Johannesburg. Der kollektive Freudentaumel am Kap nähert sich dem Ende. Tagelanges Tröten und Jubeln bei Afrikas erster Fußball-WM hat die Bevölkerung ermattet. Die Vuvuzela wurden leiser, die Regenbogen-Flaggen an den Autos weniger. Karikaturisten zeichnen bereits schwächelnde Südafrikaner, die mit Fifa-Transfusionen erschöpft auf dem Krankenlager gegen den WM-Blues kämpfen.
Vier Wochen lang hatte das Fußball-Fieber eine Nation und ihre Gäste fest im Griff - nun fällt der Vorhang auf der WM-Bühne. In den meisten Stadien werden schon Medienzelte und andere Installationen abgebaut, Reisebüros sind mit Rückflug-Arrangements beschäftigt. Die bange Frage nach dem Danach kommt auf: Droht der Nation der Rückfall in einen Alltag mit überbordender Kriminalität, Behördenschlendrian, politischen Intrigen und sogar ausländerfeindlicher Gewalt?
Die Bevölkerung reibt sich verdutzt die Augen: Schon alles vorbei? Dabei hatte sie sich gerade an die neue Aufmerksamkeit der Welt gewöhnt und an ihrer neuen Rolle als Sympathieträger Gefallen gefunden. "Die Welt umarmt Südafrika" (Sunday Times) hieß es vier Wochen lang. Die Organisatoren blasen nun noch einmal zum stimmungsvollen Weltmeisterschafts-Endspurt.
Nachdem sich der Kap-Staat jahrelang erfolgreich trotz aller Zweifel WM-fein gemacht hat, fehlt nur noch der krönende Abschluss. Ein Finale, bei dem Volksheld Nelson Mandela den Pokal an die siegreiche Mannschaft überreicht, würde das positive Bild dieser WM abrunden.
Die Organisatoren wollen zwar die Teilnahme des 91-jährigen Friedens-Nobelpreisträgers noch immer nicht bestätigen, signalisieren sie aber unter der Hand als wahrscheinlich. Und sind ansonsten damit beschäftigt, die Koffer zu packen. Die Fifa-Karawane zieht weiter. Nächster Halt: Brasilien. (dpa)
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