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TV-Kritik "Harald Schmidt Show": Arschfick und Adorno

Erst zieht Schmidt die Käßmann durch den Messwein - mit Gusto, aber ohne Höhepunkte. Dann die wichtigste Frage: "Herr Scobel, wie halten Sie es mit Susanne Fröhlich aus?" Nix Neues vom Stoppel-Ich. Von Volker Schmidt

Ist bei Harald Schmidt womöglich die Luft raus?
Ist bei Harald Schmidt womöglich die Luft raus?
Foto: ard/wdr/herby sachs

Erstmal durfte Schmidt Margot Käßmann durch den Messwein ziehen, was der ehemalige Pfadfinder und katholische Kirchenmusiker mit Gusto, aber ohne Höhepunkte tat. Ein Lichtblick: der Phaeton-Spot mit Bildern des Alpinofaschisten Jörg Haider, der sich ja ebenfalls nach einer Trunkenheitsfahrt aus dem Amt zurückziehen musste, allerdings endgültiger als Käßmann. "Der Phaeton - nur betrunken zu ertragen."

Dann war Jürgen Rüttgers dran, von dem Schmidts Team ein paar nette Szenen ausgegraben hatte. Zum Beispiel die, in der der nordrhein-westfälische Ministerpräsident über eine Studie scherzt, in der Psychologen doch allen ernstes herausfinden wollten, ob ein Mann und eine Frau unterschiedliche Emotionen beim Betreten eines Waldes empfinden. Rüttgers: "Wenn zu meiner Zeit ein Mann und eine Frau zusammen in den Wald gingen, dann hatten die die selben Gefühle." Dazu ein "Ihr wisst schon, was ich meine"-Gesicht, das nachzuahmen "Dirty Harry" minutenlanges Vergnügen bereitete.

Mit Damen aus dem Publikum stellte Schmidt ein PR-Foto des Ehepaars Rüttgers nach, auf dem Angelika sich an ihren Jürgen schmeißt und er, die Hände cool in den Hosentaschen, interesselos über sie hinwegblickt. Da hing der Abend schon ganz schön durch, und er erholte sich auch nicht mehr so richtig.

Guido Westerwelle und Hartz IV verhackstückten der Moderator und seine Gagschreiber allenfalls auf Standardniveau: die nach dem kleinen Einmaleins für Glossen-Schreiber geklöppelte Fortsetzung der Westerwelleschen Tiraden (Hartz-IV-Empfänger als Käse-Vorkoster bei Lidl und zum Schlaglöcher-Auffüllen), eine Sauf-Kotz-Bierdosenweitwurf-"Olympiade der Hartzen", ach ja.

Es folgten ein Schnelldurchgang durch das Alte Rom (wg. Dekadenz) und die Wurzeln der griechischen Krise in der Antike, damals, als der Analverkehr erfunden wurde. Sowie eine 3-nach-9-Runde mit einem allerdings treffend fatzkig imitierten Giovanni di Lorenzo, der tatsächlich demnächst zum Team der ältesten deutschen Talkshow zählenden Schmidt-Assistentin Katrin Bauerfeind und als Gast Ingrid van Bergen (gespielt von Schmidt), die am Ende den Revolver zog und die Moderatoren abknallte. Sollte man nicht verlangen, dass die angekratzte Ikone des deutschen Late-Night-Talks auf Pointen kommt, die einem nicht selbst schon vor Konsum des dritten Bieres einfallen?

Als Kommentar zu einem kurzen Einspieler aus den ZDF-Nachrichten ("die italienischen Behörden wollen mit einer Sperre verhindern, dass das Öl in den Po eindringt") wurde Schmidt grundsätzlich: Er habe den ARD-Gewaltigen das Konzept seiner Sendung als Versöhnung des öffentlich-rechtlichen Bildungs- mit dem Unterhaltungsauftrag verkauft, als "die perfekte Mischung aus Arschfick und Adorno".

Da konnte er auch schon Gert Scobel ansagen, den "letzten Universalgelehrten des deutschen Fernsehens", der "jeden Tag zwei Bücher" schreibt. Seine Geistes- und Naturwissenschaftsmagazin "Scobel" beschrieb Scobel als "so wie hier, nur mit mehr Professoren", mit anderen Worten: mehr Adorno als anale Penetration. Das Geplauder über selbige Sendung blieb lust- und belanglos, das kann Harald Schmidt eigentlich besser. Oder konnte es mal.

Und die wichtigste Frage blieb eh ungestellt: die nach Susanne Fröhlich, der Frau mit den Schreckschraubenlocken und der Kreissägestimme. Vielleicht traut Schmidt sich nicht an sie heran, weil seine Kinnpartie die Hauptrolle in ihrem nächsten Buch spielen soll: Stoppel-Ich.

Autor:  Volker Schmidt
Datum:  26 | 2 | 2010
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