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Alte Oper in Frankfurt: Kampf um jeden Baum

Frankfurter Bürger wollen eine Fällaktion an der Alten Oper stoppen. 23 Bäume sollen dort weichen, damit ein Luxushotel mit Tiefgarage gebaut werden kann.

Gisela Becker lehnt an einem Baum, den sie retten möchte. Im Hintergrund die Alte Oper und das Abbruchgrundstück, wo das Hotel hin soll.
Gisela Becker lehnt an einem Baum, den sie retten möchte. Im Hintergrund die Alte Oper und das Abbruchgrundstück, wo das Hotel hin soll.
Foto: Andreas Arnold

Ein Dutzend dick vermummte Spaziergänger trotzt dem eisigen Wind, der durch die Liesel- Christ-Anlage fegt. Unverdrossen stapfen die zwölf voran, an der großen Baugrube hinter der Alten Oper entlang, in der ein Bagger lärmt. Gisela Becker deutet auf das Grün neben der Grube: „Um die geht es.“ 23 Bäume, sehr alte darunter, sollen fallen, damit ein Luxus-Hotel der Kategorie Fünf-Sterne-Plus gebaut werden kann. Die frühere Stadtverordnete der Linken ist empört: „Dieser Hotelbau ist völlig unsinnig. Es stehen schon genug Hotels in Frankfurt leer.“ Beifall von den Mitgliedern der Bürgerinitiative, die für den Erhalt des Grüns kämpft.

Doch kein Politiker scheint die Bäume mehr retten zu wollen. Am morgigen Donnerstag soll das Stadtparlament die Fällaktion beschließen, bestätigt Wendelin Friedel, Referent von Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Grüne). „Wir bedauern das ganz außerordentlich“, versichert Friedel. Seine Erklärung: Das Wurzelwerk der Bäume reicht auf das Nachbargrundstück und kommt der Tiefgarage des geplanten Luxushotels in die Quere. Das aber sei auf den Entwürfen, die in der Vorlage von Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) gezeigt wurden, nicht zu sehen gewesen: „Die Tiefgarage wurde so nicht eingereicht auf den Plänen.“

Wurzeln wachsen auf Nachbargrundstück hinüber

Wenig später vehementer Widerspruch aus dem Planungsdezernat. „Jeder konnte die äußeren Abmessungen der Tiefgarage erkennen, der in der Lage ist, einen Plan zu lesen,“ bekräftigt Rainer Kling, der stellvertretende Leiter der Bauaufsichtsbehörde. Er bestätigt weiter: Schon das Bürgerliche Gesetzbuch gebe einem Bauherrn den „zivilrechtlichen Anspruch“, Wurzeln von Bäumen zu kappen, die von einem Nachbargrundstück unterirdisch herüberwachsen.

Auch Alfred Gangel, Leiter des Liegenschaftsamtes, versichert: „Wir haben das städtische Grundstück, das wir den Bauherren zur Verfügung stellen, nicht vergrößert.“ Die Parzellen Opernplatz 14 und an der Hochstraße, wo Bürohäuser und ein Umspannwerk abgebrochen wurden, sind 5114 Quadratmeter groß. „Die 23 Bäume kommen unter die Räder, weil sie zu dicht an der Baugrube stehen“, heißt sein Fazit.

Die Protestierenden in der Kälte wollen das partout nicht einsehen. „Es gibt in Frankfurt immer mehr Einschränkung des öffentlichen Raums und des Grüns in der Innenstadt“, klagt Margot Neubauer, die aus dem Nordend gekommen ist. Sie wundert sich darüber, „dass die Grünen das absegnen“. Bernd Schneider aus dem angrenzenden Westend erzählt: „Es werden immer wieder Bäume gefällt, ohne dass sie ersetzt werden.“ Seine Ehefrau Angelika ergänzt: „Wir lieben diese öffentliche Anlage hier so, wie sie ist.“

Nur zwei der alten Platanen sind ersetzt worden

Der Kampf um das Grün hinter der Alten Oper dauert nun schon sechs Jahre. Zunächst musste Ersatz für das Umspannwerk der Mainova geschaffen werden, das auf dem künftigen Hotel-Baugrundstück stand. Die Mainova errichtete im Grünen an der Hochstraße ein neues, unterirdisches Umspannwerk. Dafür wurden 18 Bäume, darunter an der Straße zehn bis zu 50 Jahre alte Platanen, gefällt. Dagegen hatten die damalige Umweltdezernentin Jutta Ebeling (Grüne) und sogar OB Petra Roth (CDU) protestiert.

Vergeblich. Ebelings Referentin war seinerzeit die heutige OB-Kandidatin der Grünen, Rosemarie Heilig. Sie erklärte am 17. März 2006 in der Frankfurter Rundschau: „Die Entscheidung des Magistrats war, dass die Platanen erhalten bleiben und nicht gefällt werden.“ Doch es half nichts.

Später versprach die Stadt dann, die zehn alten Platanen der Allee würden durch neue Bäume ersetzt. Der Ortstermin am Dienstag zeigt: Es sind überhaupt nur zwei gepflanzt worden. Mehr noch: Gisela Becker zeigt, dass am Südrand des Weihers in der Liesel-Christ-Anlage, Teil der Bockenheimer Anlage, kürzlich noch zwei alte Bäume gefällt wurden – die haben mit der Baustelle gar nichts zu tun. Nur noch die Stümpfe sind im Boden zu sehen. „Warum mussten die weg?“

Bei einem Ortstermin am Donnerstagmorgen, 9 Uhr, mit dem Grünflächenamt wollen die Bürger einen letzten Versuch unternehmen, die 23 Bäume zu retten.

Am Donnerstagabend steht der Beschluss zu fällen im Stadtparlament an. „Wir müssen die Bäume bis 1. März beseitigen, weil dann die Brutzeit der Vögel beginnt und das Fällen bis zum Herbst verboten ist“, sagt Referent Friedel im Umweltdezernat. Bis 2011 reichte die Frist noch bis zum 15. März: „Aber durch den Klimawandel beginnen die Vögel immer früher mit der Brut.“

Die Stadt will aus dem Kampf um die Bäume hinter der Alten Oper lernen: Künftig sollen in städtischen Bau-Vorlagen auch die Auswirkungen auf die Nachbargrundstücke dargestellt werden.

Autor:  Claus-Jürgen Göpfert
Datum:  1 | 2 | 2012
Kommentare:  11
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