Die Gruft des Kommerzienrats Eduard Bartling und seiner Ehefrau zählt aufgrund ihrer Größe und Ausstattung zu den kunsthistorisch bedeutendsten Grabmalen auf dem Wiesbadener Nordfriedhof und ist als Patengrab zu haben. „Solche Portale als Türen ins Jenseits oder in die Ewigkeit sieht man häufig auf Friedhöfen“, sagt Denkmalpflegerin Anja Beisiegel.
Auch die Urnen oben kommen als Motiv oft vor.“ Der Tod mit dem Stundenglas, das die verrinnende Zeit symbolisiert, kontrastiere den jungen Mann, der noch in der vollen Kraft seines Lebens stehe, doch die Frau, die seine Hand halte, nehme schon Abschied, erläutert Anja Beisiegel weiter.
Darin spiegelt sich der Gedanke des „Memento mori“ („Gedenke des Todes“) wider.
Eduard Bartling war Unternehmer, Politiker und nebenbei auch noch Zeitungsverleger. Er kam am 19. Juni 1845 in Lenhausen im Sauerland zur Welt, sein Vater war Landwirt. Schon als Kind begeisterte er sich für die Technik in den benachbarten Gruben und Hütten, er ergriff den Beruf des Ingenieurs. Er baute Eisenbahnstrecken, Häfen und Kanäle und erfand große Bagger für den Abbau von Braunkohle.
Er besaß Bergwerke, diverse Fabriken und Ziegeleien sowie eine Kalkgrube in der Nähe von Limburg. In den 1890er Jahren kam Eduard Bartling nach Wiesbaden, wo er sich eine große Villa baute und den „Wiesbadener Generalanzeiger“ herausgab. Er betätigte sich zunächst als unbesoldeter Stadtrat, später gehörte er als Mitglied der nationalliberalen Partei dem Reichstag und dem preußischen Abgeordnetenhaus an.
Kaiser Wilhelm verlieh ihm für seine Verdienste den Titel des Kommerzienrats. Das Grabmal ließ Eduard Bartling sich noch zu Lebzeiten errichten, er starb am 3. August 1927 in Wiesbaden.
Grabstelle der Familie Schlaffhorst.
Bei der Grabstätte der Familie Schlaffhorst handelt es sich um ein sehr schönes, idyllisch gelegenes Grabmal von hohem kunsthistorischen Wert. Wie auch das Grabmal der Familie Bartling stammt es vom Bildhauer Ernst Gustav Herter und ist als Patengrab zu haben. Allerdings ist laut Denkmalpflegerin Anja Beisiegel einiger Aufwand nötig, um es denkmalgerecht zu restaurieren. So müssen nicht nur die umgefallenen Postamente wieder neu versetzt, sondern auch die fehlenden Ketten dazwischen ersetzt werden.
„Solche Ketten sind teuer, sowohl im Material als auch in der Herstellung“, weiß die Denkmalpflegerin. Sie seien aber notwenig, um das Grabmal wieder richtig zur Geltung zu bringen, weil sie typisch dafür seien. Außerdem muss der Stein sorgfältig vom Moos gereinigt werden, ohne dabei die Poren zu stark zu öffnen. Andernfalls verschmutzt es noch viel schneller als vorher. „Das wäre fatal, denn dann werden die Intervalle immer kürzer. Doch bei jeder Reinigung entfernt man auch ein bisschen Material.“
Ein kleines weißes Schild mit einem „P“ darauf kennzeichnet die Ruhestätten, die als Patengräber noch zu haben sind. Auf der Rückseite steht eine Nummer, mit der Interessenten weitere Informationen zum Grabmal in der Friedhofsverwaltung erhalten. Alle historischen Gräber sind in einem Katalog erfasst.
Grabstätte Weygandt.
Mit der Verdachung und den Palmetten oben und dem Konsolenfries und dem gotisierenden Maßwerk gehört der schöne Grabstein der Familie Weygandt zu den altmodischen Gräbertypen. Da er aufwendig zu restaurieren ist, sucht er nach wie vor einen Grabpaten. Allerdings lässt sich der Grabstein nicht ohne weiteres drehen, denn es fehlt die Vertiefung auf der Rückseite. Sie müsste genauso bearbeitet werden, was entsprechende Kosten verursacht. Idealer wäre ein Pate gleichen Namens oder einer, der sich nicht an dem fremden Namen stört und sich mit einem Steinkissen zufrieden gibt.
