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"Wetten, dass": Luigi traut sich was

Der Kellner Luigi Orelli will Butler an der Seite von Michelle Hunziker bei „Wetten, dass...“ werden. Eine Antwort aus Mainz hat er bisher nicht bekommen. Aber seine Einladung an Thomas Bellut und Michelle Hunziker auf einen Cappuccino in Frankfurt steht noch.

        

Luigi will den Cappuccino künftig bei „Wetten, dass...?“ servieren.
Luigi will den Cappuccino künftig bei „Wetten, dass...?“ servieren.
Foto: Alex Kraus

Wenn Luigi Orelli in naher Zukunft regelmäßig am Samstagabend bei „Wetten dass...?“ zu sehen sein wird, vielleicht nicht direkt als Nachfolger von Thomas Gottschalk, aber doch auf den Fernsehschirmen der Nation, dann wird er darauf bestehen, dass er vom Sender die besten Stiefel mit den höchsten Absätzen bekommt, die schönsten Anzüge natürlich, alles vom Feinsten. Schließlich könne sich Deutschlands wichtigste TV-Show das locker leisten. Und warum soll Luigi Orelli, der Kellner aus dem Café am Liebfrauenberg, nicht bei „Wetten, dass...?“ einsteigen? „Also – ich trau’s mir zu!“, sagt er.

Damit dies auch das Zweite Deutsche Fernsehen erfährt, hat der 64-Jährige jüngst ein Fax geschickt an Thomas Bellut, den ZDF-Programmdirektor und designierten Intendanten in Mainz. Darin steht, er wünsche sich Michelle Hunziker als neue Chefin der Sendung, jetzt, da Gottschalk weg ist, und für sich selbst sehe er auch eine passende Verwendung: „Wetten, dass ich ein idealer, super Butler an der Seite von Frau Hunziker werden könnte?“

In Frankfurt kennt man Luigi Orelli

Antwort kam noch keine, berichtet Orelli am Tisch im Café und sieht gar nicht traurig aus. Noch steht ja die Einladung an Bellut und Hunziker auf einen Cappuccino in Frankfurt, wo jeder Luigi Orelli kennt. Eine Begegnung mit dem Italiener lässt sich praktisch nicht verhindern – sei es persönlich im Café, virtuell im Offenen Fernsehkanal oder in seinem autobiografischen Buch „Das Leben ist ein Cappuccino“.

Darin erzählt er von der Kindheit als fußballspielender Lausbub in Süditalien, von den ersten Erfahrungen mit der Liebe („Margherita hatte die Hüften einer Stradivari“), weiteren Erfahrungen mit der Liebe („Im Krankenhaus lernte ich Gina kennen. Sie war wirklich eine gute Lehrerin in Vielem“), mehr Erfahrungen („Auch Jenny hatte Feuer gefangen“), mehr Liebe („Sylvie war auch noch nach dem Karneval sehr, sehr nett und wurde immer hübscher“) und noch mehr Liebe („Barbara liebte das ungestüme italienische Feuer“, „Bei Irene fühlte ich mich wohl“, „Mein Tag strukturierte sich bald nach den Bedürfnissen von Luisas großem Busen“).

Mister Frankfurt traut sich das zu

Nicht, dass Luigi Orelli nur wegen der Frauen an den Main gekommen wäre. Oh nein, damals, in den 60er Jahren gab es noch ganz andere Herausforderungen – etwa die Wahl zum „Mister Frankfurt“ in der Diskothek „Bus Stop“ gegenüber dem Kaufhof, später Domizil von Schuh-Hako auf der Zeil. Orelli gewann natürlich. Und zieht daraus immer noch einen Teil seines unerschütterlichen Selbstvertrauens. „War Thomas Gottschalk etwa Mister München? Na also! Ich war Mister Frankfurt. Ich traue mir das zu.“

„Luigi Orelli serviert Michelle Hunziker ihren Cappuccino – wetten, dass?“ So lautet die Überschrift, die er sich für den Bericht in der FR wünschen würde. Könnte ein bisschen zu lang sein. Aber mal sehen, was sich machen lässt.

