Günther Jauch diskutierte gestern Abend, was der künftige Bundespräsident Gauck alles mitbringt – manches blieb jedoch unbeantwortet.
Moderator Günther Jauch.
Foto: dpa
Moderator Günther Jauch.
Foto: dpa
Was kommt nach Wulff? Es war ja völlig klar, dass am Wochenende alle Sender sich dem Thema verschreiben würden. Nachdem Günther Jauch bereits am Freitagabend in einer Art „Akutausgabe“ seiner Talkshow über den Rücktritt Wulffs diskutierte, schnellte auch das ZDF vor und schickte Maybrit Illner gestern Abend um 19.15 Uhr ins Rennen.
Zweieinhalb Stunden später lud Günther Jauch in der ARD dann abermals zum Präsidenten-Plausch ein, aber da war die Sachlage schon eine andere: Da hatte die ganz große Koalition aus CDU, FDP, SPD und Grünen sich bereits auf Joachim Gauck geeinigt. Wulff war graue Vergangenheit, Gauck die Zukunft.
Jauchs Gäste, die „Ex-Grande Dame“ der FDP, Hildegard Hamm-Brücher, Ex-Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert, Heiner Geißler, SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles und der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach waren sich einig: Gauck sei eine gute Wahl. Entsprechend staatstragend ging es denn auch zu. „Gauck wird den Abstand zwischen Bürgern und Politik verkleinern“ (Bosbach), „Er hat eine Nähe zu den Menschen“ (Wickert), oder aber: „Die Kanzlerin hat eingesehen, dass sie einen Fehler gemacht hat“ (Nahles).
Immerhin: Jauch hat trotz aller staatstragender Äußerungen die richtigen Fragen gestellt. Etwa: Was heißt es eigentlich, dass wir künftig zwei Protestanten aus dem Osten an der Staatsspitze haben? „Ich finde das gut“ (Nahles), „Ich habe kein Problem damit“ (Geißler). Noch bedeutsamer aber: Was bedeutet es eigentlich, wenn Gauck sagt, er halte die „Occupy“-Proteste für „albern“?
Joachim Gauck - der zweite Anlauf
Bildergalerie ( 15 Bilder )
Joachim Gauck - der zweite Anlauf
Ostdeutsche Staatsspitze. Angela Merkel ist die erste Kanzlerin aus den neuen Bundesländer. Joachim Gauck wird der erste Präsident aus dem Osten sein.
Foto: dapd
Joachim Gauck kann als neuer Bundespräsident nach Einschätzung der Kanzlerin „wichtige Impulse geben für die Herausforderungen unserer Zeit“ und die Herausforderungen der Zukunft.
Foto: REUTERS
Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel (l.) setzt darauf, dass der künftige Bundespräsident Joachim Gauck die Kluft zwischen Bürgern und Politik überwinden hilft. Gabriel würdigte ausdrücklich die fairen und offenen Gespräche mit der Koalition.
Foto: dpa
Joachim Gauck selbst zeigte sich überwältigt von den Ereignissen. Er war erst am Sonntag kurzfristig aus Wien nach Berlin geflogen. Die Kanzlerin habe ihn telefonisch im Taxi erreicht. "Ich bin noch nicht einmal gewaschen", sagte er vor laufender Kamera.
Foto: AFP
Er wolle die Menschen einladen, Verantwortung zu übernehmen und nicht nur Zuschauer und kritische Begleiter zu sein, sagte der 72-Jährige weiter.
Foto: dapd
Vor zwei Jahren war Gauck noch knapp in der Bundesversammlung gescheitert - sein Gegenkandidat Christian Wulff erhielt allerdings erst im dritten Wahlgang ausreichend Stimmen.
Foto: dapd
In der Bevölkerung genießt der ehemalige Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde seit jeher großes Ansehen.
Foto: dapd
Die neue First Lady heißt Daniela Schadt und ist Politik-Redakteurin bei der Nürnberger Zeitung.
Foto: dpa
Das Schloss Bellevue kennen die beiden schon. Dieses Foto zeigt sie bei einem Sommerfest im Juli 2010. Bald wir es Joachim Gaucks offizieller Arbeitsplatz sein.
Foto: ddp
Menschlich: Bei der Pressekonferenz bat das neue Staatsoberhaupt, ihm erste Fehler im künftigen Amt zu verzeihen...
Foto: dapd
Man dürfe nicht erwarten, dass er ein „Supermann und ein fehlerloser Mensch“ sei, sagte Gauck am Sonntagabend.
Foto: dapd
Der geborene Rostocker arbeitete in der DDR als Pfarrer und engagierte sich im Wendejahr 1989 im Neuen Forum, wo er sich um die Aufdeckung des Überwachungsapparates der DDR kümmerte.
Foto: dapd
Vor allem sein authentischer Kampf für die Freiheit macht ihn bei den Menschen beliebt.
Foto: Reuters
In den Blitzumfragen nach dem Wulff-Rücktritt hatte Gauck im Bürgervotum die Nase vorn. Bleibt nur zu hoffen, dass nach den vorzeitige abgetretenen Horst Köhler und Christian Wulff nun Ruhe ins Amt einkehrt.
Foto: dapd
Die Spitzen von CDU, CSU, SPD und Grünen treten vor die Presse. Zuvor hatten sie sich auf Joachim Gauck als gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten geeinigt. Von links: Claudia Roth (Grüne), Sigmar Gabriel (SPD), Angela Merkel (CDU), Joachim Gauck, Jürgen Trittin (Grüne), Cem Özdemir (Grüne), Philipp Rösler (FDP) und Horst Seehofer (CSU).
Foto:
dapd
Fotostrecken Frankfurt
Musik
Fotostrecken Kultur
Musik
Fotostrecken Kultur
Fotostrecken Kultur
Leider wurde dieser Punkt nicht weiter diskutiert, obwohl es im Grunde eine ungeheuerliche Äußerung des künftigen Bundespräsidenten war – welches Denken dahinter steckt, blieb offen. Da wären zumindest einige Fragen angemessen gewesen.
Ein spannender Punkt war am Schluss jener, warum eigentlich der Bundespräsident nicht vom Volk gewählt werden kann. Ja, warum eigentlich nicht? „Das verschiebt die Machtbalance“, meinte Wolfgang Bosbach, ohne dass klar wurde, warum das so sein müsste.
Auch die interessante Frage, was es eigentlich für die Bundesregierung bedeutet, wenn die Kanzlerin nach dem Atomausstieg und dem Mindestlohn nun die gefühlte 17. Kehrtvolte vollzieht, wurde leider nicht gestellt – diese blieb den anschließenden Tagesthemen vorbehalten.
Eines steht fest: Auch bei einer Direktwahl würde der künftige Bundespräsident sicher Joachim Gauck heißen - laut einer gestern Abend veröffentlichten Umfrage des ARD-Deutschlandtrends glauben 49 Prozent der Deutschen, dass Gauck ein guter Präsident werden wird. Na denn, soviel Konsens war nie.