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Geheimdienst-Dokumentation: Der BND im Schatten von James Bond

Die Zeiten, in denen man nur spekulieren konnte, was der deutsche Geheimdienst wohl im Verborgenen trieb, sind natürlich längst vorbei. Mit einer Dokumentation über die Macht der Geheimdienste trifft das ZDF zwar den Puls der Zeit, wirklich aktuell war die Sendung nicht.

Sean Connery 1983 als James Bond. Mit der Wirklichkeit des BND haben die Agentenfilme nicht allzuviel gemein.
Sean Connery 1983 als "James Bond". Mit der Wirklichkeit des BND haben die Agentenfilme nicht allzuviel gemein.
Foto: dpa

Heute gibt es Publikationen zum BND im Buchladen um die Ecke. Mit einem „Gesprächskreis Nachrichtendienste in Deutschland“, den jeder kontaktieren kann und einem eifrigen „Spiegel“, der sich darum bemüht, eine  „Geheimdienstaffäre“ nach der anderen aufzudecken und der Öffentlichkeit bekannt zu machen, haben Nachrichtendienste es mittlerweile schwerer, im geheimen und unbehelligt zu operieren. Spiegel-TV-Autoren waren es auch, die „Der Spion, den ich liebte“, drehten – eine Dokumentation über die Macht der Geheimdienste, die das ZDF gestern ausstrahlte.  

„Ernüchternde, empörende und erstaunliche Wirklichkeiten“ wollte der Sender zeigen und damit ganz dem Anspruch des neuen Formats „ZDFzeit“ gerecht werden. Die Sendung traf zwar den Puls der Zeit – doch aktuell war sie nicht.

V-Männer nicht auf der Tagesordnung

Denn: Mit überraschenden Befunden war es auch in dieser ZDFzeit-Ausgabe nicht weit her. Wirklich neue Erkenntnisse zu Prioritäten und  Arbeitsweise des Geheimdienstes gab es nicht – wer hätte es auch erwartet. Dass die Sendung allerdings jeglicher Aktualität entbehrte, verwunderte dann doch.

Klar, der Drehzeitpunkt lag schon eine Weile zurück.  Als die Dokumentation im letzten Jahr zusammengestellt wurde, waren V-Männer und Bespitzelungsskandale noch nicht auf der Tagesordnung. Zumindest gab‘s die Debatte in diesem Ausmaß noch nicht. Nur einmal kurz widmete sich die Sendung gestern dann auch dem Verfassungsschutz und der Terrorzelle.

Die Szene passte aber so schlecht ins Gesamtbild, dass man sie lieber ganz weggelassen hätte.  Schließlich ging es primär um viel profanere Fragen: Kann man als schöne Frau tatsächlich jemanden dazu verführen, Geheimnisse auszuplaudern? Und: Muss man als Mann gut im Bett sein, um wie Bond eine Agentenkarriere zu starten?

Selbstversuch mit wenig überraschendem Ergebnis

Man kann sich die Antworten natürlich denken. Im Selbstversuch wurde die Situation trotzdem nachgestellt, also erstere.  Das Resultat war wenig überraschend, ebenso wie die fast beleidigten Aussagen eines Agenten, der sich mit dem BND verkracht hat.

Neu und spannend waren eigentlich nur die Ergebnisse der Meinungsumfragen, die das ZDF für seine Show angestellt hatte: Anscheinend sprechen sich mehr als die Hälfte der Deutschen für einen Geheimdienst aus, der die Lizenz zum Töten haben sollte. Warum aber ist das so? Besteht wirklich ein verschärftes Sicherheitsbedürfnis? Oder kommt der Wunsch aus einer  Bond-Nostalgie heraus?

Falls letzteres zutrifft, dann hat die Sendung dieses durch die wiederholte Einblendung alter James-Bond-Ausschnitte und dramatischer Filmmusik sicher noch gefördert. Was vielleicht als Kontrastfolie zur nüchternen Realität gedacht war, tauchte nicht nur die sehr fragwürdigen Aktivtäten des israelischen Mossads in ein anderes Licht. Mit passender Musik und der raunenden Stimme des Sprechers verfolgt man die Videoaufzeichnung eines Tötungskommandos doch mit ganz anderen Augen.

In einer Anzeige für das neue Format wirbt das ZDF mit einer nackten Eva, die dem Betrachter lüstern einen Apfel entgegenstreckt. Wenn ZDFzeit langfristig verführen will, dann muss es aber mehr bieten, als alte Aufnahmen in neuer Aufmachung. 

Autor:  Ricarda Breyton
Datum:  1 | 2 | 2012
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