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22. Juni 2013

Anti-Republikaner-Demo: Polizei zeigt sich von ihrer Schokoladenseite

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Die Gegendemo gegen Aufmarsch der Republikaner am Willy-Brandt-Platz wäre beinahe eskaliert.  Foto: Michael Schick

Hunderte Gegendemonstranten aus dem linken Lager verhindern eine Kundgebung der Republikaner am Willy-Brandt-Platz. Die Polizei setzt die stärksten Waffen ein, die sie aufzubieten hat: Freundlichkeit und Gelassenheit. Beinahe schon zu gelassen.

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Hunderte Gegendemonstranten aus dem linken Lager verhindern eine Kundgebung der Republikaner am Willy-Brandt-Platz. Die Polizei setzt die stärksten Waffen ein, die sie aufzubieten hat: Freundlichkeit und Gelassenheit. Beinahe schon zu gelassen.

Zufälle gibt’s. Eigentlich ist am Willy-Brandt-Platz gar keine Gegendemonstration angemeldet. Eigentlich wissen die Behörden nur davon, dass ein paar „Republikaner“ vor der EZB demonstrieren wollen. Für das Vaterland, gegen den Euro und solche Sachen.

Und dennoch stehen auf der anderen Seite der Mauer aus uniformierten Polizisten, die die etwa zwei Dutzend Republikaner abschirmt, mindestens 300 Gegendemonstranten, die meist dem linken Lager zuzuordnen sind. Thomas Occupy, bekannt aus der gleichnamigen Bewegung, ist etwa rein privat „zum Sonnenbaden“ da. Und auch der Pontifex Maximus der Anti-Nazi-Koordination, Hans Christoph Stoodt, hat seinen Samstagsmittagsspaziergang auf den Willy-Brandt-Platz verlegt. Und er hat ein Megaphon dabei – wohl für den Fall, dass es regnet. Es regnet aber nicht. Stattdessen spielt sich vor dem Eingang der Oper ein bisschen absurdes Theater ab. Während die Republikaner ihre Lautsprecheranlage aufbauen, rottet sich direkt vor der Polizei der kleine, aber unangenehme Teil der Demonstranten zusammen, die gekommen sind, um die Sau rauszulassen. Sie trinken Dosenbier, pöbeln die Polizisten an und bedenken die „Republikaner“ mit Sprechchören. Von unappetitlich wie „Schießt den Nazis in die Hoden – deutsches Blut auf deutschem Boden“ bis ganz lustig wie „Ohne Verfassungsschutz wärt ihr nur zu zweit“.

Emotionale Aktivisten

Die Polizei setzt an diesem Tag die stärksten Waffen ein, die sie aufzubieten hat: Freundlichkeit und Gelassenheit. Beinahe schon zu gelassen. Die Lage droht zu eskalieren, als ein junger „Republikaner“ sich zu seinen Gesinnungsgenossen durchkämpfen will und von einem wütenden Mob verprügelt wird. Die Beamten zögern fast, bevor sie den jungen Mann vor den Schlägern schützt. Sie beenden den Kampf so zurückhaltend, wie das geht – dennoch wird selbst dies offenbar von einigen als faschistische Aktion wahrgenommen. Stoodt jedenfalls kräht sofort durch ein Megaphon, dass die Polizei eine Schlägerei angefangen und einen Aktivisten festgenommen habe. Was höchstens zur Hälfte stimmt, denn in der Tat wurde einer der Schläger festgenommen.

„Die sind heute sehr emotional“, sagt ein Frankfurter Polizist abseits der Demo, „das kann man ja auch verstehen nachdem, was bei Blockupy passiert ist“. Den Fehler will man nicht wiederholen. Und tatsächlich gelingt es, die Veranstaltung, die mit enormen Aggressionspotential losging, doch noch zu dem wird, was sie eigentlich hätte sein sollen: eine Verhinderung der  „Republikaner“-Kundgebung.

Die Linken brüllen, rasseln, werfen Eier und sonstwas. Die Rechten spannen Regenschirme auf und brüllen etwas von „rotlackierten Faschisten“ ins Megaphon. Richtig spaßig wird es, als ein paar Demonstranten aus dem Inneren des Schauspiels durch eine Nottür gestürmt kommen, sich die Sprechanlage der „Republikaner“ schnappen und damit abhauen und die Polizei unter Mordsgejohle hintendrein rennt. In diesem Moment, scheint es, haben alle ihren Spaß, selbst die Beamten.

Rechte haben die Schnauze voll

Nur die Republikaner nicht, die nach ungefähr einer Stunde niedergebrüllt werden, die Schnauze vollhaben und wieder abziehen, ohne zu ihrem eigentlich geplanten Zug durch die Innenstadt überhaupt  aufgebrochen zu sein. Zum Abschluss wollen sie noch die ein oder andere Strophe des Deutschlandlieds singen, was die Polizei untersagt, weil mittlerweile auch Härteres als Eier durch die Luft fliegt. Die Republikaner flüchten Richtung U-Bahn, ein paar in ein Auto, dass danach noch etliche Minuten von Demonstranten blockiert wird. „Liebe Leute“, sagt ein Polizist via Lautsprecher am späten Nachmittag, „ich sag’s bestimmt zum 21. Mal: Ihr habt erreicht was ihr wolltet, die Demo ist vorbei. Gebt doch bitte den Wagen frei, dann können wir alle nach Hause.“

Das nutzt alles nichts. Später, am Südbahnhof, wo sich die organisierten längst von den nicht organisierten Demonstranten getrennt haben, rasseln erstere mit zwei Republikanern zusammen, entlädt sich noch einmal der ganze Hass auf die „Faschisten“ und ihre „Beschützer“. Es kommt zu Handgreiflichkeiten, mehrere Demonstranten werden verhaftet. Opfer übertriebener Polizeigewalt waren diesmal wohl kaum darunter.

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