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11. Januar 2016

Arzt in Ägypten: Zwei Jahre Haft wegen friedlicher Demo

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Ist im Knast und in schlechtem Zustand: Ahmed Said.  Foto: SAMSUNG CSC

Der Frankfurter Arzt Ahmed Said wird in Ägypten aufgrund einer Demo seiner Freiheit beraubt. Er soll mit seinem friedlichen Protest den öffentlichen Frieden bedroht haben. Amnesty International bittet um Unterstützung.

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Am 19. November 2015 versammelten sich etwa 30 Menschen auf einer Brücke in Kairo. Eine friedliche Demonstration und ein Gedenken für die Menschen, die bei den Protesten vor vier Jahren von der Polizei getötet wurden. Nach wenigen Minuten war die Aktion vorbei. Mehrere der Demonstranten wurden kurz darauf von der Polizei festgenommen. Bereits am 13. Dezember fiel das Urteil gegen fünf von ihnen: zwei Jahre Haft wegen Verstoßes gegen das eingeschränkte Demonstrationsrecht. Sie sollen den öffentlichen Frieden bedroht – und zudem den Verkehr behindert haben.

Darunter war auch Ahmed Mohamed Said, ein 33-jähriger Chirurg, der bei den Ausschreitungen 2011 verwundete Aktivisten behandelt hatte. Bereits seit 2013 lebe er in Frankfurt und arbeitete er Gastarzt am Uniklinikum. Hier lernte er auch seine spätere Verlobte kennen – bei einer Demonstration gegen den damaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi. Mittlerweile ist ein anderer an der Macht, Abd al-Fattah as-Sisi, und Ägypten gilt als Militärdiktatur.

Was das bedeutet, musste Ahmed Said am eigenen Leib erfahren. Nach Angaben seiner Freunde, die sich von Frankfurt aus für ihn einsetzen, wurde er bereits in den ersten zwei Tagen seiner Untersuchungshaft im Polizeigefängnis gefoltert. Beim Verhör misshandelten ihn die Beamten des Staatssischerheitsdienstes mit Schlägen, Elektroschocks und brennenden Zigaretten. Die enge Gefängniszelle musste er sich mit mehreren Mithäftlingen teilen.

In dem Gefängnis, in das er später gebracht wurde, gelten die Zellen als „Kühlschränke“, man liegt in der Kälte auf nacktem Boden, allein ausgestattet mit einem Loch in der Mitte zur Verrichtung der Notdurft. Said bekam keine Gefängniskleidung und konnte sich seit seiner Verhaftung nicht umziehen. Elf Tage lang bestand Kontaktsperre; er durfte keine Angehörigen sprechen. Ahmed Said ist am 8. Dezember in den Hungerstreik getreten, seitdem soll sich sein Zustand verschlechtert haben. Er soll nicht mehr stehen können und Schwierigkeiten beim Sprechen haben.

Amnesty bringt sich ein

Inzwischen setzt sich auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International für den Arzt und seine vier Leidensgenossen ein und ruft im Internet dazu auf, Appelle an Justiz- und Innenministerium zu schicken. Bislang haben sich 270 Menschen für die Freilassung engagiert.

Am 30. Dezember sollte die Berufungsverhandlung stattfinden – sie wurde auf den 13. Januar vertagt. Matthias Schneider, Saids ehemaliger WG-Mitbewohner in Frankfurt, rechnet nicht mit einer Freilassung.

Bereits beim ersten Prozess seien keine Zeugen verhört worden, sondern allein der Beamte der Staatssicherheit; physische Beweise lägen nicht vor. „Die Anklage ist haltlos“, sagt Schneider, der wenigstens auf einen fairen Prozess hofft. „Ägypten ist ein Polizeistaat.“

Mittlerweile wurde Said in ein anderes Gefängnis überführt. Dort soll er besser behandelt werden als zuvor. Schneider führt das auf den öffentlichen Druck zurück, der durch die Berichterstattung entstanden ist.

Ahmed Said schreibt in einem Brief aus der Haft: „Ich werde ein Gefangener bleiben, selbst wenn ich draußen wäre, und wir werden alle Gefangene in ihrem großen Gefängnis bleiben; aber ich habe getan, was ich getan habe, um mich frei zu fühlen und um meine Freiheit wieder an mich zu reißen, bevor sie lediglich eine Erinnerung für die Gefangenen ist, und um den letzten Lichtstrahl der Revolution und des Traumes aus der Zeit zu bewahren, in der ich fühlte, dass jemand dies tun muss.“

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