden hat, widmete mit beachtlichem Pathos den Triumph in dem relativ bedeutungslosen Formel-1-Lauf seiner Mama: „Dieser Sieg fühlt sich fantastisch an“, schwärmte der havariefreudige Brite im Nahen Osten, „das war eines meiner besten Rennen überhaupt.“
Rosberg wird Sechster
Durch Sebastian Vettels Panne, seinem ersten Ausfall im früher doch vergleichsweise anfälligen Red Bull nach 19 Rennen ohne gravierende technische Probleme, geriet Nico Rosberg im Mercedes unversehens zum besten deutschen Chauffeur im vorletzten Grand Prix der Saison (der Abschluss folgt in São Paulo). Er kam als Sechster eine Position vor seinem Teamkollegen Michael Schumacher und dem Landsmann Adrian Sutil im Force India an.
Terminlich freilich hätte Rosberg den nationalen Erfolg nicht besser setzen können, hatte er doch drei Tage zuvor seine spektakuläre Vertragsverlängerung bis 2015 bekannt gegeben. Sie soll ihm eine Gage von griechischem Ausmaß, 48 Millionen Euro, bescheren − dafür, dass er Mercedes zum viertbesten Team in der Formel 1 gefahren hat. Kaum auszudenken, was Rosberg kassieren könnte, wäre er erfolgreich wie Vettel. „Das war ein gutes Duell mit Michael. Ich bin sehr zufrieden mit dem Rennen“, sagte er. Das Team habe einen Schritt nach vorn gemacht. „Insgesamt ist es etwas ernüchternd in dieser Saison. Ich freue mich auf nächstes Jahr.“ (fr, mit dapd)
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