Zwischen Vergangenheit und Zukunft liegt die Gegenwart, und die hat in Frankfurt seit 20 Jahren einen festen Ort: das Museum für Moderne Kommunikation. 20 Jahre wird das architektonische Tortenstück zwischen Dom- und Berliner Straße im Juni alt, und zum Jubiläum darf Museumsdirektorin Susanne Gaensheimer endlich einmal in großer Werkschau einen Großteil der 4500 Arbeiten umfassenden Sammlung zeigen.
Nicht nur im angestammten Hollein-Bau, sondern an einem Ort, der gleichfalls unwirklich zwischen Vergangenheit und Zukunft hängt: im alten Degussa-Komplex am Untermainkai, der im Herbst abgerissen werden soll. Der Frankfurter Immobilieninvestor Deutsche Immobilien Chancen (DIC) stellt das geräumte 50er-Jahre-Gebäude als Ausstellungsfläche bereit, die das MMK auf 4000 Quadratmetern in zwei fünf- und siebengeschossigen Gebäudeflügeln vier Monate lang bespielen wird.
MMK 1991-2011. 20 Jahre Gegenwart, die erste große Überblicksausstellung der Sammlung des Museums für Moderne Kunst Frankfurt läuft von 19. Juni bis 9. Oktober im Stammhaus, Domstraße 10, Tel. 21230447, im MMK Zollamt schräg gegenüber und im ehemaligen Degussa-Gebäude, heute MainTor-Areal, Untermainkai 3.
Im Jubiläumsjahr sind ferner Einzelausstellungen von Douglas Gordon, 19. November bis 25. März 2012, im MMK, sowie eine Schau über Tobias Zielony, 12. November bis 15. Januar 2012, im MMK Zollamt zu sehen.
Spenden für Jubiläumskäufe von Werken des Fotografen Wolfgang Tillmans und der Bildhauerin Isa Genzken sammelt das MMK via Internet und SMS. Geplant sind unter anderem eine Gala und ein Volksfest. www.mmk-frankfurt.de (ana)
Vier Monate lang Gegenwart
„Das wird sensationell.“ Susanne Gaensheimer sitzt neben OB Petra Roth , dem DIC -Vorstandsvorsitzenden Ulrich Höller und Werner Netzel vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband, der die ganze Unternehmung sponsert, im leeren Bürogebäude und lässt schon mal die Zukunft auferstehen, die vier Monate lang Gegenwart zeigen soll. Die abgehängten Decken des Ensembles sind schon rausgerissen, bald wird der blaubraunen Schlingmaschen-Teppichboden verschwinden, Wände zwischen den Einzelbüros fallen, Heizungen, Elektroleisten und Fenster zugebaut und die langen Zimmerfluchten pro Etage teils in weitläufige Ausstellungshallen verwandeln.
Nicht nur. Gaensheimer schwärmt von „White Cubes“, die für einzelne Werke entstehen, für Kabinette, schwärmt von neuen Blickachsen, die unter fachlicher Beratung des Architekten Christoph Mäckler entstehen werden. Und endlich, endlich wird es Platz auch für große Arbeiten geben, die teils für das Museum entstanden sind und teils noch niemals gezeigt wurden: einen Raum von Michel Majerus zum Beispiel oder Werke von Ceal Floyer und Holger Bunk. Auch Tobias Rehberger wird seine berühmte Kantine, die die ehemalige Dresdner Bank nach ihrer Übernahme dem MMK als Dauerleihgabe überließ, in der Ausstellungshalle auf Zeit aufbauen und gleich noch die von Gras überwucherte, verwaiste Terrasse mit Blick auf den Main dazugestalten, sagt Gaensheimer. „Und das Ganze wird als Gastronomie betrieben.“
Ein unbekanntes Land
Mehr als 100 Künstler, werden sie und ihr Team im alten Bürokomplex versammeln und damit nicht nur unbekannte Arbeiten, sondern auch Räume und Flächen öffnen, die für die Frankfurter 50 Jahre lang Terra incognita waren: „Das ganze Areal war dicht.“ Für den DIC-Vorstandsvorsitzenden Ulrich Höller ist die Überblicksausstellung „20 Jahre Gegenwart“ denn auch das ideale Symbol für die Zukunft des Geländes, das mit Wegen, Plätzen, Gastronomie, Wohnhäusern und dem 100 Meter hohen Büroturm WinX wieder öffentlicher Raum werden soll. Auch den wird Mäckler als Architekt maßgeblich gestalten.
Aber erst einmal gehört die Zukunft der Gegenwart. Genauer, der Kunst, die sie hervorbringt, und die Frankfurter gar nicht wissen, welche weltbedeutenden Schätze Frankfurter Unternehmen, Privatleute und Stadt im MMK versammelt haben, wie Gaensheimer sagt. „Darauf können die Frankfurter stolz sein. Mehr, als sie es bisher sind.“

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