Wie stets, wenn der Besucher durch die Eingangstür tritt, sind seine Augen erst einmal überfordert. Gemälde und Grafiken bedecken die Wände, von Büchern überquellende Regale fangen den Blick ein. Und Michael Hocks, der leidenschaftliche Sammler, kann es gar nicht erwarten, stolz seine jüngsten Fundstücke vorzuführen. Reisebilder und Porträts aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert haben es ihm angetan, mit prachtvollen Rahmen. Eine tiefblaue, von Sonne durchflutete Mittelmeerlandschaft breitet sich über dem Lehnsofa aus, ein Panorama „in der Nähe von Nizza“, ein Landstrich, den der 68-jährige sehr liebt. Und dort, diese Bleistiftzeichnung aus dem 19. Jahrhundert von Josephine, der Gattin des Kaisers Napoleon. „Ist das nicht wunderbar?“
Nein, von Abschied will der gebürtige Österreicher überhaupt nicht reden. „Ich fühle noch gar keine Wehmut“, sagt er entschieden und prophezeit: „Ich bin viel zu aktiv, ich werde bis zur letzten Sekunde arbeiten.“ Aber am 12. Februar schon wartet die Farewell-Gala und am 29. geht der Intendant der Alten Oper endgültig in Ruhestand nach mehr als 14 Jahren. Der Sohn einer russischen Mutter hat in dieser Zeit das Konzerthaus in die Weltspitze geführt, er ist als „Retter“ der Institution gefeiert worden – zu Recht. Als der studierte Jurist kam, fand er eine wirtschaftlich angeschlagene Einrichtung vor. 1998 gingen noch umgerechnet 75.000 Euro an Spenden und Sponsoren-Einnahmen ein. „Das war eine sehr schwierige Zeit.“ Für 2012 werden rund 1,6 Millionen Euro erwartet.
Er hat exzellente Kontakte
Hocks, wie stets im eleganten dunkelblauen Zweireiher, entschwindet in die Küche, gießt Tee ein. Als Junge, mit elf Jahren, hatte der Sohn eines Chefarztes zum ersten Mal am Klavier gesessen, ein Jahr später schon nahm ihn der berühmte Pianist Wilhelm Kempff in Augenschein. Doch es kam anders. Hocks schlug keine Karriere als Musiker ein – seine Sache wurde die Musikvermittlung. Bis heute profitiert er von den exzellenten Kontakten, die er in den 70er und 80er Jahren als Mitarbeiter, dann Mitinhaber einer Konzertagentur zu internationalen Künstlern geknüpft hat.
Der Intendant hat dafür gekämpft, „gerade junge Leute wieder an die klassische Musik heranzuführen“. Er beklagt „eine gewisse Oberflächlichkeit“ bei Jugendlichen, vermisst „humanistische Bildung als Basis“. Im Jahr 2000 begann er, Programme für Kinder und Konzerte für Schüler in der Alten Oper anzubieten. „Ich will Werte vermitteln über die Musik.“
Parallel förderte er junge Musiker – etwa die Violinistin Julia Fischer, die jetzt zum Abschied spielt – er baute die Jazz-Nächte aus und gab der zeitgenössischen Musik, etwa vom Ensemble Modern, Raum. Von seinen unzähligen Begegnungen mit Künstlern von Alfred Brendel bis Sonny Rollins will er in einem Gesprächs-Buch erzählen. Doch erst einmal zieht es ihn in die Einsamkeit. Nach der Trennung von seiner Ehefrau vor einiger Zeit („Geschieden ist geschieden!“) hat er „nicht vor, noch mal zu heiraten“.
Als Refugium für sich, seine Bücher und Bilder hat der Intendant in Hallgarten im Rheingau ein romantisches Haus aus dem 18. Jahrhundert gemietet: „Ich will meine absolute Ruhe.“
Da er „Fliegen hasst wie die Pest“ wird er per Bahn zu seinen Traum-Zielen gelangen, – nach Frankreich oder Italien. Schon als Intendant der Jahrhunderthalle 1986 bis 1997 liebte es Hocks, im Freundeskreis gut zu essen – mittags, denn „ich hasse Abendessen, die sind nicht gesund“. Nicht ausschweifend, keine Gelage, sondern einfache Küche: „Ein Rührei kann etwas Köstliches sein.“

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