Schon der Titel der Sendung rege ihn auf („Unten schuften, oben kassieren - sieht so unser Jobwunder aus?“) – würden denn die vielen Unternehmensgründer und Chefs nicht arbeiten, fragte Metzger. Später dann wies er darauf hin, dass „Schlecker“-Gründer Anton Schlecker ja alles mit eigener Kraft aufgebaut habe – man dürfe nicht alles schlechtmachen.
Naja. So richtig kam die Runde trotz Metzgerscher Äußerungen nicht in Gang – und selbst manch originelle Gäste, wie etwa ARD-Journalist und Kabarettist Peter Zudeick, waren recht handzahm. Man könne sich das Jobwunder auch „besoffen“ reden, meinte Zudeick, Fakt sei doch wohl, dass die Arbeitslosigkeit vor Jahren noch riesengroß gewesen sei, und dass viele Arbeitnehmer das Jobwunder heute teuer bezahlten – mit Mini-Jobs, schlechten Löhnen oder Leiharbeit.
Es war eine an sich interessante These. Doch die Runde bei Anne Will verfolgte sie leider nicht.
Stattdessen war die „Schlecker“-Pleite das zentrale Thema der Sendung, ein Reporter fuhr extra nach Ehingen zur Firmenzentrale, dem sogenannten „Schleckerland“. Doch was die Einheimischen dachten über Pleite war ebenso wenig überraschend: Die meisten waren gleichgültig – irgendwo werden schon noch ein paar Millionen Euro auf Konten der Familie Schlecker liegen – und das könnte wohl auch stimmen, trotz der neulich beklagten Privatpleite der Schleckerfamilie.
Dass sich bis zum Schluss nicht allzu viel bei „Schlecker“ geändert hat, bewies die Berliner Betriebsrätin Mona Frias, als sie erzählte, dass sie von der Pleite aus dem Radio erfuhr. Doch was sagt das eigentlich über das deutsche Jobwunder aus, das in Teilen auf dem Rücken der Arbeitnehmer erkauft wurde? Das konnte die Sendung von „Anne Will“ bis zum Schluss nicht beantworten – schade, ein spannendes Thema wurde verschenkt.
Immerhin gab es am Schluss noch Überraschendes von Oswald Metzger: Auch er sei schon seit langem dafür, nicht mehr die Arbeit so stark zu besteuern, sondern auch die Einkünfte der Wohlhabenden aus Kapitalerträgen. Das hatte man so von Metzger noch nicht gehört – eine Erkenntnis zu später Stunde vor Mitternacht.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.