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Frankfurt
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01. Februar 2016

Anzeige der Titanic: Schnittchen für die Bürgerwehr

 Von Thomas Stillbauer und Georg Leppert
Das Satiremagazin Titanic (Symbolbild).

Wie die „Titanic“ hilflose Frauen und das christliche Abendland retten will. Alles also nur ein Witz? Zumindest die Frankfurter Polizei hat sich ernsthaft mit der Anzeige beschäftigt.

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Die Anzeige ist klein, aber gelb. Wer die Zeitung samstags aufmerksam liest, dem dürfte sie aufgefallen sein: „Neue Bürgerwehr“, steht da fettgedruckt. „Mitstreiter in Frankfurt gesucht. Anforderungsprofil: Selbstbewusstes Auftreten, dt. Pass, wacher Kopf. Vergütung und Details am Telefon (ab Montagmittag). Vertraulichkeit garantiert.“ Urheber der Annonce ist die Satirezeitschrift „Titanic“ – und sie betont: „Es ist uns ernst.“ Was die Polizei wiederum nicht so richtig witzig findet.

„Guten Tag, Sie sind bei der Bürgerwehrmacht Frankfurt“, sagt am Montagvormittag der Anrufbeantworter und lädt ein, eine Nachricht zu hinterlassen oder später erneut anzurufen. „Auf unsere Sicherheit!“ Andernorts soll es ja schon zu solchen Auswüchsen gekommen sein, alles mit dem Ziel, das Abendland vor den einfallenden Horden zu schützen. Aber in Frankfurt? Eine Stunde später, nächster Versuch. Jetzt ist ein Mann live am Apparat. „Wir suchen fähige, fitte junge Bürger, die für Ordnung in Frankfurt sorgen möchten“, sagt er. „Aus Angst nach den Vorfällen von Köln.

Wir planen Rettungen von hilflosen Frauen, Escort-Dienste in dunklen Ecken, wir wollen auch mal in Gruppenstärke durchs Bahnhofsviertel ziehen.“ Muss man stark sein, um da mitmachen zu dürfen? „Na ja, man sollte schon in Notsituationen zuschlagen können“, sagt der Mann. Und wann sind Zusammenkünfte geplant? Die „Bürgerwehrmacht“ wolle ihre Truppen vor den Aktionen „relativ kurzfristig zusammenrufen, wenn was anliegt“, heißt es. „Aber wir können uns auch gern vorher mal in der Stadt treffen.“

Klingt komisch. Kein Wunder, die Telefonnummer in der Zeitungsannonce ist identisch mit einer Nummer, die im Sommer von einem gewissen „Bundesamt für Flüchtlingsfragen (Baff)“ für eine Umfrage verwendet wurde – und deren Ergebnisse später in der „Titanic“ auftauchten.

Sogar der Staatsschutz wurde eingeschaltet

„Wir sind erst fünf Leute“, gibt die Bürgerwehrmacht zu, „alle deutsch, auch der inneren Einstellung nach, mit Heimatliebe ausgestattet.“ Vom Bewerber will man wissen, ob er mit Sachspenden dienen könne: Ein Auto zur Verfügung stellen, „Schnittchen schmieren“? Die Gruppenmitglieder seien alle christlich oder konfessionslos, sie sondierten gerade Problemviertel und wollten nächste Woche erste Trupps bilden. Teilnehmer bräuchten „nix Besonderes, nur festes Schuhwerk“, und: „Wir melden uns dann – Ihre Telefonnummer haben wir ja.“ Nein, haben sie nicht. Die Rufnummer war unterdrückt.

Alles also nur ein Witz? Zumindest die Frankfurter Polizei hat sich ernsthaft mit der Anzeige beschäftigt. Sogar der Staatsschutz wurde eingeschaltet. Denn, so sagt Sprecher Alexander Kießling, es sei zwar nicht verboten, eine Bürgerwehr zu gründen: „Die Polizei sieht solche Aktionen allerdings sehr skeptisch.“ Andernorts sei es schon vorgekommen, dass Bürgerwehren keinen Rückgang der Kriminalität, sondern einen Anstieg verursacht hätten, da die Mitglieder selbst straffällig geworden seien. Etwa, weil sie das in der Strafprozessordnung vorgesehene Festnahmerecht für jedermann deutlich zu weit ausgelegt hätten. Sofern es sich bei der Anzeige aber tatsächlich nur um Satire handele, „können wir die Ermittlungen jetzt einstellen“, so Kießling.

„Wir möchten aber wirklich eine Bürgerwehr gründen“, beharrt Titanic-Redakteur Moritz Hürtgen. „Wir sind ja fast eine reine Männerredaktion, und wir wollen gern abends Frauen begleiten.“ Seit dem Test-Anruf der FR (fünf Meldungen) habe sich die Nachfrage auch schon deutlich erhöht (mehr als 20 Meldungen).

Wegen der Polizei sorgt sich die „Titanic“ nicht: „Die schauen sich immer erst eine Weile an, was Rechtsradikale machen. Da haben wir noch Zeit.“ Bis zur Fußball-EM, hofft Hürtgen, soll „das Problem gelöst“ sein. Danach werde wieder der Fußball mit seiner „völkischen Stimmung übernehmen“, als „sozialer Klebstoff der Deutschen“. Und wenn nicht? „Wir wüssten nicht, was wir sonst noch tun könnten.“

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