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"Günstige" Gelegenheit: 75 mal um die Erde

Die Verkehrsgesellschaft verkauft 150 U-Bahnwagen des Typs Ptb und U2 (aus den 60er und 70er Jahren - Achtung, echt Retro!) – auch an Privatkunden. Kostet allerdings ein bisschen was. Und einen Ort zum Aufstellen braucht es ja auch noch.

Eines Tages könnte die Endhaltestelle auf der anderen Seite Ginnheim heißen ...
Eines Tages könnte die Endhaltestelle auf der anderen Seite "Ginnheim" heißen ...
Foto: FR/Oeser

Der Wagen ist scheckheftgepflegt, aus erster Hand. Am Steuer saßen ausschließlich professionelle Fahrer. Und die Modelle „laufen wie ein Bienchen“. Kurzum: was solides. Wer in diesen Tagen einen zuverlässigen Gebrauchtwagen für die Schiene sucht, der sollte sich sputen: Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) will U-Bahnwagen an Mann und Frau bringen. Im Angebot sind Wagen des Typs U2 und Ptb, die Teil der Frankfurter U-Bahn-Geschichte seit Ende der 60er Jahre sind.


Die VGF verkauft immer mal wieder ältere Wagen und mit ihnen Modelle, die der neue Besitzer als Ersatzteillager für die Gebrauchten nutzen kann. Anfang vergangenen Jahres veräußerte die VGF 17 ausrangierte U-Bahnen des Typs Pt an die türkische Stadt Gaziantep. Neben den 15 fahrbereiten Fahrzeugen lieferte der Verkehrsdienstleister zwei Unfallwagen und Ersatzteile. Die Wagen kamen auf Tieflader und wurden nächtens zum Osthafen gefahren, wo sie auf Waggons umgesetzt wurden.


Legendäre Klapptrittstufe


Nun bietet die VGF 150 Wagen an, die vom Hersteller Düwag in den 60er und 70er Jahren produziert wurden. Das Modell Ptb – die legendäre Variante mit der Klapptrittstufe, 62 Sitz- und 108 Stehplätzen – hat die Stadt zwischen 1973 und 1978 angeschafft. Von diesem Typ verkauft die VGF acht Wagen sofort, weitere 57 in den nächsten Monaten. Vom Modell U2 – 64 Sitz- und 162 Stehplätze – sollen nach Angaben des Frankfurter Verkehrsdienstleisters 95 Wagen über einen längeren Zeitraum verkauft werden. 20 Wagen sind aktuell im Angebot.


Wie die Ptb-Wagen kommt auch das U2-Modell aus dem Hause Düwag. Mit den U2-Modellen, die in mehreren Serien zwischen 1968 und 1984 beschafft wurden, nahm die Stadt einst den U-Bahnbetrieb in Frankfurt auf der Strecke Richtung Nordweststadt auf. Also: Wagen von historischem Wert.


Laut VGF sind U2-Modelle auf allen Linien im Stadtgebiet unterwegs. Bis spätestens 2015 werden sie aber durch die modernen, hellen und klimatisierten U5-Modelle ersetzt. 48 Wagen dieses neuesten Typs werden bislang auf den Strecken von U1, 2 und 3 eingesetzt. 146 Stück hat die Stadt bei Bombardier Transportation bestellt, die einzelnen Fahrzeuge werden gestaffelt ausgeliefert. Im gleichen Zuge gehen die U2-Modelle in den Verkauf.


Zwischen zwei und drei Millionen Kilometer hat ein Wagen derModellreihen Ptb und U2 im Schnitt in der Stadt zurückgelegt. Bei drei Millionen Kilometer auf dem Tacho hätte ein Wagen in seiner Betriebszeit die Erde rund 75 mal umrundet. Die Wagen haben dennoch ihren Preis: Bis zu 80000 Euro muss der Privatkunde für einen Wagen hinblättern. Günstiger wird es für denjenigen, der alle 150 Wagen zusammen kauft.

Autor:  Jürgen Schultheis
Datum:  9 | 9 | 2010
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