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TV-Kritik "Tagesschau": Eine Wunschkonstellation

In der Tagesschau werden vornehmlich Regierungs- und Unternehmensverlautbarungen wiedergegeben. Das systemerhaltende Moment der ARD-Nachrichten bringt Außenminister Westerwelle auf den Punkt: Wunschkonstellation. Von Robert John

Marc Bator, Nachrichtensprecher der Tagesschau (17.11.2009).
Marc Bator, Nachrichtensprecher der Tagesschau (17.11.2009).
Foto: screenshot

Die vor ein paar Tagen erschienene TV-Kritik zu Stefan Raab fand ein Leser ziemlich überflüssig. Es gebe im Fernsehen viel spannendere Dinge, für die sich eine Kritik lohne, schrieb er in den Kommentaren. Schließlich mache sich auch niemand die Mühe, eine Kritik über die Tagesschau zu schreiben.

Viel Mühe macht das freilich nicht. Eine Tagesschau-Kritik kann sich aber trotzdem lohnen. Walter van Rossum hat mit einer Kritik der Tagesschau allerdings vor zwei Jahren schon ein ganzes Buch voll geschrieben. In "Die Tagesshow. Wie man in 15 Minuten die Welt unbegreiflich macht" stellt van Rossum fest, dass sich die Berichterstattung hauptsächlich an den politischen Blickwinkel der parlamentarischen Mitte halte.

Dieses systemerhaltende Moment der Tagesschau wird ihr immer wieder vorgeworfen. Denn vornehmlich werden Regierungs- und Unternehmensverlautbarungen wiedergegeben, wobei die Hintergründe unterbelichtet bleiben.

Diesem Muster folgt auch die gestrige Tagesschau um 20 Uhr. "Nach deutlichen Kontroversen zeigt sich die Bundesregierung in der Steuerpolitik nun einig", beginnt Sprecher Marc Bator die erste Meldung zu verlesen und fährt fort: "Wie im schwarz-gelben Koalitionsvertrag vorgesehen, will sie die Bürger auch 2011 entlasten. Vorgesehen sei ein Volumen von 20 Milliarden Euro, teilte Finanzminister Schäuble bei der Kabinettsklausur in Brandenburg mit."

Die neuen Minister der schwarz-gelben Bundesregierung trafen sich im Schloss Meseburg, weil die Koalition an ihrem Betriebsklima arbeiten wolle, wird Außenminister Westerwelle anschließend zitiert. Einen weiteren Grund für das Treffen liefert der Bericht mit einem Statement von Bundeskanzlerin Merkel: "Zu Beginn einer Legislaturperiode ist es, glaube ich, ganz wichtig, dass wir uns näher kennen lernen und damit auch die Basis schaffen, um vertrauensvoll die schwierigen Probleme zu lösen, die ja vor unserem Land liegen."

Falls sich jetzt noch ein Zuschauer fragt, was damit gemeint ist - Westerwelle darf es noch einmal erklären: "Das ist ja keine Zwangsehe, wie es bei Schwarz-Rot der Fall gewesen ist, sondern das ist ja eine Wunschkonstellation. Deswegen arbeiten wir auch gemeinsam für die selben Ziele; für Wachstum, für Beschäftigung, für mehr Zukunftstauglichkeit."

Ob das mit der schwarz-gelben Wunschkonstellation so stimmt, sei einmal dahingestellt. Auf das Zusammenspiel von Tagesschau und Bundesregierung trifft es dafür umso besser zu: Das ist eine Wunschkonstellation. So schön wird es allerdings nicht jeden Tag praktiziert.

Autor:  Robert John
Datum:  17 | 11 | 2009
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