Tausende Menschen haben am Samstag in Frankfurt in der Innenstadt gegen den Kapitalismus und die Krisenpolitik der EU demonstriert. Dabei ist es zu Ausschreitungen gekommen, bei denen ein Polizist nach Angaben eines Polizei-Sprechers durch Steinwürfe so schwer verletzt worden ist, dass er auf die Intensivstation eines Krankenhauses gebracht werden musste. Mehrere Demonstranten und ein Passant wurden leicht verletzt. Mehrere Menschen wurden festgenommen. Gegen Abend lösten die Veranstalter die Demonstration auf. Danach zogen Gruppen von Demonstranten noch am Main entlang in Richtung Hauptwache oder Hauptbahnhof.
Zuvor hatte die Polizei die Demonstranten am Allerheiligen Tor eingekesselt, so dass sie nicht zur Baustelle der Europäischen Zentralbank im Ostend gelangen konnten. Einzelne Protest-Gruppen wollten diese besetzen. Vor Beginn der Polizei-Aktion hatten die Veranstalter die Demonstranten aufgerufen, umzukehren und am Main entlang zurück zur Konstablerwache zu gehen. Die Veranstalter baten die Polizei über Lautsprecherdurchsagen, die Demonstranten ziehen zu lassen. Diese öffnete wenig später den Kessel.
Tausende Menschen demonstrieren am Samstag, 31 März 2012, in der Frankfurter Innenstadt gegen den Kapitalismus und die Krisenpolitik der EU.
Foto: dapdDie Demonstration begann friedlich um 15.15 Uhr am Frankfurter Hauptbahnhof. Jutta Ditfurth, Stadtverordnete der ÖkoLinX, sprach zunächst zu den Demonstranten. Danach zog der Protestmarsch weiter zur Europäischen Zentralbank (EZB). Diese war zuvor von einem Großaufgebot der Polizei abgeriegelt worden. Doch es gelang den Demonstranten dennoch, Farbbeutel auf das Gebäude zu werfen. Farbbeutel flogen auch gegen die Fassade des Luxushotels „Frankfurter Hof“.
Gegen 15.45 Uhr begannen einige Demonstranten in der Bethmannstraße Richtung Berliner Straße Randale zu machen. Vermummte rissen Steine aus dem Pflaster, brachen Abfalleimer aus der Verankerung und warfen sie in Richtung Polizei. Auch Behältnisse voll übelriechenden Inhalts, vermutlich Gülle oder Fäkalien, flogen Richtung Polizei. Ein Passant wurde nach Polizeiangaben durch einen Steinwurf verletzt. Auch Schaufensterscheiben, beispielsweise eines Brautmodengeschäfts, gingen zu Bruch, Autos wurden beschädigt. Als die Demonstranten gegen 16.20 Uhr an der Wache der Stadtpolizei vorbeikamen, schlugen einige von ihnen die Scheiben des Gebäudes ein. Es flogen immer wieder Feuerwerkskörper
Die Polizei ebenso wie die Veranstalter der Demonstration waren um Deeskalation bemüht. Die Polizei ging aber vereinzelt mit Schlagstöcken gegen die vermummten Demonstranten vor. Zwischenzeitlich isolierte die Polizei die Vermummten aus dem schwarzen Block und kontrollierte sie. Die Arbeit der Polizisten wurde mit Pfeifkonzerten und lautem Trommeln begleitet.
300 Anhänger der Occupy-Bewegung protestierten am Wochenende (14. Januar 2012) gegen die Macht der Banken. Die Demonstranten zogen durch die Frankfurter Innenstadt bis zum Protestcamp vor der EZB. Auch in anderen deutschen Großstädten wurde protestiert.
Foto: Stephan MorgensternDie Veranstalter der Demonstration riefen die Teilnehmer dazu auf, den Demonstrationszug zusammenzuhalten. Dieser wurde durch die gewalttätigen Aktionen einzelner Demonstranten vorübergehend auseinandergerissen. Als die Polizeikontrollen hinter dem Börneplatz begannen, riefen die Veranstalter die Demonstranten auf, ruhig weiterzugehen. Doch die Demonstranten, die dem schwarzen Block folgten, blieben hinter diesem stehen, so dass der Zug erneut in zwei Teile zerbrach.
Die Polizei begründete über Lautsprecher, warum sie den Block der Vermummten, eine Gruppe von etwa 30 bis 50 Menschen, isolierte. Diese hätten Gewalttaten begangen. Gleichzeitig rief sie die friedlichen Demonstranten dazu auf, ruhig weiterzugehen. Ein Teil folgte dieser Anweisung aber nicht und blieb stehen und forderte die Beamten mit Rufen wie "Lasst sie frei" auf, die Mitglieder des schwarzen Blocks freizulassen.
Die Polizei sperrte die Straßen um die Allerheiligenstraße ab. Dort standen viele Transportfahrzeuge, darunter ein Bus, mit dem Verhaftete abtransportiert wurden.
Ziel des Demonstrationszuges war die Baustelle der Europäischen Zentralbank an der Sonnemannstraße. Einzelne Gruppen hatten vor Beginn der Demonstration zur Besetzung der Baustelle für den neuen Sitz der EZB aufgerufen. Die Polizei wollte das verhindern.
Thomas, 51, steht am Infostand. Sieben Jahre lang hat er am Telefon so ziemlich alles verkauft, "es musste nur teuer sein und gut". Thomas kennt sich mit chinesischen Teppichen aus, mit Vasen aus der Ming-Dynastie und damit, wie man Leute dazu bringt, etwas zu kaufen, was sie nicht brauchen. Bis er 2001 beschloss, dass es wichtigeres gibt als Geld. Jetzt hält führt er Schulklassen über das Gelände, oder er hält Vorträge über Die Verkaufsmethoden der Kapitalanlagebetrüger.
Foto: Jonas NonnenmannNach Angaben der Veranstalter nahmen 5000 Menschen an der Demonstration gegen den Kapitalismus teil, die Polizei sprach von 3000 Teilnehmern. Aufgerufen zu der Demonstration hatten rund 200 linke Gruppen, die im Bündnis „M31“ (31. März) zusammengeschlossen sind.
In ihrer Rede zu Beginn der Demonstration kommentierte Jutta Ditfurth die Internationalität des Protests mit den Worten: "Die emanzipatorische Linke organisiert sich über die Sprachgrenzen hinweg. Das kann uns keiner mehr nehmen." Unter dem Label "M31" gingen nicht nur Menschen in Frankfurt, sondern auch in mehr als 40 europäischen Städten auf die Straße, um, wie die Veranstalter sagen, gegen das „falsche System Kapitalismus“ zu protestieren.
Unablässig wachsen die Doppeltürme der Europäischen Zentralbank in die Höhe. Schon jetzt prägen sie den Blick von Osten auf die Frankfurter Skyline.
Foto: Michael SchickIn den Tagen vor der Demonstration schickte Jutta Ditfurth Collagen an die Medien, auf denen die neuen Türme der EZB von Tausenden Demonstranten umringt werden. Dazu passte der Aufruf einzelner Gruppen, den Bauplatz zu besetzen. (mit dapd)
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