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TV-Kritik "Maybrit Illner": Harmonie IV

Keiner will mitspielen bei Illners Spiel, sich neue Namen für Hartz IV auszudenken. Nicht Kurt Beck und auch nicht Heinz Buschkowsky. Der Neuköllner Bezirksbürgermeister heizt zumindest die Diskussion an. Von Grete Götze

Illner wurde schon mal zurecht gewiesen von der Arbeitsministerin.
Illner wurde schon mal zurecht gewiesen von der Arbeitsministerin.
Foto: ZDF/ screenshot

Keiner in der Runde will so richtig mitspielen bei Maybrit Illners Spiel, sich einen neuen Begriff für Hartz IV auszudenken. Dabei ist Ursula von der Leyen doch ganz unzufrieden damit, dass ein Wort negativ besetzt ist, hinter dem sich 6,7 Millionen Arbeitslose verbergen.

So hat sich Illners Redaktion denn auch extra etwas Pfiffiges ausgedacht, um die Begriffsschöpfung im Sinne von der Leyens voran zu treiben: Erst Leute auf der Straße befragen - soll ja volksnah sein. Die schlagen zum Beispiel vor: "Von der Leyen 1". Oder "Doofes Geld für Arme". Und dann die vom ZDF beauftragte Werbeagentur zur seriösen Vertiefung des Spiels ins Boot holen.

Der Werber moniert erst tapfer, für etwas Negatives ließe sich kein positiver Begriff finden - aber dann wird er weich und macht doch ein kleines Mindmapping auf Karteikarten, wie man denn nun Hartz IV sonst noch nennen könnte. Zum Beispiel "Zusi" wie Zukunftssicherung. Oder "Basi". Für Basisabsicherung.

In der Gesprächsrunde jedenfalls will von der Leyen, an diesem Abend in seriösem Grau, die "Gemeinschaftsleistung" von Hartz IV betonen - Illner schlägt daraufhin "Harmonie IV" vor, womit wir leider schon beim lustigsten Illner-Spruch des Abends mit dem Thema "Reformruine Hartz: noch mehr Geld für keine Arbeit?" angekommen sind - (Anlass ist das Urteil des des Bundesverfassungsgerichts, das die größte Sozialreform Deutschlands teilweise für verfassungswidrig erklärt hat) - Aber es ist ja auch ein ernstes Thema:

Eingeladen sind Hans-Jürgen Czentarra, ein engagierter Langzeitarbeitsloser aus Erfurt, Kurt Beck als Verteidiger der von rot-grün eingefädelten Hartz-Gesetze, Frau von der Leyen als ihre derzeitige Verwalterin, Heinz Buschkowsky (SPD) als volksnaher Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln sowie Martin Lindner, Bundestagsabgeordneter der FDP.

Der hat mit seinen sechs Kindern an und für sich auch großes Verständnis dafür, dass "Skiwochenenden und ähnliches" dann doch ganz schön teuer sein können im Familienalltag. Ansonsten stellt er sich aber ganz auf die Seite seines Koalitionskollegen Roland Koch, der findet, die Hartzer sollten alle in noch größere Arbeitspflichten genommen werden.

Beck will lieber Mindestlöhne einführen und verteidigt ein System, das schon im Ursprung "aktivierend, nicht alimentierend" gewesen sei. Als es darum geht, dass die CSU Eltern Geld geben will, wenn sie ihre Kinder nicht in den Kindergarten schicken, findet von der Leyen, "man darf hier nicht alles durcheinander schmeißen".

Buschkowskys Diskussions-Anheizer, dass es "keinen Sinn macht, Eltern in bildungsfernen Schichten 20 Euro mehr monatlich zu geben", wird leider nicht vertieft. Von der Leyen und er geraten lediglich in Streit darüber, ob "jedes Kind in diesem Land willkommen ist" (wer hätte das gedacht: von der Leyen) oder ob "Kinder in bestimmten Bevölkerungsschichten einen materiellen Hintergrund" haben. Sprich: Kinder werden aus finanziellen Interessen gezeugt.

Aber immerhin: Buschkowsky traut sich als einziger an diesem Abend, streitbare Thesen in die Runde zu werfen. Schade nur, dass sie nicht als Anreiz zum weiter diskutieren genommen werden - denn das Potenzial ist ja da: "Sie beschimpfen Ihre eigenen Leute", empört sich der arbeitslose Czentarra - sondern Maybrit Illner ihre Sendung lieber beschließen will mit dem versöhnenden Ausspruch: "Bleiben Sie heiter!"

Autor:  Grete Götze
Datum:  12 | 2 | 2010
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