„Vielleicht war heute einfach ein Scheißtag“, sagt Juror Dieter Bohlen am Schluss. Ja, vielleicht. Vielleicht ist „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) aber auch einfach eine, um es in Bohlens Ausdrucksweise zu sagen, Scheiß-Show. Ganz unabhängig vom Tag.
Während Pro Sieben / Sat 1 gerade mit der neuen Castingshow „The Voice of Germany“ gute Quoten und noch bessere Stimmen feiert und dafür so eben die „Goldene Kamera“ verliehen bekam, tut RTL alles dafür, mit DSDS seinen Ruf als sogenanntes „Unterschichtenfernsehen“ zu festigen.
Man muss diesen Ausdruck nicht gutheißen. Man muss auch niemandem mehr erklären, dass es bei DSDS schon längst um alles mögliche geht, nur nicht um musikalisches Talent. Wirklich beleidigend für die Intelligenz der Zuschauer, egal welcher gesellschaftlichen Schicht ist aber, dass die Show in der nunmehr neunten Staffel wie ihre eigene Parodie daher kommt und dabei noch nicht einmal mehr zu unterhalten weiß.
Käsefüße im Kandidatenzimmer
Lieblos zusammengeschustert, ohne dramaturgische Höhepunkte oder irgendeine erkennbare Struktur, plänkelt der „Recall“ auf den Malediven dahin. Los geht es abrupt mit einem Skandälchen um Kandidatenzimmer, die nach Käsefüßen stinken, mittendrin werden kurz drei Kandidaten aussortiert, von denen man einige gar nicht hat singen hören, und nach einer Stunde ist es dann plötzlich schon wieder vorbei.
Die Regie macht sich noch nicht einmal die Mühe, erklärende Rückblenden oder biografische Details zu den Kandidaten einzustreuen. Stattdessen wird jeder noch so uninteressante Smalltalk wiedergegeben oder uninspiriert auf die wackelnden Bikini-Popöchen minderjähriger Kandidatinnen gezoomt, die sich durch Miriam Makebas „Pata Pata“ haspeln, wie Sauf-Touristen in einer Karaoke-Bar.
Die Jury sitzt derweil gelangweilt auf einer Jacht im türkisblauen Meer herum, selbst Großmaul Dieter Bohlen fällt kein witziger Spruch mehr ein.
Klassenfahrt-Feeling
Als Zuschauer fühlt man sich dabei, als würde man unfreiwillig einer Klassenfahrt sozial auffälliger Teenager beiwohnen. Im Gemeinschaftszimmer steppen sie in 0815-Choreografien von links nach rechts und sind selbst dabei nicht synchron. Sie unterhalten sich ausgiebig über Verdauungsprobleme, mobben Mitkandidaten aus dem Team und kommt es dann endlich mal zum Auftritt, hat die Hälfte schon wieder den Songtext vergessen oder den Einsatz verpasst.
Das alles ist weder überraschend, noch schockierend – es ist vor allem gähnend langweilig. So kann man es als Drohung verstehen, wenn Dieter Bohlen nach dem „Scheißtag“ die Entscheidung vertagt und ankündigt, den Tag komplett zu wiederholen. Man kann aber auch einfach um- oder ausschalten. Ist besser so.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.