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Frankfurt
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21. Februar 2016

Astor-Kino Zeil: Astor verabschiedet sich vom Publikum

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Das Astor-Foyer und alles drum herum verschwindet, weil die Zeil-Galerie abgerissen wird.  Foto: Monika Müller

Mit dem Astor verabschiedet sich Frankfurts letztes großes Ein-Saal-Kino vom Publikum. Die letzte Vorführung in dem Kino ganz oben auf der Zeil-Galerie ist ausgebucht.

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Immerhin, die letzte Vorstellung ist gut ausgesucht. In „Hail, Caesar!“, dem jüngsten Streich der Gebrüder Coen, geht es um eine Zeit, als Hollywood noch Hollywood war, als Männer noch Errol Flynn hießen und Filme gedreht wurden, die dem staunenden Publikum dann in mächtigen Ein-Saal-Lichtspieltheatern präsentiert wurden, die eingedenk des alten Schiller-Imperativs „Der Menschheit Würde ist in Eure Hand gegeben. Bewahret sie!“ gebaut worden waren. Dann aber kam die Zeit der Multiplexe, jener cineastischen Aborte, in denen sich die Klientel solch unterschiedlicher Filme wie „Melancholia“ und „Big Mama’s Haus“ an der erbärmlich überfüllten Kinotheke um Käsenachos und Designerbier balgen muss. Und es gab das Astor.

Immerhin, die letzte Vorstellung ist gut ausgebucht. Oliver Felske sitzt am Samstagabend im Foyer des Astors, ganz droben auf der Zeil-Galerie, und nippt Cola aus der Flasche. „Hail, Cesar!“ hat er selbst noch nicht gesehen, vielleicht wird er sich am Sonntag noch in eine der allerletzten Vorstellungen mogeln, ein paar Einzelplätze seien vielleicht noch frei, „aber Montag wird dann schon ausgeräumt“. Es ist alles so traurig, aber Felske wirkt ganz entspannt, schließlich hat der gebürtige Frankfurter in einer Stadt studiert, die quasi vom Tod lebt: Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Wien, wo er nebenbei noch einen Beach-Club schmiss. Ein Hauch von Wehmut schwingt dann doch noch mit, wenn Felske sagt; „Wir waren als Event-Location unschlagbar.“ Aber hier irrt Felske.

Als Event-Location war das Astor eher mau. Zugegeben, der Blick von der Dachterrasse ließ die Zigarettenpause bei Überlänge leidlich charmant erscheinen, es gab eine Garderobe, einen Welcome-Drink und einen eigenen Kinoaufzug, der einem schon vor dem Filmstart das Gefühl eigener Wichtigkeit vermittelte, aber das war alles Tinnef. Unschlagbar war das Astor als Kino. Bequeme Sessel, guter Blick selbst von ganz vorne links, ausreichende Leinwand, satter Sound.

Natürlich war das Astor immer ein paar Euro teurer als die Kinos nebenan. „Aber dafür“, notierte die Korrespondentin der „Welt“ ein paar Monate nach der Eröffnung, „muss ich mich auch nicht in eine endlos lange Schlange für Cola anstellen. Meine Jacke knülle ich auch nicht wie gewohnt hinter meinen Rücken, sondern gebe sie an der Garderobe ab. An meinen Sitz, frei von Popcorn-Resten, die ansonsten gern an der Jeans kleben bleiben, kommt eine Kellnerin. Ich bestelle eine Käseplatte, die ein anderer Kellner mir bringt. Der Käse ist lecker, aber kostet knapp über elf Euro.“

Vielleicht geht es mit einem anderen Astor weiter

Das Verschwinden der mediterranen Käseplatte von der Speisekarte des Astors ist überhaupt eines der größten Mysterien der Kinogeschichte. In den letzten Monaten jedenfalls suchte der geneigte Besucher die locker knapp über elf Euro werte Köstlichkeit vergebens. „Man muss Opfer bringen“, sagt Felske und lässt die kulinarische Geschichte des Kinos, die er ebenfalls drei Jahre lang begleitet hat, Revue passieren: Am Anfang habe das Kino einen eigenen Koch gehabt, aber das habe sich nicht gerechnet, also sei der Koch wieder verschwunden – und nach ihm die mediterrane Käseplatte. Heute, sagt Felske, lasse man das Essen taufrisch vom Restaurant nebenan kommen.

Das muss man sich mal vorstellen: ein eigener Koch! Andererseits: Die „Titanic“ hatte auch einen eigenen Koch, untergegangen ist sie dann doch. Vielleicht werden eigene Köche auch einfach überschätzt.

Bequemes Sitzen – und das Ambiente-Licht.  Foto: peter-juelich.com

Man muss Opfer bringen. Etwa 100 Mitarbeiter hat Felske im Lauf der vergangenen drei Jahre kommen und gehen sehen, die meisten davon Studenten, fast alle waren am vorigen Wochenende noch mal da gewesen, um zu feiern. Eigentlich ein Happy End, wie man es aus dem Kino kennt: Das Unternehmen, sagt Felske, habe alle fair behandelt, und überhaupt, vielleicht gehe es ja eines Tages weiter. Es ist kein Geheimnis, dass das Astor mit der Einkaufsmeile My Zeil im Gespräch ist, die Platz genug bieten könnte. „Vielleicht machen die uns auch eine Dachterrasse“, visioniert Felske, „aber unterschrieben ist noch nichts“, und selbst wenn was unterschrieben wäre, „würde das wohl mindestens zwei Jahre dauern“.

Und auch danach dürfte es auch im besten Falle kein Ein-Saal-Kino geben. Der Mutterkonzern würde den Standort Frankfurt gerne halten, versichert Felske, aber ein neues Astor würde mit Sicherheit deutlich mehr als nur einen Kinosaal haben. Man muss eben Opfer bringen. Und auch im neuen Kino werde es zumindest in Frankfurt keine Technik zum Abspielen von 70-Millimeter-Filmen geben, wie sie die Astor-Kette an zwei anderen Standorten hat, das rechne sich nämlich ebenso wenig wie ein eigener Koch. In den drei Jahren, die er das Astor nun betreibt, habe es gerade mal zwei 70-Millimeter-Filme gegeben, sagt Felske: „Interstellar“ und „The Hateful Eight“, das habe sich nun echt nicht gelohnt.

Der 32-jährige Felske könnte sich gut vorstellen, irgendwann wieder Indoor-Filme in Frankfurt zu zeigen. Vielleicht, sagt er, werde er ja jetzt ein paar Open-Air-Veranstaltungen machen, da gebe es in Frankfurt noch Handlungsbedarf.

Das Ein-Saal-Kino und die mediterrane Käseplatte aber bringt das auch nicht wieder.

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