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Meinungsmacher: Weder Strohfeuer noch Aufbruch

Die "Meinungsmacher" sind langweilig. Dabei hatte der Hessische Rundfunk in seiner neuen Talkshow mit Bascha Mika Erkenntnisgewinn statt eines „ritualisierten Schlagabtauschs“ versprochen. Aber Argumente werden offenbar woanders ausgetauscht.

Argumente werden auf der Straße ausgetauscht. Ein Teilnehmer einer Occupy-Demo in Frankfurt.
Argumente werden auf der Straße ausgetauscht. Ein Teilnehmer einer Occupy-Demo in Frankfurt.
Foto: dapd

„Hart in der Sache, fair im Umgang“, so hat der Hessische Rundfunk die neue Rederunde „Meinungsmacher“ angekündigt, die in Zukunft am Mittwochabend von bekannten Journalisten im Wechsel moderiert werden soll. Den Anfang machte Bascha Mika. Das Ziel war vorgegeben: ein Erkenntnisgewinn für die Zuschauer anstatt eines „ritualisierten Schlagabtauschs“. Thema der ersten Sendung hieß „Neue Lust auf Protest: Strohfeuer oder politischer Aufbruch?“ Es sei vorweggenommen: Die Sendung war weder Strohfeuer noch Aufbruch.

Klingt nicht schon das Thema verdächtig nach ritualisiertem Schlagabtausch? Angestrengt und dozierend liest Bascha Mika anfangs von ihrer Moderationskarte ab. In der Sendung geht es dann um die Demos gegen Stuttgart 21, um die Occupy-Bewegung und die Proteste der Griechen gegen die Sparvorgaben der EU. Kann man die drei Fälle vergleichen. Ganz klar nein. Und ist das ein Grund, es zu lassen? In diesem Fall leider wieder nein.

Wenig überzeugende Argumente

So warfen die drei Gäste ihre Meinungen zu Protest im Allgemeinen und zu den Griechen an sich in die Runde. Die Attac-Mitgründerin Jutta Sundermann zeigte Mitleid mit den gebeutelten Hellenen. Wut ist gut, hielt sie zum Thema Protest fest. Das sieht der SZ-Journalist und Buchautor Gerhard Matzig ganz anders. Blindes Agitieren mag er nicht, echtes Engagement für eine Sache findet er in Ordnung. Matzig ist Ingenieur und erinnert in seinem Wunsch nach nüchterner Rationalität an Homo Faber. Er möchte, dass Mehrheitsbeschlüsse auch mal akzeptiert werden.

Seine wenig überzeugenden Argumente in der Sendung: In den USA sei die Ungleichheit viel größer, in Spanien die Jugendarbeitslosigkeit ungleich höher, deshalb gingen die Leute dort zu Recht auf die Straße. Aber was soll das heißen? Dass man sich über relativ kleinere Missstände nicht erregen soll? Dass man abwarten soll, bis der Karren hierzulande genauso tief in den Dreck gefahren ist?

Viel Stückwerk

Der Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim sagt das Wesentliche der Sendung und den Grund für viele Proteste: Es komme doch darauf an, wer Beschlüsse fasse und ob die Menschen beteiligt werden. Er lobt die griechische Regierung für das geplante Referendum über die neue Sparrunde. „Endlich werden die Dinge mal öffentlich diskutiert“, ruft von Arnim freudig erregt.

Ansonsten: viel Stückwerk von drei eher nüchternen Gästen, die keine politische Linie und kein Amt zu verteidigen haben. Eine Runde von Experten. Und das Thema erweist sich als zu pauschal, zu allgemein, zu sehr auf der Meta-Ebene, die dann aber kaum bespielt wird. Das zeigt, dass Experten nicht ausreichen, damit es spannend wird.

Es hätte Leute gebraucht, die erklären, warum sie sich für eine bestimmte Sache engagieren – und wütend sind. Und bitte noch jemanden, der weiß, weshalb es in Stuttgart rund geht, während die Hamburger scheinbar jeden Preis für ihr Konzerthaus zu zahlen bereit sind. Bei den „Meinungsmachern“ fehlten – Meinungsmacher! Leute von der Straße, die Gerhard Matzigs Nüchternheit etwas entgegensetzen. Die lagen vermutlich schon vor der EZB in ihren Zelten.

Autor:  Felix Ehring
Datum:  3 | 11 | 2011
Kommentare:  1
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