kalaydo.de Anzeigen

Frankfurt
Berichte und Bilder von allen wichtigen Ereignissen in Frankfurt

31. März 2012

Anti-Kapitalismus-Demonstration : Polizist bei Krawallen schwer verletzt

 Von Moritz Zimmermann
Vermummte Demonstranten werfen in der Frankfurter Innenstadt Steine auf die Polizei. Foto: REUTERS

Ein Polizist ist bei der Demonstration gegen den Kapitalismus in der Frankfurter Innenstadt von Randalierern mit Steinen beworfen und dabei schwer verletzt worden. Tausende Menschen haben sich an dem Protestmarsch beteiligt. Die Polizei kesselte die Demonstranten vorübergehend ein.

Drucken per Mail

Tausende Menschen haben am Samstag in Frankfurt in der Innenstadt gegen den Kapitalismus und die Krisenpolitik der EU demonstriert. Dabei ist es zu Ausschreitungen gekommen, bei denen ein Polizist nach Angaben eines Polizei-Sprechers durch Steinwürfe so schwer verletzt worden ist, dass er auf die Intensivstation eines Krankenhauses gebracht werden musste. Mehrere Demonstranten und ein Passant wurden leicht verletzt. Mehrere Menschen wurden festgenommen. Gegen Abend lösten die Veranstalter die Demonstration auf. Danach zogen Gruppen von Demonstranten noch am Main entlang in Richtung Hauptwache oder Hauptbahnhof.

Zuvor hatte die Polizei die Demonstranten am Allerheiligen Tor eingekesselt, so dass sie nicht zur Baustelle der Europäischen Zentralbank im Ostend gelangen konnten. Einzelne Protest-Gruppen wollten diese besetzen. Vor Beginn der Polizei-Aktion hatten die Veranstalter die Demonstranten aufgerufen, umzukehren und am Main entlang zurück zur Konstablerwache zu gehen. Die Veranstalter baten die Polizei über Lautsprecherdurchsagen, die Demonstranten ziehen zu lassen. Diese öffnete wenig später den Kessel.

Die Demonstration begann friedlich um 15.15 Uhr am Frankfurter Hauptbahnhof. Jutta Ditfurth, Stadtverordnete der ÖkoLinX, sprach zunächst zu den Demonstranten. Danach zog der Protestmarsch weiter zur Europäischen Zentralbank (EZB). Diese war zuvor von einem Großaufgebot der Polizei abgeriegelt worden. Doch es gelang den Demonstranten dennoch, Farbbeutel auf das Gebäude zu werfen. Farbbeutel flogen auch gegen die Fassade des Luxushotels „Frankfurter Hof“.

Polizisten führen einen festgenommenen Demonstranten ab.
Polizisten führen einen festgenommenen Demonstranten ab.
Foto: Michael Schick

Gegen 15.45 Uhr begannen einige Demonstranten in der Bethmannstraße Richtung Berliner Straße Randale zu machen. Vermummte rissen Steine aus dem Pflaster, brachen Abfalleimer aus der Verankerung und warfen sie in Richtung Polizei. Auch Behältnisse voll übelriechenden Inhalts, vermutlich Gülle oder Fäkalien, flogen Richtung Polizei. Ein Passant wurde nach Polizeiangaben durch einen Steinwurf verletzt. Auch Schaufensterscheiben, beispielsweise eines Brautmodengeschäfts, gingen zu Bruch, Autos wurden beschädigt. Als die Demonstranten gegen 16.20 Uhr an der Wache der Stadtpolizei vorbeikamen, schlugen einige von ihnen die Scheiben des Gebäudes ein. Es flogen immer wieder Feuerwerkskörper

Die Polizei ebenso wie die Veranstalter der Demonstration waren um Deeskalation bemüht. Die Polizei ging aber vereinzelt mit Schlagstöcken gegen die vermummten Demonstranten vor. Zwischenzeitlich isolierte die Polizei die Vermummten aus dem schwarzen Block und kontrollierte sie. Die Arbeit der Polizisten wurde mit Pfeifkonzerten und lautem Trommeln begleitet.

Die Veranstalter der Demonstration riefen die Teilnehmer dazu auf, den Demonstrationszug zusammenzuhalten. Dieser wurde durch die gewalttätigen Aktionen einzelner Demonstranten vorübergehend auseinandergerissen. Als die Polizeikontrollen hinter dem Börneplatz begannen, riefen die Veranstalter die Demonstranten auf, ruhig weiterzugehen. Doch die Demonstranten, die dem schwarzen Block folgten, blieben hinter diesem stehen, so dass der Zug erneut in zwei Teile zerbrach.

Die Polizei begründete über Lautsprecher, warum sie den Block der Vermummten, eine Gruppe von etwa 30 bis 50 Menschen, isolierte. Diese hätten Gewalttaten begangen. Gleichzeitig rief sie die friedlichen Demonstranten dazu auf, ruhig weiterzugehen. Ein Teil folgte dieser Anweisung aber nicht und blieb stehen und forderte die Beamten mit Rufen wie "Lasst sie frei" auf, die Mitglieder des schwarzen Blocks freizulassen.

