Mag das Deutsche Filmmuseum nebenan sich vom Keller bis zum Dach neu erfinden, das Deutsche Architekturmuseum bleibt beim Original. Ab morgen zeigt sich das Institut nach zehn Monaten der Schließung dem Publikum wieder – weiß-in-weiß saniert „in der Grundhaltung des Erbauers“, wie Direktor Peter Cachola Schmal es ausdrückt.
Der Erbauer war vor 25 Jahren der Architekt Oswald Mathias Ungers und das Museum will ihm und seinem Leitgedanken des „Haus im Haus“ ein ewiges Denkmal setzen. Außen die historische, neoklassizistische Villa, innen die haushohe, kalkweiße Skulptur eines modernen Gebäudes mit Rängen, Ballustraden und Umgängen. Das Außen ist innen, das Innen außen, und umgekehrt.
Die paar Tage, bis am Montag auch die oberen Räume wieder eingerichtet sind, stellt sich das Museum pur und leer selber aus, als „die gebaute Idee“, erläutert Schmal. Am heutigen Donnerstag wird im Erdgeschoss, rings um ein imposantes Holzmodell des bedrohten Stuttgarter Hauptbahnhofs, die Ausstellung des architektonisches Werks von Paul Bonatz vorgestellt. 24 Stunden vorher war die Präsentation unter dem hohen Tonnendach „so etwa zu 25 Prozent fertig“: Vor der Tür rangierten Kolonnen von Lieferwagen, durch das aufpolierte Innenleben hallten („Hallo, bitte nicht über die Schwelle!“) die Alarmrufe der Arbeiter.
Drei Millionen für Sanierung
Bernward Kraus ist der Architekt, der bei der Sanierung, im guten Kontakt zu den Erben, das Ungerssche Leitbild hochhält. Er hat mit dem Kölner Baumeister, der damals auch im Frankfurter Westend ein Büro hatte, zusammengearbeitet. Anlass für die Arbeiten am Architekturmuseum waren mangelhafte Flucht- und Rettungswege, fehlender Brand- und Einbruchschutz und eine Heizung, die die Besucher frösteln ließ. Eine neue Heizung unter den neu verlegten Fußböden, neue Brandschutztüren, neue Lüftungsanlage, zum Innenhof neue Verglasung ... alles, was zu Ungers’ Zeiten noch nicht gefordert war, ist jetzt drin.
Auch die Klimaverhältnisse im schwarz-weiß durchgestylten Auditorium sollen nichts mehr zu wünschen übrig lassen; die Sitzstufen sind neu beschichtet, die Stühle allerdings „so hart geblieben, wie sie sind“. Drei Millionen Euro hat man für die Sanierung ausgegeben; in einem zweiten Bauabschnitt wird dann noch, genau 100 Jahre nach der Erbauung, die historische Hülle saniert.
Was Baumeister Oswald Mathias Ungers noch selber gefordert hat, die Öffnung jenes quadratischen Lichthofs, den er um eine alte Kastanie herum angelegt hatte, steht bevor. Der Baum allerdings hat schon im Jahr 2004 das Zeitliche gesegnet. Eine Gleditschie, so ist der Plan, wird ihn ersetzen – ein Baum, so malt sich das Bild Direktor Peter Schmal aus, „der sich vor all den weißen Wänden gelb entfaltet“. Von einer Glashülle geschützt, soll sich die steinerne barocke Venus dazu gesellen, die man bei den Bauarbeiten im Museumsgarten vergangenes Jahr ausgegraben hat; „die schaut dann den Baum an“.
Mit der Venus aus vergangenen Zeiten großbürgerlichen Lebens am heutigen Museumsufer zieht dann die Muse ins Museum ein.

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