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29. Juli 2014

Antisemitismus: Entsetzen über Morddrohung

 Von  und 
Kämmerer Uwe Becker will einen Tag lang eine Kippa tragen.  Foto: peter-juelich.com

Nach einem antisemitischen Hass-Anruf bei einem Rabbiner sind viele Frankfurter Juden besorgt. Kämmerer Uwe Becker will mit einer ungewöhnlichen Aktion "ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen".

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Der Drohanruf bei einem Frankfurter Rabbiner hat bei vielen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Angst und Entsetzen ausgelöst. „Es sind Hemmschwellen gefallen, und das setzt den Leuten zu“, sagte Sacha Stawski, Vorsitzender des proisraelischen Vereins Honestly Concerned, der Frankfurter Rundschau. Viele Frankfurter Juden fühlten sich momentan unsicher auf der Straße und achteten zum Beispiel darauf, in der Öffentlichkeit nicht sofort als Jude erkannt zu werden. Die aktuellen Morddrohungen gingen vermutlich von einem wütenden und sehr verzweifelten Menschen aus, sagte Stawski. Dennoch müsse man sie „leider ernst nehmen“.

Am Freitag hatte ein Unbekannter, der sich als Palästinenser mit Angehörigen im Gazastreifen ausgegeben hatte, einem Frankfurter Rabbiner damit gedroht, 30 jüdische Bürger der Stadt zu ermorden, falls seine Familie durch die israelischen Luftschläge in Gaza zu Schaden kommen sollte. Dieter Graumann, Mitglied des Gemeindevorstands und Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, hatte daraufhin die Einschätzung geäußert, „dass der Hass eine neue Qualität erreicht hat“.

Polizeisprecher Rüdiger Reges sagte am Dienstag, seine Behörde stehe in engem Kontakt mit der Jüdischen Gemeinde. Zum Hintergrund der aktuellen Drohung konnte er nichts sagen, da die Gemeinde die Tat bis zum Nachmittag nicht angezeigt hatte.

Polizei betont Sicherheit

Reges verwies auf die „Schutzmaßnahmen vor jüdischen Einrichtungen“. Diese seien „immer sehr hoch“, würden aber auch an die politische Lage angepasst.

Eine Frankfurter Jüdin, die ihren Namen aus Angst auf keinen Fall in der Zeitung lesen wollte, sagte der FR, die Stimmung in ihrem jüdischen Bekanntenkreis sei derzeit „panisch“. Nach den zuletzt gefundenen antisemitischen Schmierereien an der Baumweg-Synagoge und der Anne-Frank-Bildungsstätte liege jetzt eine erste konkrete Bedrohung gegen Frankfurter Juden vor. „Die Qualität, die das jetzt angenommen hat, ist eine neue“, sagte die Frau. Obwohl sie sonst nicht leicht zu beunruhigen sei, habe sie ihrem Sohn verboten, auf der Straße seine Kippa zu tragen. Nach den Ereignissen der letzten Wochen sei sie „einfach nervös“.

Seitdem der Konflikt zwischen Israel und der islamistischen Hamas vor gut zwei Wochen erneut militärisch eskaliert ist, sind bei propalästinensischen Demonstrationen in Deutschland wiederholt antisemitische Parolen gerufen worden. In der vergangenen Woche war in Berlin ein 18-Jähriger geschlagen worden, vermutlich, weil er eine Kippa trug.

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Sacha Stawski sagte der FR, ein Problem sei, dass manche Leute ernsthaft glaubten, deutsche Juden hätten Einfluss auf das Vorgehen der israelischen Regierung. Gegen solche antisemitischen Ressentiments müsse stärker vorgegangen werden – etwa durch pädagogische Arbeit und Bildungsreisen: „So etwas muss viel mehr geschehen.“

Unterdessen will Kämmerer und Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) mit einer ungewöhnlichen Aktion „ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen“. Den ganzen Mittwoch über wird er eine Kippa tragen.

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