Maybrit Illner machte die halbe Sendung zum Bundespräsidenten. Der Übergang zum Thema Krisenbewältigung, Staatsverschuldung, etc. war so sanft, so geschickt, dass ich ihn erst bemerkte, als er längst passiert war. Ulrich Wickert - "Das Buch der Tugenden" - hat natürlich Recht, wenn er sagt, wenn der Bundespräsident anruft und sagt, er möchte zurücktreten, dann muss die Kanzlerin in ein Auto steigen und die fünfhundert Meter zu ihm hinüber fahren und die Sache mit ihm persönlich durchsprechen. Nicht per Telefon.
Kurt Beck, Ex-SPD-Vorsitzender und Ministerpräsident in Rheinland Pfalz erklärte zu Köhlers Rücktritt, man könne nicht in andere Menschen hineinsehen, man wisse also nicht, was die wirklichen Gründe für Köhlers Rücktritt seien. Die Pressekampagne gegen ihn aber hätte er wegstecken müssen.
Jorgo Chatzimarkakis, Europaabgeordneter für die FDP, seine Gattin ist Kreditreferentin bei der Europäischen Investitionsbank, Luxemburg, hatte zuvor die Kanzlerin kritisiert. Sie hätte sich vor Köhler stellen müssen, als ihm vorgeworfen wurde, er würde verfassungwidrige Einsätze der Bundeswehr zur Wahrung wirtschaftlicher Interessen der Bundesrepublik befürworten. Auch die Linke hätte Köhler deswegen kritisiert.
Und der Neue?
Katja Kipping, stellvertretende Parteivorsitzende der Linken, stellte lächelnd richtig: Die Linke sei im Gegenteil, was die sachliche Einschätzung - Deutschland führt Kriege aus wirtschaftlichen Interessen - angehe, ganz bei Köhler. Sie bewerte das freilich radikal anders. Die Linke sei eben darum gegen diese Kriege. Aber dafür lebten wir ja in einer Demokratie, um uns über die Bewertung der Tatsachen streiten zu können. Im übrigen habe bei Köhlers Rücktritt sicher auch eine Rolle gespielt, dass die Regierungskoalition seine Kritik an den Finanzmärkten und seine Forderung nach Maßnahmen zu ihrer Regelung habe links liegen lassen.
Und der Neue? Ein guter Mann, meint der Herr von der FDP. Kurt Biedenkopf bemerkt spitzbübisch, es sei interessant, dass Christian Wulff 50 Jahre alt ist, also ein Politiker, der noch wird mit den Folgen seiner Politik leben müssen. (Wenn das nur eine Frage des Alters wäre! Gerhard Schröder hat sich aus dem Staub ins Öl gemacht. Das ist auch eine Möglichkeit, den Folgen des eigenen Handelns zu entgehen.)
Kurt Beck wies darauf hin, dass der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel der Kanzlerin Joachim Gauck als zukünftigen Bundespräsidenten vorgeschlagen habe. Die habe sich aber dann erst für Ursula von der Leyen und dann, dem Druck der Herrenriege folgend, für Christian Wulff entschieden. Merkel hat also statt sich zu fragen: Wer ist gut für unser Land? nach einer Antwort gesucht auf die Frage: Was befriedet die CDU?
Wie kommt es, fragt Maybrit Illner, dass es immer ein halbes Jahr nach Wahlen heißt: Wir sind schrecklich verschuldet. Wir müssen sparen. Und noch eine Illner-Frage verdient der Vergessenheit entrissen zu werden: Die FDP spricht ja so gerne von den Leistungsträgern. Sind die Minister der FDP welche?
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.