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DSDS: Die trashigste und traurigste aller Castingshows

„Supertalent“, „The Voice of Germany“ oder „Unser Star für Baku“: Untalentierte Kandidaten müssen immer wieder vor die Kamera - und die Pflichtstation im Castingbusiness ist „Deutschland sucht den Superstar“.

Dieter Bohlen: Jurymitglied der Casting-Show Deutschland sucht den Superstar (DSDS).
Dieter Bohlen: Jurymitglied der Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS).
Foto: dpa

Nach zwölf Jahren Castingshows in Deutschland, nach unzähligen Stunden, in denen senderübergreifend nach dem Talent/ dem Star/ der Stimme Deutschlands gesucht wurde, steht seit dieser Woche fest: es ist geschafft! Nicht, dass tatsächlich dieser eine wahre Übertalentsuperstar gefunden wäre, hahaha, nein. Es sind nur einfach alle gecastet worden: in allen Altersklassen, in allen Ecken und Winkeln Deutschlands, selbst Österreich und die Schweiz sind talentmäßig bergauf und bergab vollständig erforscht worden. Leider stellt nur trotzdem niemand die Suche ein. Und so ist etwa eine neue Folge „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS), wie sie RTL gestern Abend ausstrahlte, vor allem ein Wiedersehen mit alten Bekannten.

Zum Beispiel war Shole wieder da. Schon in der letzten Staffel hat sie vor der DSDS-Jury gesungen, ihre miserable Stimme war gar nicht so sehr das Problem, sie glänzte aber sehr stark im Gesicht. Das fand RTL sehr lustig. Shole hat das offensichtlich nicht abgeschreckt, sie trat auch in diesem Jahr wieder vor die Jury. Diesmal glänzte sie nicht, quäkte aber umso mehr. Jury-Mitglied Natalie Horler (googlen Sie bitte nicht, es lohnt nicht) äffte sie nach, Dieter Bohlen sagte irgendetwas Dieter-Bohlen-mäßiges und Bruce Darnell murmelte Unverständliches. Kein „Recall“ für Shole.

Eine untalentierte Kandidatin, die zum zweiten Mal antritt und nicht in die nächste Runde einzieht – als Castingshow muss man das gar nicht zeigen, man kann es kurz erwähnen, oder wie DSDS einen sechs-Minuten-Beitrag mit Rückblenden, Interviews und Wiederholungen daraus machen. Wie will man auch sonst 47 Minuten Netto-Sendezeit füllen? Talente sind auf dem Markt ja kaum noch zu haben seit alle weggecastet sind, eine Entwicklung, die vor allem DSDS, das trashigste und traurigste aller Casting-Formate, hart trifft. Qualitativ, versteht sich, quantitativ geht immer was.

Zum Glück gibt es ja noch die Eigengewächse, Vanessas zum Beispiel, die gestern in den RTL-Castingzirkus zurückkehrte. 2008 war die damals 13-Jährige Finalistin beim „Supertalent“, nun hofft sie auf einen Sieg bei DSDS. Die Show scheint eine Pflicht-Station im Castingbusiness zu sein, auch für die Kandidaten der Konkurrenzformate. Julius, ein inzwischen ausgeschiedener Teilnehmer von „The Voice of Germany“ (Sat1), war zuvor bei DSDS, ebenso Roman, der am Donnerstag bei „Unser Star für Baku“ (ProSieben) in die nächste Runde einzog. Keiner war aber so oft bei DSDS wie Menderes Bagci. Mit hartnäckiger Talentlosigkeit hat er sich acht Staffeln hintereinander bei DSDS beworben, das bescherte ihm reichlich RTL-Aufmerksamkeit und immerhin einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Auch in dieser Staffel werde Bagci wieder dabei sein, kündigte RTL an.

Mit der glänzenden, quäkenden Shole hingegen wird es wohl kein Wiedersehen geben – zumindest nicht auf RTL. „Ich werde nächstes Jahr bestimmt nicht noch einmal kommen“, teilte sie der Jury wütend mit. Andere Sender haben schließlich auch schöne Castingshows.

Autor:  Sarah Mühlberger
Datum:  15 | 1 | 2012
Kommentare:  4
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