Seit fast 20 Jahren bringt er den Cafégästen Frühstück und Kuchen, Kakao und Likörchen an den Tisch – und Unterhaltung. „Für mich ist jeder Tag eine Talkshow“, sagt er. „Bitteschön, dankeschön, Wiedersehen, das reicht heute nicht mehr. Die Leute wollen Ansprache. Wie viele einsame Damen kommen hierher und brauchen ein paar warme Worte. Man muss ein bisschen offen sein in dem Beruf.“ Ein Beruf, den er gern macht, so gern, dass es nie in Frage kam, etwa ein eigenes Restaurant zu eröffnen.

Im Notfall auch mit Toupet

Er sei kein Geschäftsmann, sagt Luigi Orelli, Geld habe ihn nie wirklich interessiert. „Ich gebe alles für den Verein, für den ich spiele.“ Und wenn sie ihn wollten bei „Wetten, dass...?“, sagt er, dann müsse er seine Zeit im Café beenden, er könne ja nicht gleichzeitig hier und da sein. Dann gehöre seine Energie dem neuen Verein. Sogar sein Äußeres würde er verändern. „Falls sie eine gewisse Ähnlichkeit in der Darstellung zum Gottschalk wollen“, grinst er und fährt sich durch die im Lauf der Zeit breiter gewordene Lücke zwischen den Locken, „dann hilft im Notfall ein Toupet. Ich trau’s mir zu! Und 80 Prozent der Leute sagen: Luigi, du schaffst das!“

„Ein Vulkan voller Ideen“ schrieb die italienische Zeitung Il Messaggero über den Frankfurter Kellner. Eine dieser Ideen ist die Fernsehreihe „Luigi – das Original“ im Offenen Kanal. Da besucht er Modenschauen der Haute Couture oder fragt Leute auf der Fressgass, was sie auf eine einsame Insel mitnehmen würden. „Klamodde“, sagt eine Dame spontan, „einen Vibrator“, sagt eine andere noch weitaus spontaner, „meinen Mann und meinen Ausweis“, erklärt eine dritte nach einem Moment der Besinnung. Im Hintergrund der lockeren Kurzinterviews wird auch gern einmal umstandslos ein Bauzaun gezeigt.

Kein Talkshow-Auftritt für Orelli

Eigentlich, sagt Luigi Orelli, hätte er im Sommer auch ganz klar den Wettbewerb um Frankfurts beliebteste Servicekraft gewonnen. Dass in der Endabrechnung doch vier Damen vor ihm lagen, erklärte er schlicht zum „Beschiss“ und beschwerte sich darüber auch schriftlich bei Kai Diekmann, dem Chefredakteur des veranstaltenden Boulevardblatts Bild. Überhaupt geht Orelli nicht gern zum Hänschen, sondern direkt zum Hans. Ob er nicht einmal in der Talkshow „3 nach 9“ auftreten könnte, fragte er Moderator Giovanni di Lorenzo. Von dem bekam er immerhin eine Antwort, unter Italienern: No.

Wie es wohl mit „Wetten, dass...?“ ausgeht? „Wenn Michelle Hunziker es wird, sehe ich eine Hundertstel-Chance“, sagt Luigi Orelli. Und Michelle Hunziker müsse es unbedingt werden, schließlich hätten auch in Italien die besten Frauen die besten Shows. Mit verträumtem Blick erzählt er von seinem Auftritt an Samstagabenden der Zukunft: „Ich komme die Showtreppe herunter mit einem Lied...“ Wenn es aber doch nicht klappt? Unwahrscheinlich, drückt das welterfahrene Gesicht des 64-Jährigen aus. Dann würde er eben weitermachen im Café am Liebfrauenberg. Das sei schließlich seine Welt: „Auch hier bin ich im Theater.“

Autor:  Thomas Stillbauer
Datum:  6 | 2 | 2012
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