Der Dialog spielt sich in den frühen Morgenstunden ab. „Stehenbleiben!“, ruft ein Polizist einer Gruppe junger Demonstranten in der Enkheimer Volkshausstraße zu, die versucht, den plötzlich aufgetauchten Beamten auszuweichen. „Warum?“, möchte ein junger Mann wissen. „Weil ich es sage!“, ist die einzige Antwort, die er bekommt.
Ähnliche Situationen werden sich an diesem Samstag in Enkheim dutzendfach zutragen. Rund um das Volkshaus sammeln sich etwa 400 Demonstranten. Antifa-Aktivisten, Linke und Vertreter der bürgerlichen Parteien. Sie alle demonstrieren, um einen anderen Aufmarsch zu verhindern. Den von 55 Neonazis. Diese haben hinter einer Absperrung Platz gefunden.
Darunter sind einige bekannte Gesichter: Maximilian Reich und Eike Grunewald etwa, die als Anhänger der „Nationalen Sozialisten Rhein-Main“ im Stadtteil Bergen-Enkheim aktiv sind. In einem Gatter warten die Neonazis darauf, dass ihr Umzug unter dem Motto „Freiräume schaffen“ starten kann.
Betont martialisch
Ein Redner beschwört mit schwülstigen Worten „das Volk der Dichter und Denker“ und prognostiziert den „Volkstod“ durch Multikulturalismus und Überfremdung. Ihm lauscht eine Gruppe meist junger, meist männlicher Demonstrationsteilnehmer, die sich betont martialisch schwarz gekleidet aufstellen und sich ab und an verbal mit den Gegendemonstranten anlegen.
„Ich hätte mir gewünscht, dass mehr Bergen-Enkheimer vor Ort sind“, bedauert der ehemalige grüne Ortsvorsteher und Initiator einer Mahnwache, Helmut Ulshöfer. Bis auf kleinere „Scharmützel“, wie es ein Polizeisprecher nennt, und abgefackelten Sperrmüll bleibt es vorerst friedlich.
Die Nazidemo führt mitten durch den Enkheimer Ortskern. G., ein Auszubildender des Landkreises Offenbach, der nach Bekanntwerden seiner Aktivitäten freigestellt worden ist, hat die Wortführerschaft übernommen.
Symbol eines kranken Systems
Was dem schmächtigen G. an Körpermasse fehlt, versucht er mit Stimme und der Hilfe der Mikrofonanlage zu kompensieren. „Nationaler Sozialismus – jetzt!“, brüllt er, wenn er nicht gerade Passanten beleidigt, oder in einer Dönerbude „das Symbol eines kranken Systems“ erkennt.
Etwa eine Stunde dauert der Aufzug, bei dem es den Rechten vor allem darum geht, sich selbst als Opfer von Staat, Antifa und Medien zu stilisieren. Anschließend werden sie von der Polizei in Richtung Ostbahnhof gebracht. Dort versuchen Linke, die Abreise zu verhindern, es kommt zu Festnahmen.
„Ohne Polizeieinsatz keine Nazidemo ist das Fazit“, sagt Katinka Poensgens von der Anti-Nazi-Koordination. Die Polizei indes betont, dass die Veranstaltungen „weitestgehend ohne Störungen“ verlaufen seien. Derweil freuen sich die Neonazis im Internet über eine „gute Demo“.

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