Die Polizei sperrte die Straßen um die Allerheiligenstraße ab. Dort standen viele Transportfahrzeuge, darunter ein Bus, mit dem Verhaftete abtransportiert wurden.

Ziel des Demonstrationszuges war die Baustelle der Europäischen Zentralbank an der Sonnemannstraße. Einzelne Gruppen hatten vor Beginn der Demonstration zur Besetzung der Baustelle für den neuen Sitz der EZB aufgerufen. Die Polizei wollte das verhindern.

Nach Angaben der Veranstalter nahmen 5000 Menschen an der Demonstration gegen den Kapitalismus teil, die Polizei sprach von 3000 Teilnehmern. Aufgerufen zu der Demonstration hatten rund 200 linke Gruppen, die im Bündnis „M31“ (31. März) zusammengeschlossen sind.

In ihrer Rede zu Beginn der Demonstration kommentierte Jutta Ditfurth die Internationalität des Protests mit den Worten: "Die emanzipatorische Linke organisiert sich über die Sprachgrenzen hinweg. Das kann uns keiner mehr nehmen." Unter dem Label "M31" gingen nicht nur Menschen in Frankfurt, sondern auch in mehr als 40 europäischen Städten auf die Straße, um, wie die Veranstalter sagen, gegen das „falsche System Kapitalismus“ zu protestieren.

In den Tagen vor der Demonstration schickte Jutta Ditfurth Collagen an die Medien, auf denen die neuen Türme der EZB von Tausenden Demonstranten umringt werden. Dazu passte der Aufruf einzelner Gruppen, den Bauplatz zu besetzen. (mit dapd)

Jetzt kommentieren

Übersicht

Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie dazu bitte auf das orange Symbol.

Übersichtsseite Frankfurt/Rhein-Main

Frankfurt

Rhein-Main

Bad Homburg, Hochtaunus

Bad Vilbel, Wetterau

Darmstadt

Kreis Groß Gerau

Hanau, Main-Kinzig

Main-Taunus

Mainz

Offenbach

Kreis Offenbach

Wiesbaden

Online-Kataloge
In eigener Sache

Die Zukunft der Frankfurter Rundschau ist gesichert. Die Eigentümer betonen, es gibt keinen Einfluss auf das gewachsene politische Profil. Chefredakteur Festerling blickt nach vorne: "Wir haben einiges vor."

Anzeige
Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Unglaubliche Geschichten aus dem Frankfurter Alltag - notiert von Frau Rauscher.

Felix Helbig ist tot

Mit nur 32 Jahren starb unser Freund und Kollege Felix Helbig am 13. Februar 2013. Auf dieser Seite erinnern wir uns an ihn und veröffentlichen nochmal seine schönsten und bedeutendsten Texte.

Spezial

Ein Schwarzer gerät in der U-Bahn in Konflikt mit Fahrkarten-Kontrolleuren und der Polizei Frankfurt. Am Ende liegt er im Krankenhaus. Die Polizei sieht sich Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt. Das Spezial.


Spezial: Vorwürfe gegen Polizei Frankfurt
Zur Sache

Derege Wevelsiep steigt Mitte Oktober mit gültigem Fahrausweis in eine Frankfurter U-Bahn - und wird nach einem Wortgefecht mit Kontrolleuren von herbeigerufenen Polizisten verprügelt.

Wegen seiner Verletzungen muss er drei Tage im Krankenhaus bleiben.

Die Frankfurter Polizei ermittelt intern gegen vier Beamte des 6. Reviers, die der äthiopischstämmige Diplom-Ingenieur beschuldigt, ihn geschlagen zu haben. Sein Anwalt wirft den Beamten Hausfriedensbruch, Beleidigung und Körperverletzung vor.

Im Internet bricht ein Sturm der Entrüstung los, über soziale Netzwerke wird eine Solidaritäts-Demo organisiert.

Auch der Landtag befasst sich mit dem Fall.

Spezials
Social Media
In Twitter informieren wir als FRlokal über Frankfurt und Rhein-Main. Folgen Sie uns!
Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial: Der Flughafen wächst weiter
Mountainbike-Touren im Video
Spezial

Frankfurt unter Peter Feldmann - ein Oberbürgermeister sucht seinen eigenen Stil. Das Spezial.


Spezial: Peter Feldmanns Politik
Instrument lernen in Frankfurt
Trompete steht bei kindern hoch im Kurs.

Musik ist etwas Wunderbares - besonders wenn man selbst ein Instrument erlernt. Doch welche Schule in Frankfurt ist für wen die richtige?

Altenhilfe der FR

Spendenkonten, Bankverbindung, Online-spenden und Informationen zu Spendenquittungen.