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Die Höhle des Löw: Suite Home

Die deutschen Fußballspieler sind angekommen - in der Höhle des Löw. Das Hotel, an einer Landstraße ins Nirgendwo gelegen, hat tatsächlich was von einer Höhle. Nachts sollte man sich besser nicht raus wagen. Von Jan Christian Müller

Jan Christian Müller ist Sportredakteur der Frankfurter Rundschau.
Jan Christian Müller ist Sportredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Nun sind sie drin in der Höhle des Löw, die deutschen Fußballspieler. Die Höhle heißt Velmore Hotel und ist an einer Landstraße ins Nirgendwo gelegen. Die Herberge hat in einem wesentlichen Teil tatsächlich etwas von einer Höhle: Der Pressekonferenzraum des Deutschen Fußball-Bundes, in dem sich am ersten Tag etwa 150, 160 Menschen drängelten, stellt sich als düstere Gruft ohne Fenster dar. Man muss das verstehen: Es handelt sich eigentlich um einen Geräteraum für Rasenmäher oder Heckenscheren.

Kommt man die Landstraße aus Richtung Johannesburg angefahren, was die meisten Menschen tun, findet sich gleich neben dem Velmore Hotel ein etwas schiefstehendes Schild mit dem Aufdruck Polaris Hotel. Dahinter kauert eine Ruine, die vielleicht mal das Polaris Hotel war, umgeben von schrottreifen Schaufelbaggern und Planierraupen und alten Autos. Direkt an der Grenze zum Velmore Grande Hotel (fünf Sterne) steht eine halbe Hundertschaft von leeren Altkleidercontainern, diszipliniert in Reih´ und Glied. Einige der deutschen Spieler werden sie aus ihren Suiten im ersten Stock über die Mauer hinweg sehen können, wenn sie sich dabei etwas den Hals verdrehen.

Ganz in der Nähe der Landstraße ins Nirgendwo, die in Wirklichkeit zu einem riesigen Staudamm führt, gibt es noch ein paar wenige Straßen. Sie zeichnen sich auch dadurch aus, dass an ihrem Rand alle paar Kilometer Achtungsschilder mit der Aufschrift "Highjacking Hotspot" aufgestellt worden sind. Das heißt übersetzt so viel wie: "Achtung, Entführungs-Gefahr!"

Klingt gefährlich und ist auch gefährlich. In diesem Bereich, erzählt Fahrer Henry mit dröhnendem Lachen, sollte man im Dunkeln lieber nicht mit seinem Auto liegenbleiben. Sonst könnte es einem danach noch weitaus schlechter ergehen als dem Auto. Henry erklärt außerdem, dass man besser weiterfährt, sollte dort unzufällig ein Mensch auf der Straße liegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der sich nur tot stellt und eigentlich gar nicht tot ist, berichtet Henry, ist jedenfalls größer als andersrum. Dann lacht er noch lauter. Und niemand lacht mit.

Autor:  Jan Christian Müller
Datum:  8 | 6 | 2010
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