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Kommentar: Ein bisschen Lena

Bei der WM 2010 dürfte die deutsche Mannschaft nun weniger als Planierraupe wahrgenommen werden. Das lena-hafte im deutschen Spiel könnte in Südafrika zum Erlebnis werden. Von Jan Christian Müller

Jan Christian Müller ist Sportredakteur der Frankfurter Rundschau.
Jan Christian Müller ist Sportredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Fußballmannschaften, hat der große Arsene Wenger mal sehr treffend formuliert, sind in ihrer Spielweise immer auch Ausdruck des Charakters ihrer Trainer. Unter Berti "der Star ist die Mannschaft" Vogts räumte Dieter Eilts den Rückraum besenrein auf. Unter Erich "bin immer braun gebrannt" Ribbeck bestimmte der Ball die Richtung mehr als der Trainer, unter Rudi "es gibt keine Kleinen mehr" Völler machte Deutschland hinten dicht mit Kahn und vorne das Tor mit Standards. Unter Jürgen "vertikal nach vorn" Klinsmann gab´s auf beiden Seiten Saures bis zum Abwinken.

Und unter Joachim Löw? Begann es ähnlich stürmisch wie bei Klinsmann und wurde mit der Zeit geordneter und strategischer, deshalb aber nicht berechenbarer, und nun, weil ohne Platzhirsche: wieder jugendlicher und frischer. In Südafrika soll die Mischung dann so perfekt werden wie für Deutschland beim European Song Contest mit Raab und Lena: mit Masterplan und Unbekümmertheit.

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Joachim Löw lebt in diesen Tagen die Melange aus fast südländischer Lockerheit und ur-deutschem Arbeitseifer vorbildlich vor. Die nach der Europameisterschaft doch reichlich angekratzte Autorität des Bundestrainers (Ballacks Kritik, Frings Frust, Kuranyis Flucht, Podolskis Watschen) erscheint inzwischen gefestigter denn je. Die Auswahl des Personals trug ihren Teil dazu bei, der Zwist mit dem DFB möglicherweise auch.

Bei der WM 2010 dürfte die deutsche Mannschaft nun weniger, wie traditionell üblich und bei der EM 2008 noch demonstriert, als Planierraupe wahrgenommen werden, für die der Kapitän mit diabolischem Blick den ruhenden Ball mit 140 Stundenkilometern in den Winkel wummst. Das lena-hafte im deutschen Spiel könnte in Südafrika zum Erlebnis werden, wenn, ja wenn wie in Oslo, alles gut geht.

Autor:  Jan Christian Müller
Datum:  31 | 5 | 2010
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