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„Das perfekte Model“ : Wo kommen diese kreischbereiten Dinger her?

„Wir dürfen mit den Händen einen Truthahn zerreißen!“ Und nicht nur das, die Model-Aspirantinnen auf Vox dürfen ihn sogar essen, kriegen aber dann gesagt, wie eklig das sei. Die Sendung verhält sich zu „Germany's Next Top Model“ wie „The Voice“ zu „Deutschland sucht den Superstar“.

Wollen Heidi Klum die Show stehlen: Eva Pladberg (links) und Karolina Kurkova.
Wollen Heidi Klum die Show stehlen: Eva Pladberg (links) und Karolina Kurkova.
Foto: dpa

Ein Model isst natürlich selbst dann nichts vom Büffet, wenn es für ein Tableau der Todsünde Völlerei drapiert worden ist. Es markiert. Weil Mampfen das Gesicht auf Fotos nicht gerade fein aussehen lässt.

Jubeln, Schreien, Toben haben auch nicht unbedingt diesen Effekt, das jedoch wiederum erfordert das Format der Sendung. Wer sich eher nach innen freut, wenn ihm etwas gelingt, der hat im affektsüchtigen Privatfernsehen nichts verloren. Wo kommen nur immer diese ganzen kreischbereiten jungen Dinger her?

Seit Dienstagabend hat Vox seine eigene Castingshow in Sachen Mädchensuche, „Das perfekte Model“, moderiert von zwei Models, die "bewundert, hofiert, chauffiert" werden, sprich: Es in diesem Beruf tatsächlich zu etwas gebracht haben, Karolína Kurková – erstes Vogue-Cover mit 17 Jahren – noch sehr viel mehr als Eva Padberg. Wie bei allen anderen Castingshows auch, geht es mit größtmöglichem Zuspruch los, was die niederen Instinkte des Zuschauers indes bald ein wenig überreizt.

Padberg im sonderbaren rehbraunen Overall macht vielleicht mal einen besonders ruppigen Gang nach, Kurková in Lackhose und nervös gestreiftem Pullover übt sich an dramatischen Kunstpausen à la Heidi Klum, aber ansonsten herrscht eine Idee professioneller Nettigkeit vor, die man den beiden sogar abnimmt.

Ein „Coachingformat“ sei die Sendung, so hat es Karolína Kurková – oder kurz „KK“ - ausgedrückt. Was wohl gegen Klum geht, die sich selbst erhöht und die Kandidaten erniedrigt und am Ende jemanden für einen neuen Nassrasierer-Spot und nur wenig mehr gefunden hat.

Die Sendung also verhält sich zu „Germany's Next Top Model“ derzeit noch wie „The Voice“ zu „Deutschland sucht den Superstar“. Mal abwarten, wie lange das Modell der freundlichen Förderung anhält. Die Rollen der Mädchen jedenfalls werden beim Zusammenschnitt der Episoden genauso vorausschauend festgelegt wie bei Heidi Klum. Da gibt es die Deutsche Meisterin im Merengue-Tanzen, die hier keine Freunde finden will, sondern gewinnen möchte, sich also gewiss nicht als Herzchen der Truppe entpuppen dürfte.

Und die 23-jährige Spätzünderin mit Migrationshintergrund, deren eifersüchtiger Ehemann sich als interessantes Problem bei Unterwäsche-Shootings herausstellen könnte. Und da gibt es die Thüringerin, die aussieht, als hätte sie sich die kurzen Haare selbst mit der Papierschere geschnitten – und die dann, der Fotogruppe „Hochmut“ zugeteilt, freudestrahlend erklärt, das sei doch die tollste Todsünde, jene, weswegen Luzifer vom Himmel gestürzt wurde. Spricht es nun für die eigene Borniertheit oder die solcher Sendeformate im Allgemeinen, dass man schon für eine einzige geistreiche Antwort über Gebühr dankbar ist?

Jenes Wesen, das für den vielleicht besten Dialog aller Zeiten in einer Modelsuchsendung gesorgt hat, kommt leider über das Todsünden-Fotoshooting nicht hinaus. Keri, 20, schreitet geschmeidig wie ein Gepard über den Laufsteg. Ob er morgens als Mann oder Frau aufwache, will Eva Padberg von ihm wissen. „Ich muss mich erst rasieren“, lautet die hollywoodreife Replik.

Autor:  Carmen Böker
Datum:  1 | 2 | 2012
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