Aus den Boxen tönt das Lied „Final Countdown“, als sich ein südländisch aussehender Mann mit bunter Stoffblumengirlande um den Hals das Mikrofon schnappt und hineinbrüllt: „Mein Name ist Amando – Amando in the House!“ Die Menge vor der Bühne, auf der Amando steht, gröhlt. Gastronomen, Barkeeper und Leute, die einfach gern alkoholische Mixgetränke mögen, haben sich am Montagabend in der Union Halle eingefunden, um die 27. Deutsche Cocktail-Meisterschaft mitzuerleben. 38 Barkeeper aus Deutschland kämpften um die Ehre, als beste ihrer Zunft zu gelten.
Nachdem Amando „in the house“ die Stimmung angeheizt hat, tritt Marian Krause aus Mecklenburg-Vorpommern auf und bringt sie mit seiner Barkeeper-Coolness zum Kochen. Der Titel des Drinks, den er für die Menge kredenzt, lautet „What ever“. Mit der dazu passenden Lässigkeit jongliert der Cocktailmixer erst eine, dann zwei, dann drei Bacardi-Flaschen und ein metallenes Mischgefäß durch die Luft, lässt sie locker mal am Ellenbogen, mal am Knie abprallen bevor sie – in den meisten Fällen – wieder in seinen Händen landen. Was Krause da macht, nennt sich Flairtending, und ist nur eine der beiden Disziplinen der Cocktail-Meisterschaft. Die andere nennt sich schlicht „Klassik“.
Flairtending: Der Auftritt macht's
Während beim Flairtending in erster Linie der Auftritt zählt, also etwa die Wurftechnik und die Anzahl an Wurfvariationen, geht es beim klassischen Teil des Wettbewerbs hauptsächlich darum, dass der Cocktail der Jury schmeckt. Gewonnen hat in der Disziplin Daniel Pitthan aus Nordrhein-Westfalen mit seinem „Knob’s Maple Crusta“. Den Titel im Flairtending konnte der Frankfurter Tony Oliviero verteidigen, der ihn auch im vergangenen Jahr gewann.
- 4 cl Knob Creek Bourbon / Beam Global - 1,5 cl Chartreuse / Borco - 1,5 cl Ahornsirup - 1,5 cl Zitronensaft - 1 Zweig Rosmarin - 2 Spritzer Creole Bitters
- Dekoration: Orangenzeste, Rosmarin, Zuckerrand
- 4 cl Bacardi Superior / Bacardi - 2 cl Dom Benedectine / Bacardi - 2 cl Rose's / Schweppes - 1,5 TL Nelken - 3 Kumquats
- Dekoration: Vanilleschote
Da hatte Stephan Hinz in der Klassik-Sektion mit seiner „Atom-Limo“ überzeugte. Darin vereinte der Kölner Bourbon, Sherry, Ginger Ale, Zitronen- und Apfelsaft sowie Ingwer. Zuletzt verzierte er die Kreation mit einer Sauerkirsche und einer Apfelspalte und servierte sie in einem alten Marmeladenglas. Ein bewusster Umgang mit dem, was er isst und trinkt, ist Hinz wichtig und etwas, das man beim Cocktailmixen lerne, findet er: „Man muss sich mit diesem einen Drink auseinandersetzen und all seine einzelnen Komponenten wahrnehmen, damit er gut wird.“ Von den diesjährigen Teilnehmern und ihren Rezepturen ist Hinz begeistert: „Es wird viel mit Gewürzen experimentiert, ein Mixgetränk enthält auch Marmelade. Es sind viele kreative Sachen dabei.“ Auch was die Namen angeht, lassen die Teilnehmer ihrer fantasievollen Ader freien Lauf. Auf einem Tisch vor der Bühne gibt es neben den Siegerpokalen einige bereits gemischte Getränke zu besichtigen, darunter „Pink Köpi“, „Greenhorn“, „Brewberry“ und einen geheimnisvollen „J-32“.
Nur Innovationen gewinnen
Alle Drinks, die bei der Meisterschaft entstehen, sollen Innovationen sein, die noch auf keiner Getränkekarte stehen. „Letztendlich können wir das natürlich nicht mit Sicherheit nachprüfen“, meint Bernhard Stöhr von der Deutschen Barkeeper Union, die die Deutsche Cocktail-Meisterschaft einmal jährlich veranstaltet. Bisher gab es aber noch niemanden, der sich über ein geklautes Rezept beschwert hat. Ein Copyright gibt es auf die selbst kreierten Mischungen ohnehin nicht. Hinz legt aber auch gar keinen Wert auf ein Urheberrecht an seiner „Atom-Limo“: „Es ist doch schön, wenn viele gute Barkeeper viele gute Drinks servieren.“ Und wenn sie dabei auch noch so lässig rüberkommen wie Marian Krause, umso besser.

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