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TV-Kritik "Hart aber fair": Unvorstellbare Raffinesse und Frechheit

Bei Plasberg ging es um die Zukunft von Guttenberg: Noch ist er beliebt in der Bevölkerung. Auch Nikolaus Blome von der Bild ist von Guttenberg als "Gesamtkunstwerk" überzeugt. Die Menschen glauben an ihn, weil er Geld hat, sagt Hans Leyendecker von der Süddeutschen.

Frank Plasberg
Frank Plasberg.
Foto: dpa

Der Doktertitel ist aberkannt, aber das Strafverfahren wegen Urheberrechtsverletzung, zumal des Deutschen Bundestages, steht noch ins Haus. Es wird langsam richtig eng für KT. Das war schon äußerlich bei Frank Plasberg daran zu erkennen, dass im Gegensatz zur Anne-Will-Show am Sonntag, wo neben Will noch Strauß-Tochter Monika Hohlmeier und Alice Schwarzer als Garnierung da saßen, Frauen in dieser Talkrunde physisch nicht mehr vorkamen.

Wenn es hart auf hart kommt, muss Mann eben enger zusammen rücken. Aber ganz ließ sie sich nicht eliminieren, die Frau. Als leuchtendes Beispiel für gelungene Rücktritte schaffte es Margot Käßmann zurück in den Einspieler. „Kann es sein, dass Weibsvolk anwesend ist?“, fragte schon der Pharisäer in Monty Pythons „Das Leben des Brian“ kurz vor der Steinigung des Ketzers, was vehement verneint wurde. Dort waren in Wahrheit schon die Weiber in der Mehrzahl, freilich unter künstlichen Bärten versteckt.

Von angeklebten Bärten war jedoch bei Plasberg keine Spur: Hohlmeier abgelöst hatte nunmehr CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, der zu Guttenberg verteidigte: er habe sich entschuldigt, und man sei von der Milde der Öffentlichkeit überrascht, bei der Guttenberg seine Sympathiepunkte bis dato noch nicht verspielt hat. „Die Menschen haben ein sensibles Gespür dafür, wie ein Mensch mit Fehlern umgeht“, war Dobrindts Ansage.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Thomas Oppermann, ehemaliger Richter, der zu Guttenberg in der Aktuellen Stunde des Bundestages einen akademischen Hochstapler und Lügner genannt hatte, verlangte dagegen Aufklärung: Es sei auf über 100 Seiten systematisch gefälscht und plagiiert worden, da reiche nicht eine kleine Entschuldigung. Er glaube, dass viele Menschen keine Vorstellung von wissenschaftlichen Vergehen hätten. Zu Guttenberg habe sechs Gutachten beim Wissenschaftlichen Dienst des Bundestags in Auftrag gegeben und in seine Doktorarbeit eingesetzt. „ Er hat systematisch betrogen. Und jetzt wirft er den Titel weg, wie ein lästiges Erkennungszeichen.“

Auf Plasbergs Frage an Dobrindt, was eigentlich los wäre, wenn es zu einer Klage gegen KT käme, antwortete dieser, der Bundesverteidigungsminister habe eine Bundeswehrreform durchzuführen. Und die Menschen wüssten, dass sie ihm viel zutrauen könnten.

Das war natürlich keine Antwort auf Plasbergs Frage, den vielmehr interessierte, ob nicht bei weiteren Untersuchungen ein Ghostwriter zutage kommen würde. „Oder haben Sie ihn schon?“ Die Frage war an Hans Leyendecker von der Süddeutschen Zeitung gerichtet. Der antwortete: „Wir suchen ihn.“ Zur ungebrochenen Beliebtheit zu Guttenbergs meinte Leyendecker: „Die Leute glauben, dass er für Werte steht, weil er Geld hat. Man verzeiht ihm Dinge. Welches Ausmaß diese Schummeleien haben, das ist mit einer Raffinesse und Frechheit gemacht, das kann man sich gar nicht vorstellen.“

Darauf angesprochen, dass die Bild-Zeitung dennoch weiter zu Guttenberg halte. Der heutige Titel ist: „87 Peozent der Stimmen, Ja, wir stehen zu Guttenberg“, sagte der Leiter des Hauptstadtbüros Nikolaus Blome: „Wir haben auch Kundus aufgedeckt.“ Und Nikolaus Schneider, der Nachfolger von Margot Käßmann als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche, mahnte diplomatisch: zu Guttenberg solle sich prüfen, das habe er auch Käßmann geraten, nachdem sie mit Alkohol am Steuer erwischt worden war. Seine war eine sanfte Art, dem Menschen die Pistole auf den Schreibtisch zu legen.

Also kurz gefasst: Guttenberg hat plagiiert, dass es eine Art hat und sich dabei völlig unglaubwürdig gemacht. Und die Bombe geht erst noch richtig hoch, wenn es zu einer strafrechtlichen Verfolgung kommen wird und man ihm einen Ghostwriter - offensichtlich geht man fest davon aus, dass es einen gibt - nachweisen kann. Der gute Rat: Er sollte lieber gehen, die Bildzeitung wird ihm schon einen tollen Abgang mit Pauken und Trompeten bereiten.

Köstlich waren oft die Aussagen von Plasbergs Gästen dazu, wie es zu der Diskrepanz zwischen Presse und Öffentlichkeit in der Bewertung zu Guttenbergs komme. So entfuhr es Dobrindt irgendwann: „Wir Politiker müssen ab und zu schmerzhaft erfahren, dass die Bürger eine eigene Meinung haben.“ Und Nikolaus Blome meinte: „Der Mensch [zu Guttenberg] wird eben als Gesamtkunstwerk betrachtet.“ Wahrscheinlich auch noch, wenn dieses mit großem Getöse auseinander birst und die Trümmer steil in den Himmel ragen. Eine malerische Ruine wird das sein.

Autor:  Natalie Soondrum
Datum:  24 | 2 | 2011
Kommentare:  191
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