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04. Mai 2015

Anti-Pegida-Bewegung: "Wir sind die Azzlacks"

 Von 
Gegner der "Freien Bürger für Deutschland" auf dem Römer.  Foto: privat

Wo Pegida oder "Die freien Bürger für Deutschland" auftreten, sind die Frankfurter Azzlacks nicht weit. Auf dem Römer hat sich unsere Redakteurin mit zwei von ihnen unterhalten.

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Am heutigen Montag versammeln sich Heidi Munds "Freie Bürger" erneut auf dem Frankfurter Römer: "Volksvertreter statt Volksverräter" lautet das Motto. Im Vorfeld haben verschiedene Gruppen in den sozialen Netzwerken zur Gegendemonstration aufgerufen, auch die "Frankfurter Azzlacks gegen Pegida": "Genießt euer Wochenende, Chos. Wichtig ist nur, dass ihr Montag fit seid!" Vor der Kundgebung haben zwei der Jungs in einem Café von sich erzählt, die Antworten sind zusammengefasst. Ihren Namen wollten sie nicht verraten: "Zu viele Haterposts", sagen sie.

Wer sind die Azzlacks? Stimmt es, dass sie als illegale kurdisch-arabische Einwanderer nach Deutschland gekommen sind, weil sie Mohammed-Karikaturen gezeichnet haben?
Dazu gibt es verschiedene Theorien. Zunächst einmal heißt Azzlacks "asoziale Kanacken". Wir haben die Gruppe Anfang des Jahres gegründet, als wir gehört haben, dass Pegida jetzt auch nach Frankfurt kommen will. Mit dem Namen Azzlacks wollten wird das Bild aufgreifen, dass Pegida von Frankfurt und von Ausländern vermittelt. Da dachten wir uns: Genau das können sie haben. Insbesondere Migranten wollen wir ansprechen, die sind ja besonders betroffen. Das hat bis jetzt auch ganz gut funktioniert - wir haben nicht nur die Studieliker und Unilinke.

Sind Sie eine politische Gruppe?
Wir sind eine Mischung. In erster Linie versuchen wir aber, Leute politisch zu mobilisieren. Azzlacks kommen aus dem Rap-Genre, in dieser Szene wollten wir auch Leute dazu bringen, über Pegida und die Rechten nachzudenken. Unsere 3000 Liker kommen aber nicht alle montags zu den Demos. In Berlin sind wir mittlerweile auch sehr beliebt.

Wieso mobilisieren Sie auf Ihrer Facebook-Seite explizit gegen Pegida? Rechte gab es doch schon immer.
Wir haben auch schon Sachen zu Blockupy und Flüchtlingspolitik gepostet. Was uns aber so aufregt, ist, dass Pegida der Fremdenfeindlichkeit einen ganz anderen Rahmen gegeben hat. Sie haben ihren Rassismus in die Mitte der Gesellschaft getragen und es als Delegation sogar in den Bundestag geschafft. Sowas geht gar nicht.

Warum ist der Widerstand gegen Pegida so wichtig? Es gibt Leute die meinen, man würde die zu ernst nehmen.
Für uns ist wichtig, dass rechtes Gedankengut nicht unkommentiert bleibt. Bei den "Freien Bürgern" sind es ja nicht nur eine Handvoll verrückter rechter Christen, da kommen auch noch Leute aus dem Freien Netz Hessen, das sind autonome Nationalsozialisten. Solche Leute kann man doch nicht einfach in der Stadt rumlaufen lassen. Außerdem hat es noch nie was gebracht, Nazis zu ignorieren. Bestes Beispiel ist die DDR. Uns hat auch immer gefallen, dass Frankfurt für Nazis eine No go Area war. Wir wüssten keinen Grund, warum das nicht so bleiben kann.

Wer hat den längeren Atem? Heidi Mund bzw. Pegida oder die Azzlacks?
Natürlich die Azzlacks!

Wenn Heidi Mund und Pegida in Frankfurt aufgeben, wird Ihnen dann langweilig?
Wir haben eine politische Öffentlichkeit erreicht, da gibt es noch eine ganze Menge zu tun. Für den 20. Juni ruft die Facebookgruppe Widerstand Ost/West zu einer Großkundgebung in Frankfurt auf. Die wollen die ganzen Hogesas und Pegidas in die Stadt holen. Das wird noch ein hartes Stück Arbeit. 

Was vermuten Sie für heute: Werden die Rechten durch Ereignisse wie zuletzt die Verhaftung der Terrorverdächtigen in Oberursel Zulauf bekommen?
Es gibt sicherlich Leute, die nicht differenzieren können. Und das spielt den "Freien Bürgern" schon sehr in die Karten. Aber wir hoffen jetzt mal, dass die Leute doch vernünftig genug sind, und nicht gleich da hinrennen.

30 "Freie Bürger" gegen 500 Demonstranten

Die Azzlacks haben den längeren Atem, sagen sie. Heidi Mund droht nur 20 Minuten später, dass sie es sein wird, die auf Frankfurts Straßen siegen werde.

Die Ereignisse in Oberursel scheinen nicht für größeren Zulauf gesorgt zu haben. Es werden nur um die 30 "Freie Bürger" gezählt. Dem stehen geschätzte 500 Demonstranten gegenüber, die verhindern wollen, dass Munds Bürger durch die Stadt marschieren. Die Hoheit der Straße, sie soll der rechten Hetze nicht gewährt werden. Genau das hat die Polizei mithilfe eines Kessels jedoch durchgesetzt. Gegendemonstranten waren mehr als eine halbe Stunde festgesetzt, angemeldete Mahnwachen rund um den City-Bereich Römerberg / Hauptwache konnten nicht besucht werden. Der Polizeieinsatz kam völlig überraschend und war zu keinem Zeitpunkt verhältnismäßig.

Die Polizei hatte schließlich weite Teile des Mainufers um den Eisernen Steg komplett abgesperrt, um die "Freien Bürger" nach Sachsenhausen laufen zu lassen. Demoteilnehmer berichten, sie seien massiv angegangen worden. Die "Freien Bürger" wurden von der Polizei bis zur U-Bahn-Station Schweizer Straße geleitet, es soll zu Verhaftungen von einem Gegendemonstranten gekommen sein. Im Gegensatz zu ihren Anhängern sei Heidi Mund - laut Augenzeugenbericht - samt Demoequipment von einem Polizeiwagen mitgenommen worden. Was für ein Service.

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