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"Günther Jauch": Wulff, der Pattexpräsident

Deutschlands Medien müssten Christian Wulff dankbar sein. In der sonst tiefsten Saure-Gurken-Zeit zwischen Ende Dezember bis Mitte Januar liefert der Bundespräsident den Medien ein gefundenes Fressen. Auch Günther Jauch kommt nicht an Wulff vorbei. Doch trotz bestens besetzter Runde bleiben die Fragen oberflächlich.

Was nützt der Glanz, wenn Fragen bleiben?
Was nützt der Glanz, wenn Fragen bleiben?
Foto: dapd

Der Spiegel lieferte eine weitere Steilvorlage für das Thema – und setzt die Wulff-Affäre aufs Titelbild der Ausgabe von dieser Woche. Chefredakteur Georg Mascolo war am Sonntagabend einer der geladenen Gäste, ebenso wie Nikolaus Blome, Hauptstadtbüroleiter bei Bild. Blome musste sich denn auch von einer Freundin von Christian Wulff sagen lassen, die ebenfalls eingeladen war, dass sie nicht in einem Land leben möchte, in der ausgerechnet die Bild-Zeitung über Recht und Moral richtet. Szenenapplaus.
Angesichts des medialen Dauerfeuers hätte man sich von der Sendung dennoch eine tiefgründigere Betrachtung des Phänomens Wulff und der Bedeutung des Bundespräsidentenamtes gewünscht – immerhin wurden einige Aspekte angesprochen.

Der spannendste Gast bei Jauch war der Strafverteidiger und Autor Ferdinand von Schirach, der sehr analytisch ans Thema Wulff heranging: „Wulff sagt im Grunde: Ich bin kein Vorbild, ich bin ein Abbild von Euch.“ In der Tat ein interessanter Punkt – den so noch niemand vorher formuliert hatte. Von Schirach war in seinem analytischen Denken ein weiteres Argument dafür, dass Redaktionen gut daran tun, auch mal andere Gäste einzuladen als nur die üblichen Henkels, Jörges und Trittins.
Die medialen Mechanismen der Republik thematisierte die Sendung zumindest ansatzweise: Etwa die Rolle der Bild-Zeitung als Königsmacher der Republik, die sie auch in der Affäre Wullff einmal mehr einnahm, wurde in einem Einspieler erklärt. (Der Springer-Vorstandsvorsitzende Matthias Döpfner als Zitat: „Wer mit der Bild-Zeitung im Fahrstuhl nach oben fährt, fährt mit ihr auch wieder herunter.“)

Doch die Frage, warum Wulff ausgerechnet beim Bild-Chef, bei Döpfner und bei Friede Springer anrief – diese Frage blieb unbeantwortet. Hätte er das auch bei der Süddeutschen Zeitung oder beim Spiegel getan? Wohl kaum. Doch es wäre mal interessant gewesen, das anzusprechen – immerhin hatte man einen der Bild-Macher in der Runde.
Was blieb nach einer Stunde Günther Jauch, war der Eindruck: Die Affäre Wulff wird quälend weitergehen - zumindest noch einige Tage, übrigens heute Abend gleich weiter in der ARD: Frank Plasberg lädt in „Hart aber fair“ zum Thema „Pattex Präsident Wulff“.

Autor:  Michael G. Meyer
Datum:  8 | 1 | 2012
Kommentare:  20
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