Grabstätte des Rechtsanwalts Heinz Brass.
Bei dem lagernden Jüngling handelt es sich um eine Arbeit des Wiesbadener Bildhauers Carl Wilhelm Bierbrauer (1881-1962). Der abgebrochene Stab symbolisiert die Brüchigkeit und Vergänglichkeit des Lebens. „Diese Grabmal liegt mir ganz besonders am Herzen und ich frage mich, warum noch niemand Interesse daran hatte, die Patenschaft zu übernehmen“, sagt Denkmalpflegerin Anja Beisiegel.
Ein Problem stellt die Grabinschrift dar – erfahrungsgemäß lassen sich Buchstaben aus Metall nicht gut entfernen und auf der Rückseite anbringen, denn es entstehen dabei Löcher und die Spuren der ursprünglichen Beschriftung bleiben sichtbar.
Mausoleum „Theodosia Ruh“.
Das Mausoleum aus Sandstein wurde in den 1930er Jahren von der Famile Jurenka errichtet und trägt den Namen „Theodosia Ruh“. Die farbigen Glasfenster und die byzantinisch wirkende Kuppel mit ihrem goldenen Mosaik machen die Gruft zu einem der prächtigsten Grabmale auf dem Nordfriedhof.
Diese Gruft ist ebenfalls als Patengrab zu vergeben, die Urnen der ursprünglich Bestatteten verbleiben allerdings im Mausoleum. Am „Tag des Friedhofs“ in Wiesbaden, der für den 15./16. September geplant ist, öffnet das Mausoleum für Besucher.
Der segnende Christus zählt ebenfalls zu den typischen Motiven und kommt auf Friedhöfen häufig vor. Er gehört zu einer großen, wertvollen Grabstätte, die noch einen Paten sucht. Das Landesamt für Denkmalpflege ließ vor drei Jahren das Fundament der Grabstätte komplett erneuern.
Die Abteilung Friedhofswesen des städtischen Grünflächenamts plant, das Grabmal zum „Tag des Friedhofs“ in Wiesbaden, am 15./16. September 2012, zu reinigen.
Grabstätte Famile Fölsche.
Der Grabstein von Carl Julius Fölsche wirkt auf den ersten Blick unspektakulär. „Wenn man sich anschaut, was heute Grabsteine in einer relativ einfachen Ausstattung kosten, ist das sicherlich auch eine Möglichkeit, günstig an einen attraktiv gestalteten Stein zu kommen“, stellt die Denkmalpflegerin Anja Beisiegel fest. Die Grabplatte mit den Namen der ursprünglich Bestatteten ließe sich auf der Rückseite anbringen. Der obere Teil des Grabes ist lose und müsste gedübelt werden, darum klebt der Aufkleber „Unfallgefahr“ darauf. Er ist jedoch gesichert und kann nicht herunterfallen.
Für einen achtjährigen Jungen ließen dessen trauernden Eltern im Jahr 1900 diesen überlebensgroßen Engel aus weißem Jurakalkstein errichten. Heute kümmert sich ein Grabpate darum. Er ließ den Riss im Flügel des Engels reparieren und das Grabmal reinigen. Zudem brachte er eine neue Platte aus rotem Granit an, auf die einmal sein Name stehen wird. Die Platten aus rotem Granit mit den Namen der ursprünglich bestatteten Familie finden sich nun auf der Rückseite des Grabes.
Grabstätte von Sanitätsrat Cuntz.
Das Grab des Sanitätsrats Cuntz mit der aufwendig gestalteten Stele fand bereits Liebhaber, die die Patenschaft dafür übernahmen. Erst wenn sie das Grab belegen möchten, fallen dafür Nutzungsgebühren an.
Grabstätte Berresheim
Grabstelen mit einer Urne oder einem Kreuz darauf sind als Patengräber sehr beliebt. Sie lassen sich meist mit wenig Aufwand wiederherstellen und auf den Stelen ist meistens noch genügend Platz für neue Namen.
Grabstätte Ballauf.
Um das Grab von Gustav und Henriette Ballauf kümmert sich bereits eine Grabpatin. Sie hat damit auch die Möglichkeit, sich oder ihre Angehörigen dort später einmal bestatten zu lassen.
Kreitzner Mausoleum.
