Mittwoch 9. Juni
Ankunft in Kapstadt nach 17 Stunden Flug mit Namibia Airline. Beim Zwischenstopp in Windhuk einen holländischen Spieleragenten kennengelernt. Sagt, er sei Südafrika-Experte und schreibt einige Tipps auf. Man solle sich doch nicht sorgen. Die deutsche Presse hätte viel zu viel Panik geschürt. Hört sich für den Anfang gut an.
Donnerstag 10. Juni
Akkreditierung abgeholt. Über Umwege an einen netten Handwerker aus Halle geraten, der das Glasdach des Greenpoint-Stadions prüfen muss, morgen spielt hier Frankreich gegen Uruguay. Man solle ihm nur folgen, die Security sei lax. Stimmt. Tatsächlich mit aufs Dach gekommen. Welch Ausblick auf Tafelberg und Tafelbucht. Aber: Was ist eigentlich mit der Sicherheit?
Freitag, 11. Juni
Die WM läuft. Und die Party auf der Long Street auch. Nach dem Frankreich-Langweiler noch zum Vergnügen ins "Dubliner". Ein Irish Pub mit Liveband - für die WM ab heute ein überfüllter Schmelztiegel für Fußballfans. Jedes Nationaltrikot scheint vertreten zu sein. Nur nicht das von Nordkorea. Wie sieht das eigentlich aus?
Samstag, 12. Juni
Port Elizabeth. Wie nur nach dem grausamen griechischen Kick für dieses Guesthouse in der 3rd Avenue den Schlüssel finden? Der sei hinterlegt. In einer Box. Stimmt. Umschlag mit vier Schlüsseln. Als sich nach ewigem Gefummel in der Dunkelheit endlich die Haustür öffnen lässt, legt die Alarmanlage los. Und alle Hunde der Umgebung. Panik. Beim Eigentümer angerufen. Man hätte mit einem Code den Alarm deaktivieren müssen. Zu spät. An der Tür erscheinen zwei bewaffnete Sicherheitsleute. Reiche ihnen sofort das Telefon. Die Security wünscht einen schönen Abend, man solle nur alles wieder abschließen. Hätten sie gar nicht sagen müssen.
Sonntag, 13. Juni
WM-Auftakt von Jogis Jungs. In Kapstadt wird das Paulaner Brauhaus an der Waterfront empfohlen. Der Geheimtipp ist keiner. Wegen Überfüllung geschlossen. Rein ins Fanzelt nebenan. Die Beschallung ist ohrenbetäubend, das Spiel atemberaubend. Und: Alle Australier feiern mit. Trotz des 0:4 WM-Feeling.
Montag, 14. Juni
Mittlerweile gut eingelebt. Untergebracht in der "Walden Suites" in der Bellwood Road. Der Besitzer heißt Eberhart und ist gebürtiger Hamburger. Er ist mit der WM nicht zufrieden. Fifa und die Agentur Match hätten versagt. Und die Preise kaputt gemacht. Deshalb seien so wenig Touristen hier. Ich sei die nächsten Tage sein einziger Gast. Christian und Corina, Münchner Touristikstudenten, machen ein Praktikum bei ihm. Und jeden Morgen ein Frühstück, als sei das gesamte Exekutivkomitee der Fifa hier beherbergt.
Dienstag, 15. Juni
Port Elizabeth. Übernachtung im "Ekhaya Bed and Breakfast", eine Herberge scheinbar im Nirgendwo. In dem großen Gemeinschaftsraum ist der Fernseher aus, obwohl doch gerade das Brasilien-Spiel läuft. Vier Männer sitzen gelangweilt herum. Einer mampft Maisbrei, einer döst, der andere surft im Internet, der letzte guckt zwei Goldfischen in einem viel zu kleinen Glas zu. Man fragt sich, ob die armen Fische bis zum Endspiel mit Brasilien genug Luft haben.
Mittwoch, 16. Juni
Weiter nach Durban. Übernachtung in einer finsteren Ecke in der Nähe eines Busbahnhofs. Gegenüber der Kiosk ist mit Gittern versehen, zwei Polizisten stehen gelangweilt in der Ecke und vermitteln kein Gefühl von Sicherheit. Vor dem Einschlafen viermal geprüft, ob die Tür verschlossen ist. Am nächsten Morgen nichts wie weg. Ohne Frühstück.
Donnerstag 17. Juni
Zurück in Kapstadt. Einkaufen an der Regent Road im "Checkers". Plötzlich ist Stress an der Kasse, weil ein älterer Herr, ein Weißer, die Kassiererinnen anklagt, zwei Schwarze, dass ihm 40 Cent fehlen würde. Das sind umgerechnet vier Eurocent. Er beschimpft die Frauen, es ist nicht alles zu verstehen, aber es wird beleidigend. Dann greift eine in ihre Tasche und gibt ihm das Geld. Wann wurde die Apartheid abgeschafft?
Freitag 18. Juni
Diesmal mit dem Paulaner Brauhaus mehr Glück gehabt. Liegt wohl an der Anstoßzeit: Deutschland gegen Serbien, 13.30 Uhr. Schwarze Frauen bedienen im rot-weißen Dirndl. Sie schleppen Weißbier für 30 Rand und Weißwurst für 65 Rand heran. Dieter, halb Bremer, halb Hamburger, lebt nun in Kapstadt und erzählt, dass er als Fremder nur schwer Anschluss finden würde. Kann man sich gerade gar nicht vorstellen.
Samstag 19. Juni
"Walden Suites" ist endlich voll. Mit Engländern, die morgens großen Hunger haben. Obstsalat, Müsli bleiben stehen, dafür wird "Omelette full-house" gewünscht. Die Variante beinhaltet, "mushrooms, peppers, onions, bacon, tomatoes, cheese, please." Was das soll? Wohl die englische Magerkost gegen Algerien vom Abend davor schmackhaft machen.
Sonntag 20. Juni
Abschlusstraining im Greenpoint-Stadion. Portugal und Nordkorea üben nacheinander. Erst kommt Cristiano Ronaldo. Er stellt sich mittig auf einen sonnigen Platz und hält allein das Bällchen hoch. Danach erscheinen alle Nordkoreaner und laufen auf einem schattigen Streifen am Rande hin und her. Am Tag darauf ist wieder nur Portugal auf der Sonnenseite und siegt 7:0. Immerhin endlich das Trikot von Nordkorea gesehen.
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