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26. Januar 2015

Anti-Pegida: Das Bunte ist Programm

 Von Elisa Rheinheimer-Chabbi
Auch an einem Winterabend kann die Sonne lachen: Bunter Protest für Toleranz und gegen Rassismus auf dem Römerberg.  Foto: REUTERS

Schüler, Senioren, Eltern mit kleinen Kindern: 12.000 Menschen versammeln sich auf dem Römerberg, um Frankfurts Toleranz zu demonstrieren. Viele treten auch für eine gerechtere Flüchtlingspolitik ein.

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Petrus meinte es gut mit den Demonstranten: Punkt 18 Uhr hörte es auf zu regnen, nur noch vereinzelt reckten die Männer und Frauen, die zur Kundgebung gegen Rassismus zum Römerberg gekommen waren, ihre bunten Regenschirme in die Luft. Das Bunte war Programm am Montagabend: Frankfurt ist bunt, und das ist gut so – mit dieser Botschaft traten Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und die Organisatoren der Kundgebung ans Rednerpult. Zwölftausend Menschen waren trotz des schlechten Wetters zum Römerberg gekommen, um Zeichen zu setzen: für Vielfalt, Offenheit und Toleranz, gegen Rassismus, Hass und Fremdenfeindlichkeit.

„Mehr Weise aus dem Morgenland“, steht auf dem selbstgebastelten Plakat einer Teilnehmerin. „Ich habe dreißig Jahre lang mit einem Marokkaner zusammengearbeitet, wir sind wie Brüder“, sagt der 63-jährige Robert, der neben ihr steht. Und dann fügt er noch hinzu: „Wenn alle Menschen mit ausländischen Wurzeln mal für vier Wochen aus Deutschland ausreisen würden, wäre dieses Land sehr, sehr arm.“

Einige Schritte weiter steht eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern, die für die Kundgebung aus Darmstadt angereist sind. Über Facebook haben die Elftklässler von der Veranstaltung erfahren. „Wenn ein Sündenbock gesucht wird, ist das immer gefährlich“, sagt die 17-jährige Eileen. Dann streckt sie wieder ihr rosafarbenes Plakat in die Höhe, auf das sie geschrieben hat: „Menschenrechte statt rechte Menschen“. Inmitten der vielen Regenbogen-Flaggen und parteipolitischen Fahnen verschwindet es fast in der Menge.

Auf der Bühne spricht inzwischen Harald Fiedler, Regionsgeschäftsführer des DGB. „Wir lieben Frankfurt so wie es ist: bunt, weltoffen, vielfältig“, sagt er. Die Menge klatscht. Noch größer ist das Gejohle, als gegen Viertel nach sieben verkündet wird, dass sich gerade einmal zwanzig Pegida-Demonstranten versammelt hätten. Irgendwo wird laut getrommelt, die Menschen lachen und klatschen, die Stimmung ist gut.

„Kein Mensch ist illegal“ wird an die Hauswand des Römers projiziert. Auf der Bühne spielt der 89-jährige Emil Mangelsdorff Saxophon. Ein Vater wiegt sein Baby im Arm. Warum er hier sei? „Das versteht sich doch von selbst“, sagt er und lacht.

Jede Menge Demonstranten treffen sich auf dem Römerberg.  Foto: dpa

An der Alten Nikolaikirche hängt ein großes Banner, auf dem geschrieben steht: „Unterdrückt nicht die Fremden, die in eurem Land leben, sondern behandelt sie genau wie euresgleichen. Jeder von euch soll seinen fremden Mitbürger lieben wie sich selbst. 3. Mose 19,33“. Vor der Kirche versuchen Junita und ihre 23-jährige Tochter Inke einen Blick auf die Bühne zu erhaschen. Sie sind Mitglieder der indonesischen Christus-Gemeinde „und ein Teil Frankfurts“, sagt Inke. „Christen haben keinen Platz für Fundamentalisten.“

Dann ertönt der Ruf „Wir sind das Volk“, zaghaft erst, schließlich ein bisschen lauter. Ein Gefühl des Zusammenhalts vereint die Menschen, lauter freundliche, fröhliche Gesichter. Abdul Aziz, ein Flüchtling aus Ghana, der auf der Bühne ans Mikrofon tritt, erhält besonders viel Applaus von den Frankfurtern.

Über zweihundert Organisationen hatten sich der Stadt und dem Römerbergbündnis angeschlossen und zur Kundgebung für Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit aufgerufen: Christen und Muslime, Juden und Atheisten, Linke und Rechte, Junge und Alte, Frauen und Männer.

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„Wir verurteilen es, wenn Muslime pauschal verurteilt werden und wenn Juden ihr Jüdisch-sein nicht mehr öffentlich leben dürfen“, sagt die evangelische Pröpstin Gabriele Scherle und übergibt das Mikrofon dann an ihren muslimischen Kollegen Selcuk Dogruer vom Rat der Religionen. Der begrüßt die Anwesenden auf arabisch und auf hebräisch mit „Salam alaikum“ und „shalom aleichem“, „Friede sei mit euch“.

Der zehnjährige Recep schaut mit großen Augen nach vorne. „Ich habe meinen Lehrern erzählt, dass ich heute Abend hierherkomme“, sagt er stolz und nimmt die Hand seiner Mutter.

Auf der Bühne sind zwei deutsch-türkische Musiker ans Mikrofon getreten, die eine türkische Interpretation von Bob Dylans „Blowin‘ in the wind“ zum Besten geben. Eine klare Frauenstimme dringt durch die Nacht. Jetzt wird es emotional. Die Menschen summen mit. An einem Wohnhaus wird der Vorhang zurückgeschoben und eine Frau öffnet das Fenster. Die Botschaft scheint jetzt auch bei den Letzten angekommen zu sein.

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