Das Kreitzner Mausoleum ist das größte Patengrab auf dem Nordfriedhof und noch zu vergeben. Es eignet sich jedoch nur für wohlhabendere Paten, müssen doch einzelne Teile neu angefertigt werden, was aufwendig und kostspielig ist. An einzelnen Fialen, also Türmchen, wurden bereits Arbeiten vorgenommen, um Unfälle zu verhüten und die Gruft verkehrssicher zu machen.
Bei solch großen Grabstätten entscheidet der Magistrat über die Höhe der Nutzungsgebühren. Grabpaten können aber auch hier mit einem Rabatt bis zu 50 Prozent rechnen. Am „Tag des Friedhofs“ in Wiesbaden, der für das Wochenende vom 15./16. September geplant ist, öffnet das Mausoleum für Besucher.
Bei dem Sarkophag handelt es sich um eine Kopie, dessen Original in einem italienischen Museum steht. Er steht unter Denkmalschutz und ist in der Liste der freien Patengräber aufgeführt. Die Grabstätte könnte auch für Erdbestattungen genutzt werden, da die Grabfläche selbst 20 Quadratmeter beträgt.
Liegender Löwe.
Der liegende Löwe ziert die ehemalige Grabstätte der Familie Lauter und fand bereits einen Grabpaten.
Grabstätte Uthmann.
Diese Grabstätte wurde 1913 von der Famile Uthmann erworben und sucht heute einen Grabpaten. In der Gruft finden acht Särge Platz. Da nicht alle Grabpaten die Grabstätten selbst nutzen wollen, wird eine Gruft immer erst im Sterbefall für die Beisetzung geräumt.
Sofern dann noch Gebeine vorgefunden werden, werden diese in einem Gebeinsarg in einem speziell dafür vorgesehenen Abteil auf den Nordfriedhof beigesetzt.
Das Grabmal aus schwarzem schwedischem Granit fand bereits einen Paten. Die Figur ist aus Metall gefertigt. Metall gilt als ein schwieriges Material, sowohl bei der Reinigung als auch bei der Restaurierung, da es sehr empfindlich ist. Schwierig ist auch, Metall zu ergänzen, da es relativ lange eine unterschiedliche Patina hat..
Die ehemalige Grabstätte der Familie Funk befindet sich bereits in den Händen von Grabpaten. Der Figur aus Marmor war früher sehr stark eingemoost, darum sieht der Stein schon etwas verwittert aus.
Kleine goldene Sterne zieren dieses Grab mit einem Engel aus Metall.
Grabstätte der Familie Fischer.
Die naturhaft behauenen Steine aus Granit wurden nicht poliert, die Grabplatte mit den Namen hingegen schon, um einen Kontrast zu schaffen. Auch dieses Grab braucht einen Paten. Die Platte mit den Namen könnte vorsichtig entnommen und auf der Rückseite angebracht werden.
Grabstätte von Gottfried und Ingeborg Kiesow.
Der Mitbegründer und frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und ehemalige Landeskonservator Gottfried Kiesow suchte für seine Ehefrau und sich ein streng symmetrisch gestaltetes Patengrab aus. Die Namen der ursprünglich Bestatteten ließ er behutsam nach rechts und links versetzen. „Das ist mustergültig gelöst, wie es vom Landesdenkmalpfleger zu erwarten war“, sagt Anja Beisiegel.
Grabmal von Marie und Robert John.
Das Jugendstilgrab wurde von der Bernhard von Wiesner-Stiftung restauriert, die sich seit 2001 für die Restaurierung von Grabmälern auf dem Nordfriedhof und dem Biebricher Friedhof einsetzt und sie finanziert. Es handelt sich dabei um eine Stiftung innerhalb der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD).
Grabstätte Auer von Herrenkirchen.
Ein Ritter bewacht die Grabstätte Auer von Herrenkirchen, bei der es sich um ein großes Sandsteindenkmal handelt. Auch dieses Grabmal bietet die Abteilung für Friedhofswesen des städtischen Grünflächenamts für eine Patenschaft an.
Die Grabfläche ist von solch großem Ausmaß, dass sie sich im Grunde auch für ein Urnengemeinschaftsgrabanlage eignete.
Dieses Grab ist bereits an einen Paten vergeben. Regenwasser hat den Stein türkisblau verfärbt.
Grabpatenschaften in Bildern
Grabmal der Famile Bartling
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