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TV-Kritik: "Muppet Show" bei Maischberger

Während der Rentendiskussion bei Sandra Maischberger empfehlen sich die ehemaligen Sozialminister Norbert Blüm und Walter Riester nachhaltig für die "Muppet-Show".

Norbert Blüm und Walter Riester machten Sandra Maischbergers Sendung zur Muppet Show.
Norbert Blüm und Walter Riester machten Sandra Maischbergers Sendung zur "Muppet Show".
Foto: dpa/Archiv

Die Sendung heißt "Menschen bei Maischberger", nicht "Systemtheorie bei Maischberger", also ging es erstmal los mit ein bisschen Wirtshaus: Moderatorin Sandra Maischberger hatte sich umgeben mit Norbert Blüm (CDU, die Rente ist sicher) und Walter Riester (SPD, die Rente ist ohne private Vorsorge eben nicht sicher), und Riester sagte: "Wir trinken auch ab und zu mal einen."

Aber dann: bamm, bamm, bamm. Die zwei Ex-Minister warfen einander Verhetzung, Gehirnwäsche, Verdummung und Gequatsche vor, rechneten vor, warum der je andere für Altersarmut zuständig sei, und um ein Haar wäre Riester einmal handgreiflich geworden. Wenn man Talkshows als Unterhaltungsformat betrachtet, und alles andere wäre ja in den meisten Fällen purer Selbstbetrug, muss man sagen: Note eins.

Dazu für Riester und vor allem Blüm eine Empfehlung für die "Muppet-Show". Sie redeten so gezielt aneinander vorbei, dass ihnen vielleicht gar nicht auffiel, welch wunderbare Blüten sie der Welt hinterließen. Blüm schrie: "Das hört ihr nicht gerne, dass die Armut gestiegen ist!" Und Riester zurück: "Ich hör's gerne!"

Trotz Geschreis informativ

Es wäre aber ungerecht zu behaupten, die Sendung am Dienstagabend, die sich der Frage widmete, welche Altersvorsorge "noch sicher" sei, sei nicht informativ gewesen. Das war sie, weil Maischberger, gut vorbereitet, wichtige Punkte, die die Kontrahenten zwischendurch fallen gelassen hatten, im Boxring aufsammelte und einordnete: etwa dass das Rentenniveau zwar seit der Einführung der Riesterrente gefallen ist, aber dass es auch in Blüms Amtszeit gesunken war. Dass aber Riesters Versprechen von 2001, alle würden von seinem Modell profitieren, auch schwerlich als eingelöst betrachtet werden kann.

Betrachtete man die Sendung als Ratgebersendung, konnte man immerhin  mitnehmen, was Annabel Oelmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, sagte, und was – selten an diesem Abend – unwidersprochen blieb: Die Unterschiede zwischen den einzelnen Riesterrenteprodukten seien "heftig", und "der Verbraucher muss sich wirklich intensiv damit auseinandersetzen und vergleichen".

Nichtssagende Einzelfälle

Der Weg zu dieser Erkenntnis war freilich etwas steinig: Die Runde wurde zunächst durch zwei Frauen ergänzt, die von ihren niedrigen Renten berichteten. Das war kalkuliert anrührend, aber wie immer – das ist ja der große Mist mit den "Betroffenen" in den Talkshows – hätte man auch vollkommen andere Einzelfälle auswählen können, insofern war es auch nichtssagend.

Und abschließend wurden noch Oelmann und "Riester-Befürworter" Peter Schwark vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hinzugebeten, wobei letzterer so lange mit Berechnungsdetails um sich warf, dass man kurz versucht war, Wesentliches an der Riester-Kritik einfach zu vergessen. Zumal sie mit Norbert Blüm durch einen auffallend simpel argumentierenden Hobbykabarettisten vertreten wurde.

Blüm brachte sein klarstes Argument fünf Minuten vor dem Ende zustande: Bei all den "intelligenten Statistiken", mit denen Schwark und Riester hier die Riester-Rente verteidigten, sei es eben doch so, dass die Versicherten "Provision, Verwaltungskosten, Drückerkolonnen, Werbung" mitbezahlten: "Bevor Sie einen Euro auszahlen, haben Sie schon 25 Cent weggenommen."

Zum Schluss erklärte sich Riester dann unaufgefordert bereit, nie wieder "eine solche Sendung" zu machen; "mit einem solchen Mann" könne man nicht sachlich diskutieren. Und dann nahm er Blüm am Arm, deutete auf eine Kamera und sagte zu ihm: "Schrei weiter!" Ein hübsches Schlusswort.

Autor:  Klaus Raab
Datum:  8 | 2 | 2012
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