Von U2s Auftritt unlängst in Turin hörte man Begeistertes: „Notte magica!“, „Grazie!“, notierten entzückte Fans im Internet. Zweifellos ist Bono ganz der Alte nur zweieinhalb Monate nach seiner ernsten Rückenverletzung, die er sich bei Proben zuzog. Sie rollt also wieder, die große U2-Maschine. Bis Ende des Jahres werden die vier Iren durch Europa reisen mit dem gigantischen Bühnengepäck ihrer 360°-Show. Mit einiger Wahrscheinlichkeit werden Bono, The Edge, Larry Mullen Jr. und Adam Clayton zum Jahresende auch wieder einen weiteren Verkaufsrekord ihrer Band-Historie eingefahren haben. Schließlich ist die Tour schon jetzt eine der erfolgreichsten aller Zeiten – mit mehr als 300 Millionen Dollar Einnahmen allein 2009, wie Bandmanager Paul McGuinness dem britischen „Guardian“ stolz vorrechnete.
Wenn 2011 zudem die ausgefallenen Konzerte in Kanada und den USA folgen, dürften U2 selbst den Weltrekord der Rolling Stones für deren „A Bigger Bang“-Tour vor drei Jahren einholen. Die Stadienrocker aus Dublin sind somit mal wieder die Überflieger des Geschäfts. Andererseits aber bekommen selbst Bono und Co. die Veränderungen der Musikindustrie negativ zu spüren. Die Zeiten, in denen ihnen die Fans Konzerttickets aus den Händen rissen, sind wohl vorbei. Um derzeit die Ränge voll zu kriegen, lockt die Band mit einer nachträglich eingeführten Kartenkategorie zu deutlich reduzierten Preisen.
Auch was das jüngste Album angeht, „No Line On The Horizon“, hinken die Rock-Riesen dem eigenen Maßstab hinterher. Die Platte gilt mit etwas mehr als einer Million verkaufter Exemplare zwar immer noch als dicker Fisch des Jahres 2009. Doch für U2-Verhältnisse hat sich das zwölfte Werk miserabel verkauft. In England beispielsweise schaffte es zahlenmäßig nur knapp ein Drittel des Vorgängers „How To Dismantle An Atomic Bomb“. Die Band zeigt sich rückblickend grüblerisch. Der traditionelle Musikfan, der sich Platten kauft, um sie rauf und runter zu hören, sei offenbar „ein überholter Typus“, glaubt Bassmann Clayton ernüchtert.
Dabei sind die Songs auf „No Line On The Horizon“ keineswegs schlechter als andere U2-Songs jüngeren Datums. Mit „Moment Of Surrender“ etwa findet sich ein gospelgefärbter Hymnus im Aufgebot, so wie ihn nur U2 derart raumgreifend hinbekommen. „Magnificient“ wiederum ist ein basslastiger Groover in der Tradition von „Vertigo“. Auch „Get On Your Boots“ rockt sich flott ins Ohr. Die Enttäuschung der Rock-Dinos ist also verständlich – auch wenn keine andere Band auf so hohem Niveau klagt wie sie.
U2 & Kasabian, 10.8., 19 Uhr, Stadion, Frankfurt, Mörfelder Landstraße 362, Karten bei allen bekannten Vorverkaufsstellen

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.
Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Facebook | Twitter überregional | Google+